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Moses Gaster

Die Korrespondenz zwischen Moses Gaster und Hugo Schuchardt wurde von Luca Melchior bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Melchior, Luca. 2014. 'Die Korrespondenz zwischen Moses Gaster und Hugo Schuchardt'. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/1554, abgerufen am 15.05.2021

Moses Gaster

Bedeutung

Moses Gaster[1], Sohn einer geachteten jüdischen Familie aschkenasicher Herkunft aus Bukarest, studierte an der Breslauer Universität Orientalistik, Linguistik und biblische Studien und besuchte zugleich das jüdische theologische Seminar. Dort hörte er auch bei Gustav Gröber. 1877 promovierte er in Leipzig mit einer Arbeit über die Gutturale im Rumänischen (Gaster 1878b, 1878c), die Schuchardt anscheinend sehr beeindruckte (vgl. auch Găzdaru 1954:679; 1971:12). Gaster wirkte als aktiver Verfechter der Emanzipation der Juden, so dass er 1885 Rumänien – wohin er 1880 zurückgekehrt war – wieder verlassen musste (er wurde aber 1891 rehabilitiert, vgl. Goodman 1933:155). Er ging nach London, wo er zunächst (1886 bis 1891) Lecturer für Slawistik an der University of Oxford und seit 1887 auch Rabbiner der portugiesisch-sephardischen Gemeinde Londons war. Als langjähriger Leiter des Judith Lady Montefiore College in Ramsgate (Kent) war er eine der führenden Figuren des englischen Zionismus sowie der jüdischen Gemeinde in England.

Als Forscher beschäftigte sich Gaster mit Folklore und Volksliteratur. Er war Herausgeber und Übersetzer zahlreicher mittelalterlicher jüdischer und samaritanischer Texte sowie rumänischer Volksliteratur[2] und wirkte auch als Übersetzer jiddischer Literatur.

Seine äußerst umfangreiche Sammlung hebräischer, samaritanischer und slawischer Handschriften und Manuskripte befindet sich in der John Rylands Library der University of Manchester (dazu vgl. Haralambakis 2012/13), andere Materialien aus seinem Nachlass in den UCL Special Collections (University College London, London).



Informationen

In der Universitätsbibliothek Graz werden nur drei Briefe von Gaster an Schuchardt aus den Jahren 1877 (aus Breslau), 1886 und 1887 (aus London) aufbewahrt. Zwischen den zwei Forschern entwickelt sich kein wissenschaftlicher Diskurs. Im ersten Brief (Briefnummer 03571) lehnt der junge Gaster den Vorschlag Schuchardts ab, zusammen mit Jan Urban Jarník[3] eine rumänische Grammatik zu verfassen, die als Anhang zur geplanten fünften Auflage der diezschen Grammatik der romanischen Sprachen beim Eduard Weber’s Verlag (Bonn) geplant war. Mit deren Abfassung war Schuchardt selbst vom Verleger beauftragt worden, welcher Jarník – ohne den Verlag davon in Kenntnis zu setzen – zur Mitarbeit angeregt hatte. Als Schuchardt 1878 vom Unternehmen zurücktreten wollte, akzeptierte Jarník dessen Entscheidung unter der Bedingung, die Grammatik nicht allein verfassen zu müssen. Er und Schuchardt einigten sich auf Gaster als möglichen Mitarbeiter (vgl. den Brief vom 11.11.1878 mit der Archivnummer 05081 von Jarník an Schuchardt). Mit den zwei weiteren Briefen, die im kurzen zeitlichen Nacheinander verschickt worden sind (Dezember 1886, Briefnummer 03572 bzw. Januar 1887, Briefnummer 03573), liefert Gaster auf Anfrage Schuchardts bibliographische Hinweise zu Werken über den Einfluss des Rumänischen auf das Ungarische, die Schuchardt später in seinen Publikationen zum ungarisch-rumänischen Sprachkontakt (Schuchardt 1889, 1891, Archiv-/Breviernr. 222; 242) verwenden wird und diskutiert die Etymologie des rumänischen Wortes prunc.



