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Brief (02-07432)

Coimbra, 25.6.24.

Sehr verehrter Herr Geheimrat!

Ihre freundlichen Zeilen vom 17.6. erreichen mich am Ufer des Mondego1, wo einst der liebte und lebte, dem Sie 1880 (?) einen Festgruß sandten2. – Ihre Hallenser Tätigkeit und Hauptveröffentlichung wurde in meiner mündlichen Doktorprüfung gestreift. Aus der Kenntnis der Geschichte der romanischen Philologie habe ich in den schweren Kampfjahren um den Aufenthalt im Ausland oft Kraft und Ausdauer geschöpft und jetzt auch endgültig gesiegt, wie ich hoffe, ohne mich überheben zu wollen, was besonders vor Ihrer ehrwürdigen Größe vermessen wäre. In einigen Tagen hoffe ich eine andere unserer Größen, Frau Michaëlis de Vasconcellos in (Oporto) Porto begrüßen zu können3, die mit ihren 75 Jahren hier noch ihre Lehrtätigkeit ausübt und fleißig veröffentlicht.

Erlauben Sie mir, die Einladung zur Bonillafestschrift zu erklären. Adolfo Bonilla y San Martín, Dekan der philosophischen Fakultät in Madrid, Lieblingsschüler Menéndez y Pelayo’s und dessen pietätvoller Biograph4 und Fortsetzer, sprach vor etwa ¾ Jahren von Ihnen.5 Sie hatten damals geschrieben, wie ich verstand, an ihn, er möge entschuldigen, wenn Sie infolge Ihres Alters schon etwas mühsam schrieben. Obwohl ich dies später geltend machte, bestand Herr Prof. H. Obermaier6, Prof. für Vorgeschichte an der Madrider Universität, darauf, Ihnen eine Einladung zu schicken. Sie hätten erst kürzlich eine baskische Studie veröffentlicht. B. soll eine gediegene europäische Festschrift haben.7 J. Leite de Vasconcellos ist noch fleißig an seiner vielseitigen Arbeit.8 Er regte mich zu einem D.a Carolina-Brevier9 nach Art des Schuchardt-Breviers an, fügte aber gleich hinzu, daß er es noch nicht gesehen hätte, worauf ich es ihm beschreiben konnte. Etwas Ähnliches kann man für D.a Carolina nicht zusammenstellen.

Daß Sie meiner Madrider Arbeitsstelle künftig gedenken wollen, danke ich Ihnen sehr. Mein Wunsch geht dahin, sie zu einem kleinen Institut auszubauen, mehr mit entschiedenem Arbeitswillen als Geld.

In tiefer Hochachtung grüßt Sie ganz ergebenst G. Moldenhauer.


[1] Der Mondego ist der längste Fluss, der nur durch Portugal fließt, u.a. an Coimbra vorbei.

[2] Camoens. Ein Festgruss nach Portugal zum X. Juni MDCCCLXXX, Graz 1880.

[3] Vgl. Bernhard Hurch, Grazer Linguistische Studien 72, Herbst 2009, 19-111 u. 113-133.

[4] Marcelino Menéndez y Pelayo (1856-1912), Madrid 1915.

[5] Im HSA gibt es einen Brief Bonillas vom 27.3.1922 (Brief 01216).

[6] Hugo Obermaier (1877-1946) arbeitete ab 1914 am Museo Nacional de Ciencias Naturales in Madrid und bekleidete von 1922-1939 einen eigens für ihn eingerichteten Lehrstuhl an der Complutense. Auch Obermaier findet sich unter Schuchardts Korrespondenten (HSA, Briefe 08372-08374, alle aus dem Jahr 1922).

[7] Da die Festschrift zu Lebzeiten des Geehrten nicht mehr fertig wurde, erschien sie als Gedenkschrift: Estudios eruditos in memoriam de Adolfo Bonilla y San Martín: 1875-1926, con un prólogo de Jacinto Benavente, 2 Bde. Madrid 1927 u. 1930. Zum 2. Bd. heißt es: „Dirigieron este homenaje: Lucio Gil Fagoaga y Gerhard Moldenhauer“.

[8] José Leite de Vasconcelos, „Linguagem portuguésa de Alamedilla ou ,Almedilha‘“, Estudios eruditos 2, 627-33. Der Verfasser (1858-1941) war ein portugiesischer Romanist, der von 1882-1926 intensiv mit Schuchardt korrespondierte (HSA, Nr. 06319-06366).

[9] Immerhin stammt aus Moldenhauers Feder eine „Bibliografia de D. Carolina Michaëlis de Vasconcellos", Revista da Universidade de Coimbra XI: Miscelânea de Estudos em Honra de D. Carolina Michaëlis de Vasconcellos, Professora da Faculdade de Letras da Universidade de Coimbra, Coimbra, Imprensa da Universidade, 1933, VI-XXIII.