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Brief (06-HS_HZS_04)

Gotha, 26 Apr. 90

Lieber Freund,

Besten Dank für Deinen liebenswürdigen und theilnehmenden Brief der glücklich in meine Hände gelangte obwohl Du auf der Adresse statt besonderen Kennzeichens das D aus meinem Namen entfernt hattest, während ich Dir doch Dein germanisirendes C immer belasse.[1] Vielleicht hat sich Karajan auch eine epistolarische Licenz erlaubt;[2] wenigstens ist mir bis heute noch keine Nachricht von ihm zugekommen. Ich werde nun doch direkt von hier aus an das Ministerium um einen Urlaub einkommen, aber nur um einen ganz kurzen; denn meiner Mama geht es leidlich, und ich müsste eigentlich ganz bei ihr bleiben wenn ich allem vorbeugen wollte, |2| was ihr eigene oder fremde Unachtsamkeit zuziehen könnten.

Auf meine Nerven kann ich bei dem Urlaubsgesuch mich kaum beziehen; sie sind zwar jetzt im Frühjahr recht unartig, aber doch nicht so dass ich nicht einiges schaffen könnte und Gotha ist für sie der unzuträglichste Aufenthalt den ich finden könnte.

Schreibe mir ob ich Deinen Otto[3] an meinen guten Freund und Landsmann K. Zangemeister[4] (vielleicht kennst Du ihn als Kollegen) empfehlen soll. Derselbe war vor Kurzem mit seiner Familie hier; er hat eine ganz nette Tochter und ditto Sohn (stud. med.), der allerdings noch recht schlecht Skat spielt, wie ich selbst erprobt habe. Zangemeister |3| sen. ist ein grosser Musikante und ein lebhafter, liebenswürdiger, gefälliger Mensch. Freilich kann ihn Otto auch durch Osthoff [5] kennen lernen.

Rullmann schrieb mir neulich;[6] ich hatte ihm meine Besorgnis geäussert, dass ich heuer auf dem Ruckerlberg bei der nun fest organisierten Partie, keinen Platz finden würde. Er ist aber direkt auf die Lösung dieses Problems nicht eingegangen.

Mit besten Empfehlungen – auch von meiner Mama – an Deine Damen grüsst Dich

herzlich

Dein HS



[1] In Wurzbachs biographischer Skizze ist am Ende vermerkt: „Auch ist zu bemerken, daß er sich zum Unterschied der übrigen Familienmitglieder, die sich Zwiedinek (infolge ihrer slavischen Abstammung) schreiben, der Schreibung mit ,c, Zwiedineck, bedient (Wurzbach 1891: 343).

[2] Siehe Brief Nr. 05-HvZ_HS_03.

[3] Otto von Zwiedineck (1871-1957), Sohn Zwiedinecks und später Wirtschaftswissenschaftler und Staatsrechtler. Von Otto von Zwiedineck liegen zwei Schreiben im Nachlass Schuchardts vor (Bibl. Nr. 13169-13170).

[4] Karl Zangemeister (1837-1902), Bibliothekar und klassischer Philologe, von dem mehr als 20 Korrespondenzstücke im Schuchardt-Nachlass vorhanden sind (Bibl. Nr. 12943-12965). Zangemeister stammte wie Schuchardt aus dem heutigen Thüringen.

[5] Vermutlich der Indogermanist und Junggrammatiker Hermann Osthoff, der seit 1877 wie Zangemeister (seit 1868) in Heidelberg tätig war. Dass die Familie Zwiedineck und Osthoff einander kannten, lässt ein im LXXXIX. Jahresbericht des Steiermärkischen Landesmuseums Joanneum über das Jahr 1900 (S. 54) angegebene Schenkung Osthoffs an die damals noch von Hans von Zwiedineck geleitete Steiermärkische Landesbibliothek vermuten.

[6] Wilhelm Rullmann (1841-1918), Publizist und Redakteur bei der Grazer Tagespost. Seine Korrespondenz mit Schuchardt (Bibl. Nr. 09814-09852) ist noch unveröffentlicht. Allerdings enthält die erhaltene Korrespondenz keine Schreiben aus dem Jahr 1890, mit deren Hilfe sich der Bezug auf eine „Partie“ auf dem Grazer Ruckerlberg klären ließe.