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Brief (07-03014)

Herrn Prof. Dr Hugo Schuchardt in Graz

Redaction

        der

Allgemeinen Zeitung                                                                 Augsburg, 13 Mai 1878.

Hochgeehrter Herr Professor!

Unsere Setzer scheinen aus eigenem Antrieb in der Arbeit an Ihren weiteren Artikeln innegehalten zu haben bis Nro 1. (od. 3) erschienen sein würde,[1] da sie bei fortwährend großem Bedarf an Schrift nicht allzu viel vorräthigen Satz in ihren Schiffen stehen lassen mögen. Aus diesem Grunde konnte Ihnen also auch keine weitere Correcturfahne zugesandt werden. Wenn alles gut geht, d.h. wenn keine dringenderen Sachen einlaufen, gedenke ich mit der Publication Ihrer Briefe Anfangs der nächsten Woche vorzugehen; bis dahin ist die Beilage freilich noch mit Beschlag belegt.

Daß Freund Steub[2] sich endlich einmal auf ein anderes Gebiet als auf sein ewiges Tirol gewagt hat, kann ihm und uns nur wohl thun;[3] ich habe aber die Wahrnehmung gemacht, daß er sich nirgends mehr recht einzuleben vermag, wo ihm der Tiroler Wein und die Tiroler Forelle fehlt. Von seiner vor zwei Jahren unternommenen Romfahrt kam er sehr verstimmt nach Hause, und er vermochte auch nicht eine Zeile darüber aufs Papier zu bringen. Möchte es ihm diesmal besser gelingen!

Hätten Sie nicht Lust uns hin und wieder kurze kritische Notizen über neuere Erscheinungen auf dem Gebiete der romanistischen Literatur zu bringen, in ähnlicher Weise wie dies Prof. Bechstein in Rostock (zb.) für uns auf dem Felde der Germanistik thut?[4] Sie würden uns dadurch sehr zu Dank verpflichten.[5]

Mit hochachtungsvollem Gruß zeichnet

Otto Braun

Chefredakteur der „Allg. Ztg“



[1] Keltische Briefe, vgl. HSA 03013.

[2] Ludwig Steub (1812-1888), Rechtsanwalt, Notar, bayerischer Heimatforscher.

[3] Steub hatte 1866 in der Augsburger Zeitung mit Bezug auf den Judenstein in Rinn (Tirol) darauf hingewiesen, dass die eucharistische Wallfahrt zur Grabkirche in Deggendorf auf einer Vertuschung der Judenpogrome von 1337/38 beruhe, worauf sich eine mehrjährige Polemik entspann; erst 1992 wurde diese Wallfahrt eingestellt.

[4] Reinhold Bechstein (1833-1894), Sohn des Märchenforschers Ludwig Bechstein, seit 1871 Germanistikprofessor in Rostock.

[5] Schuchardt verteilte seine Gunst auf viele verschiedene Zeitungen und Zeitschriften. Der nächste Beitrag für die Beilage zur Allgemeinen Zeitung stammt aus dem Jahr 1883: „Zum Baccelli'schen Gesetze“, Beilage zur Allgemeinen Zeitung (Augsburg, München), 2779f