Gegenbriefe

Es war bis zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich, die Briefe Schuchardts an Gaster ausfindig zu machen. Sie befinden sich nicht unter den in der Rylands Library in Manchester aufbewahrten Materialien von Gaster. In den UCL special collections (London) sind zahlreiche Materialien von Gaster, die sogenannten „Gaster Papers“ aufbewahrt; dabei sind aber keine Korrespondenzstücke Schuchardts aufgezeichnet. Eine Überprüfung des tatsächlichen Bestandes der „Gaster Papers“ war jedoch bisher nicht möglich.



Briefedition und Kommentare

Es wurden keine Korrekturen in der Briefedition vorgenommen; lediglich Passagen, die in den Briefen unterstrichen sind, wurden kursiv wiedergegeben; ebenso wurde auf die Angabe von [sic] verzichtet – das interessierte Publikum soll selbst darüber urteilen, wo und ob es sie eventuell für nötig hält. Eventuelle Verweise auf Personen, Ereignisse und Werke werden – soweit es möglich war – in der Befußnotung aufgeschlüsselt, wobei die bibliographischen Hinweise nur als Kurzzitat erscheinen und in der Bibliographie ausführlich dargestellt werden.

Die Schriftstücke sind mit den Grazer Bibliothekssiglen versehen.



Literatur[4]

Bensusan, Samuel Levy. 1936. 'Moses Gaster'. In: Schindler, Bruno (Hg.). In Honour of Haham Dr. M. Gaster’s 80th Birthday. Gaster Annversary Volume. London: Taylor’s Foreign Press: 9-14.

Cartojan, Nicolae. 1936. 'Dr. M. Gaster’s Activity in the Field of Roumanian Language, Literature and Folk-Lore'. In: Schindler, Bruno (Hg.). In Honour of Haham Dr. M. Gaster’s 80th Birthday. Gaster Annversary Volume. London: Taylor’s Foreign Press: 15-20.

Cihac, Alexandre de 1879. Dictionnaire d'étymologie daco-romane. Eléments slaves, magyars, turcs, grecs-moderne et albanais. Frankfurt/M.: Ludolphe St-Goar.

Ciorănescu, Alexandru. 2007. Dicţionarul etimologic al limbii române. Bukarest: Saeculum I.O.

Diez, Friedrich. 51882. Grammatik der romanischen Sprachen. Drei Theile in einem Bande. Bonn: Eduard Weber’s Verlag (Julius Flittner).

Drăganu, Nicolae. 1931: 'Etimologii: Artic (artig), artán (hartán, hârtău)'. In Dacoromania VI (1929-1930): 256-261.

Edelspacher, Antal. 1876. 'Rumun elemek a magyar nyelvben'. In Nyelvtudományi Közlemények XII: 87-116.

Florea, Virgiliu. 2008. Dr. M. Gaster, omul şi opera. Reconstituiri biobiliografice. Cluj-Napoca: Ed. Fundaţiei pentru Studii Europene.

Florea, Virgiliu. 2009. 'Dr. M. Gaster: 'I Am a Bit of a Romanian Scholar''. In: Branda, Alina / Cuceu, Ion (Hg.): Romania Occidentalis-Romania Orientalis. Volum omagial dedicate Prof. univ. dr. / Festschrift für Ion Taloş. Cluj-Napoca: Editura Fundaţiei pentru Studii Europene / Editura Mega: 221-231.

Florea, Virgiliu. 2009b. 'O carte de referinţă pentru romanişti: Chrestomatie română (1891) de Moses Gaster'. In Anuarul Institutului de Istorie „G. Bariţiu“ din Cluj-Napoca XLVI: 201-219, URL: http://www.historica-cluj.ro/anuare/AnuarHistorica2009/10.pdf (2014-01-16).

