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Brief (05-HS_HZS_03)

Gotha 21 April 90

Lieber Freund!

Ich habe vor einiger Zeit an Karajan[1] geschrieben damit er mir einen Dekanatsurlaub und Rath wegen des Wie und Wann eines Urlaubsgesuches an das Ministerium ertheile; habe aber noch keine Antwort erhalten. Könntest Du als Hausbewohner ihm die Sache nicht gelegentlich in Erinnerung bringen? Es kommt mir besonders darauf an zu wissen wann man – in praxi nicht in theoria – zu lesen anfängt. An Meyer[2] habe ich deswegen nicht geschrieben |2| weil er wohl ein Dampfschiff versäumt und daher noch in südlichen Gefilden weilen wird.

Meiner Mama geht es leidlich,[3] aber die Fortschritte sind minimal. Ich könnte es unter keiner Bedingung wagen sie jetzt zu verlassen weil sie psychisch und in Folge davon auch physisch allzusehr dadurch angegriffen würde. Neulich hat sie sich wegen einer verhältnissmässig unbedeutenden Sache – in meinem Interesse – aufgeregt und musste einige Tage das Bett hüten.

Schreib mir einmal über die neuesten Ereignisse von Graz und sei bestens

Gegrüsst von deinem

H S.

Bacio la mano alla padrona

 

[1] Max von Karajan (1833-1914), klassischer Philologe und im Biennium 1889/1890 Dekan der philosophischen Fakultät der Universität Graz. Schuchardt stand mit ihm ebenfalls in Briefkontakt (Bibl. Nr. 05295-05297). Der letzte von diesem im Schuchardt-Nachlass erhaltene Brief stammt allerdings schon aus dem Jahr 1880.

[2] Vermutlich Gustav Meyer (1850-1900), seit 1875 Professor für Sanskrit und Vergleichende Sprachwissenschaft an der Universität Graz. Der Briefwechsel (Bibl. Nr. 07160- 07183, ein Gegenbrief im Nachlass Meyers, ebenfalls an der Universitätsbibliothek Graz) ist noch unbearbeitet.

[3] Malwine Schuchardt (1815-1899), geb. von Bridel- Brideri. Schuchardt war seiner in seiner Heimatstadt Gotha lebenden aber aus einem Schweizer Adelsgeschlecht stammenden Mutter, nach der er seine Villa in Graz benannte, zeitlebens sehr verbunden.