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Korrespondenz-Karte (19-07510)

PROF. DR. H. Morf

100 KURFÜRSTENDAMM

BERLIN-HALENSEE D. 8.VI.13

 

Hochverehrter lieber Freund,

Leider habe ich vorläufig nichts darüber feststellen können, wann Humboldt’s „Bask. Reise“[1] zum Abdruck kommen wird. Die ganze Humboldt-Ausgabe ist ein Schmerzenskind: ein Verleger hat Pleite gemacht & die Fortführung erfordert Mittel, die nur schwierig flüssig gemacht werden können. Erich Schmidt’s Nachfolger in der Humboldt-Kommission ist K. Burdach.[2] Er wird sich nächstens in diesem I2I Erbe genauer orientieren. Dann hoffe ich Ihnen Bestimmteres melden zu können.

Die „geräucherte Leberwurst“ ist gut und wohl zutreffend. Farinelli hat längst mit seinem Lehrer Morf gebrochen, da er keine Kritik verträgt (cf. Archiv, CXXI, 215).[3]

Mit herzlichen Gruss & Wünschen auch von meiner Frau

Ihr getreuer

H. Morf.



[1] Wilhelm von Humboldt unternahm 1799 und 1801 zwei längere Spanienreisen und verbrachte dabei auch einige Zeit im Baskenland, um die Sprache zu studieren. Zu Einzelheiten vgl.  Francisco J. Oroz Arizcuren, „Wilhelm von Humboldt und der Basko-Iberismus“, in: Piarres Lafitte-ri omenaldia, Bilbao 1983, 491-501 (Habilitationsvortrag Tübingen 1980).

[2] Einzelheiten bei Gerhard Dunken, Zur Geschichte der Herausgabe der „Gesammelten Schriften Wilhelms von Humboldt“, Berlin 1962.

[3] Im Verzeichnis der eingegangenen Druckschriften wird Farinellis Antrittsrede („L‘umanità di Herder e il concetto della ,razza‘ nella storia evolutiva dello spirito. Prolusione tenuta all' Universitä di Torino il 13 dicembre 1907, Catania  1908 [Studi di filologia moderna I]) positiv besprochen. Zum Schluss heißt es jedoch (S. 216): „Die entwicklungsgeschichtliche Darlegung, die der Titel verspricht, ist leider zu kurz gekommen. Gerade hier hätte uns der belesene Verfasser gewiß viel Neues sagen können“. Möglich, dass Farinelli Morf diesen Schlusssatz übel nahm. In seiner Autobiographie Episodi di una vita, Milano 1946, 76, schreibt er jedoch: „A dare solido sostegno alle mie conoscenze nessun maestro contribuì più validamente di Heinrich Morf. Da lui veniva il freno salutare ai miei voli deliranti nel fantastico; da lui il limpido discernimento nel groviglio delle vicende storiche delle letterature romanze, l’amore per la linguistica, come scienza di sviluppo spirituale, non come grammatica di parole; da lui il vigile scrutare e ponderare, succeduto al mio impetuoso abbandono all’irriflesso e istintivo, e il giudizio, scevro di passionalità, poggiato nel concreto, non nel vaporoso ed evanescente“.