Gaster, Moses. 1878a. '[Rez. von] Jarník, Dr. Johann Urban, Sprachliches aus rumänischen Volksmärchen. (Sep.-Abdruck aus dem II. Jahresberichte der k. k. Unterrealschule in Wien, Leopoldstadt, Glockengasse 2.) Wien, k.k. Hofbuchdruckerei Carl Fromme 1877. 31 SS. Lex. 8°.'. In Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 29: 654-656.

Gaster, Moses. 1878b. Zur rumaenischen Lautgeschichte : I. Die gutturale Tenuis. Inaug. Diss. der Univ. Leipzig. Halle/Saale: E. Karras.

Gaster, Moses. 1878c. 'Zur rumänischen Lautgeschichte. Die Gutturalen'. In Zeitschrift für Romanische Philologie 2,3: 355-388.

Gaster, Moses. 1888. 'Die nichtlateinischen Elemente im Rumänischen'. In: Gröber, Gustav (Hg.): Grundriss der romanischen Philologie, Bd. I. Straßburg: Trübner: 406-414.

Gaster, Moses. 1891. Chrestomatie română. 2 Bde. Leipzig: Brockhaus / Bucuresci: Socecu & Co.

Gaster, Moses. 1901. 'Rumänische Litteratur'. In: Gröber, Gustav (Hg.): Grundriss der romanischen Philologie, Bd. II, 3. Abteilung. Straßburg: Trübner: 262-428.

Găzdaru, Demetrio. 1954. 'Epistolario inédito de 1878 sobre una nueva edición de la Gramática de Friedrich Diez'. In: Homenaje a Fritz Krüger, Bd. II. Mendoza: Universidad Nacional de Cuyo, Faculdad de Filosofia y Letras 'Dr. I. Fernando Cruz': 659-683 [auch in: ders. 1967. Controversias y documentos lingüísticos. La Plata: Instituto de Filología, Facultad de Humanidades y Ciencias de la Educación, Universidad Nacional de la Plata: 192-220].

Găzdaru, Demetrio. 1971. Cartas de B.P. Hasdeu a Hugo Schuchardt. La Plata: Instituto de Filología Románica.

Goodman, Paul. 1933. 'The Montefiore Endowment 1885-1933'. In: Think and Thank. The Montefiore Synagogue and College, Ramsgate 1833-1933. London: Oxford University Press/Humphrey Milford: 88-193.

Gröber, Gustav (Hg.). 1888-1902. Grundriss der romanischen Philologie, 2 Bde. (4 Tlbde.). Straßburg: Trübner.

Haralambakis, Maria. 2012/13. 'A Survey of the Gaster Collection at the John Rylands Library, Manchester'. In Bulletin of the John Rylands University Library of Manchester 89,2:107-130).

Hunfalvy, Pál. 1878. 'A rumun nyelv'. In Nyelvtudományi Közlemények 14: 265-308, 376-464.

Jarník, Jan Urban. 1877. Sprachliches aus rumänischen Volksmärchen. Wien: Fromme [=Separatabdruck aus dem II. Jahresbericht der k.k. Unterrealschule in Wien, Leopoldstadt, Glockengasse 2].

Jarník, Jan Urban. 1983. Corespondenţă. Bd. 2. Ediţie îngrijită, cuvînt înainte şi bibliografie de Traian Ionescu-Nişcov. Bucureşti: Minerva.

Körting, Gustav. 1884-1888. Encyklopädie und Methodologie der romanischen Philologie mit besonderer Berücksichtigung des Französischen und Italienischen, 4 Bde.: Theil. 1,1 (1884): Erörterung der Vorbegriffe; Theil. 1,2 (1884): Einleitung in das Studium der romanischen Philologie; Theil. 2 (1884): Die Encyklopaedie der romanischen Gesammt-Philologie; Theil 3 (1886): Die Encyklopaedie der romanischen Einzelphilologien, Zusatzheft (1888): Register. Nachträge zu Litteraturangaben. Heilbronn: Henninger.

Puşcariu, Sextil. 1922. 'Etimologii: prunc'. In Dacoromania II (1921-1922): 602-603.

REW=Meyer-Lübke, Wilhelm. 51972. Romanisches Etymologisches Wörterbuh. Heidelberg: Winter.

