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Brief (084-04083)

Straßburg i/E. Ruprechtsau, den 7.10.94.

 

Lieber Freund.

So gern ich Ihnen und Herrn Dodgson[1] entgegenkommen möchte, so wenig bin ich gerade jetzt in der Lage Raum für Beiträge zu der Rom Ztsch. zur Verfügung zu stellen, die ihrem Programm ferner stehen: Sie werden selbst aus den Daten, die in den nächsten Heften der Ztsch. die Beiträge zeigen werden, ersehen, daß ich Mühe habe die eingesandten Arbeiten der romanistischen Mitarbeiter unter Dach zu bringen, die doch den Anspruch haben in erster Linie berücksichtigt zu werden: ich könnte den Druck des D’s.schen Ms.s in Bd XIX kaum in Aussicht stellen. Hinzu kommt, daß es sich durchaus rechtfertigen ließ, daß ich Ihren baskischen Artikel in die Ztsch. aufnahm, – und Sie selbst haben in dankenswerther Weise vor den Lesern der Rom. Ztsch. seine Publication darin gerechtfertigt; – es hatte nicht nur ein allgemeines Interesse, sondern auch einen der wichtigsten Mitarbeiter der Ztsch. zum Verfasser. Beides trifft bei der Besprechung Dodgsons nicht zu: sie ist überdies englisch geschrieben, während die Ztsch., außer den roman. und der deutschen Sprache keine weitere Sprache in ihren Artikeln zulassen sollte: im Grund- ǀ2ǀ satz, von dem bisher nur einmal abgewichen worden ist, und in Rücksicht auf den Eifer der amerikanischen Fachgenossen in Zukunft allerdings wohl noch öfter wird abgewichen werden müssen – in romanistischen Beiträgen.

Daß es schwer hält Aufsätze, wie den vorliegenden zum Druck zu befördern; ist allerdings bedauerlich; eine nicht auf bestimmte Sprachgruppen sich beschränkende Ztschr., wie es die Techmers war,[2] ist thatsächlich ein Bedürfnis. Am meisten haben das Sie wohl selbst erfunden [=empfunden ?], dessen Studien sich über eine ganze Reihe von Sprachgruppen erstrecken und darum läge es eigentlich Ihnen ob, dem bestehenden Mangel abzuhelfen – durch Herausgabe und Leitung einer „Ztschr. für Sprachwissenschaft“ überhaupt. Ein Verleger dafür würde sich finden. Ich glaube, daß es mir nicht allzu schwer werden würde Trübner, der sich für Sprachwissenschaft insbesondere interessiert, davon zu überzeugen, und ein Zeitschriftleiter, wie Sie, würde ihm hochwillkommen sein. Oder würden Sie selbst nicht die lästigen Redactionsgeschäfte auf sich nehmen mögen, so würde sich ein geeigneter Mitherausgeber finden lassen, dem dieser Theil der Arbeit übertragen werden könnte. Ihre besondre Auffassung von Sprachwissenschaft und ihren Aufgaben würden Sie durch eine solche Ztschr. nachdrücklicher Geltung zu verschaffen vermögen, als es durch gelegentliche da und dort veröffentlichte Erörterungen geschehen kann. Möchten Sie das erwägen. Der Artikel Dodgsons könnte auch ein Beitrag zu dieser Ztschr. werden.

ǀ3ǀ Ich behalte ihn zu Ihrer weitren Verfügung noch hier; scheint es Ihnen angemessen, so schicke ich ihn dem Verfasser selbst zurück; ich werde dann die bessere Sorte meiner Schrift, die zur Schönschrift sich steigern läßt, anwenden, um dem Engländer die Dinge klar zu machen, die ich ihm zu sagen haben werde.

Für die schlechte Behandlung aber, die ich, dank Ihrer Langmuth, bisher Ihnen mit meiner Schrift zu Theil werden ließ, bitte ich bei dieser Gelegenheit um Verzeihung.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr ergebener

GGröber



[1] Edward Spencer Dodgson (1857-1922), britischer Baskologe und Autodidakt; eine Zeitlang Günstling Schuchardts.

[2] Zu Friedrich Techmer (1843-1891), dem Hrsg. der Internationale[n] Zeitschrift für allgemeine Sprachwissenschaft, die allerdings nach seinem frühen Tod eingestellt wurde, vgl. Lfd.Nr. 1-11573-6-11578.