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Brief (63-9571)

2 April 1925 [XIX. Karl Ludwigstrasse 69] XIX Weimarerstraße 83

Hochverehrter Herr Hofrat,

Verzeihen Sie, dass ich meiner grossen Freude über Ihre letzte Sendung erst heut Ausdruck gebe. Ich habe einen ganz elenden Winter hinter mir, diesmal infolge eines bösen Paratyphus, den ich mir – in Gastein geholt hatte. Gegen die Folgekrankheiten bekam ich Gaseinjektionen, die mich den ganzen Februar-März arbeitsunfähig machten. Nun habe ich Ihre Studie mit besonderer Freude gelesen. Mit welcher mächtigen Hand kneten Sie den Riesenstoff; immer festere Linie zeigt der Grundriss des Baus, an dem Sie so massgebend gearbeitet haben, so dass diese neue Studie sich als unmittelbare Fortsetzung der "Sprachursprungs"arbeiten darstellt, die mir besonders ans Herz gewachsen sind.1 Ich konnte mir auch nicht versagen, Sie in meiner demnächst erscheinenden 2. Ausgabe von "Wie wir sprechen" unter den Büchern anzuführen, die auch der Anfänger in sprachwissenschaftlichen Studien alsbald lesen soll. Auf alle Fälle habe ich bestimmte Teile dieses Büchleins ganz auf Ihre Arbeit aufgebaut.

Ich hoffe ein kleines Camõesbüchlein herausbringen zu können,2 gleichzeitig arbeite ich an einem Aufsatz über die Anwendung der experimentellen Phonetik auf sprachgeschichtliche Untersuchungen. Durch Scriptures Tätigkeit hier haben wir auf diesem Gebiete viel Anregung.

Verzeihen Sie, dass mir so die Feder durchgegangen ist, und empfangen Sie mit nochmaligem Dank die besten Ostergrüsse von Ihrer

herzlichst ergebenen Elise Richter


[1] Wahrscheinlich Hugo Schuchardt (1925).

[2] Elise Richter veröffentlicht in der Folge zum Thema zwar keine Monographie, aber zwei Artikel: 'Luis de Camões' (1925) und 'Camões der Dramatiker' (1929b).