Rosetti, Alexandru. 1938. Istoria limbii române I. Limba latină. Bukarest: Fundaţia pentru literatură şi arta 'Regele Carol II'.

Şăineanu, Lăzar. 21895. Istoria filologieĭ române cu o privire retrospective asupra ultimelor deceniĭ (1870-1895). Studii critice. Bukarest: Socecŭ & Comp.

Schindler, Bruno 1936. 'List of Books and Papers of Dr. M. Gaster'. In: Schindler, Bruno (Hg.). In Honour of Haham Dr. M. Gaster’s 80th Birthday. Gaster Annversary Volume. London: Taylor’s Foreign Press: 21-36.

Schuchardt, Hugo. 1889. 'A magyar nyelv román elemeihez'. In Magyar Nyelvőr 18: 385-396; 433-442, Brevier-/Archivnr. 222.

Schuchardt, Hugo. 1891. 'Romano-magyarisches I'. In Zeitschrift für romanische Philologie 15: 88-123, Brevier-/Archivnr. 242.

Schwarzfeld, Moses. 1936. 'Biographical Sketch of Dr. Gaster’s Early Days'. In: Schindler, Bruno (Hg.). In Honour of Haham Dr. M. Gaster’s 80th Birthday. Gaster Annversary Volume. London: Taylor’s Foreign Press: 1-8.

Storost, Jürgen. 1990. 'Die Diez-Stiftung II. Zur Wirkungsgeschichte'. In Beiträge zur Romanischen Philologie 29.1: 117-133.



[1] Zu seiner Person und zu seinem intellektuellen und politischen seien Schwarzfeld (1936) und Bensusan (1936) in der Festschrift zu Gasters 80. Geburtstag genannt. Zu seinem Beitrag zur Rumänistik vgl. Cartojan (1936) im gleichen Band; eine (nicht vollständige) Bibliographie der Werke Gasters ebenfalls in diesem Band (Schindler 1936). Einen wichtigen biobibliographischen Beitrag zu Gaster gibt Florea (2008).

[2] Die Bedeutung seiner rumänischen Werke ist auch dadurch belegt, dass er für seine Rumänische Chrestomatie (Gaster 1891) von seinem alten Lehrer Gustav Gröber für den Diezpreis 1892 vorgeschlagen wurde (vgl. Storost 1990:197).

[3] Jan Urban Jarník (1848-1923) war einer der ersten und bedeutendsten tschechischen Romanisten; er gilt als einer der wichtigsten Experten der Zeit auf dem Gebiet der Rumänistik (vgl. z.B. die Einschätzung eines Zeitgenossen (Şăineanu 21895:252, Note), der ihn in einer Reihe mit Wilhelm Meyer-Lübke, Hugo Schuchardt, Graziadio Isaia Ascoli, Antonio Ive und Kristoffer Nyrop unter den Kennern der rumänischen Sprache nennt). In diesen Jahren war Jarnik Sekretär von Adolf Mussafia – bei dem er studiert hatte – in Wien. Jarník wurde zu etwa gleicher Zeit von Gustav Gröber gefragt, ob er die Abfassung einer rumänischen Grammatik für ein ähnliches großes Publikationsprojekt übernehmen wollte, das bei dem Verlag Geb. Henninger in Heilbronn hätte erscheinen sollen (wahrscheinlich handelt es sich um einen ersten Plan für den späteren Grundriss (Gröber 1888-1902), der jedoch bei Trübner erschien). Eine Kooperation zwischen Gaster, den Gröber für sein Projekt zunächst ins Auge gefasst hatte, und Jarník wäre von Gröber selbst willkommen geheißen worden, wie seine Briefe an Schuchardt (Archivnummer 04028 vom 30.10.1878, Archivnummer 04029 vom 29.11.1878 und Archivnummer 04031 vom 1.2.1879) bezeugen; sie kam jedoch nie zustande.

[4] Die Bibliographie umfasst alle in der Einleitung und Briefedition als Kurzzitat angeführten Titel.