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Postkarte (029-10)

17 Avril 1892

L. H. D.! Sie sagen dass ich den Empfang von Inchauspes Inf. I nicht erwähnt hätte; aber ich habe Ihnen ja gesagt dass ich – da mich alle diese Dinge mehr vom linguistischen, als vom philologischen Standpunkt aus interessiren (die beiden Ausdrücke haben bei uns ziemlich die umgekehrte Bedeutung als bei den Engländern) – das Weglassen der Accente beklage. Den Empfang des biskaischen Katechismus habe ich allerdings versäumt Ihnen ausdrücklich anzuzeigen. Ich will in der nächsten Zeit nur labourdische Texte lesen, weil meine Arbeit sich auf diese Mundart beschränken wird. Dass Goyhetche Pfarrer in Urrugne war, wusste ich ebenfalls schon von Pierre G., aber er kann kaum dorther stammen; wie käme er dazu die guipusc. Formen die für jenen Ort erklärlich sind, mit so vielen niedernavarr. zu mischen? Ich werde auch Piarres Adame noch einmal lesen und was ich sonst von profaner Litteratur finde; denn aus den religiösen Büchern deren Wortschatz stets der gleiche und ein ziemlich beschränkter ist, lernt man als Sprachforscher nicht sehr viel. – Sie empfehlen mir die Bibliothek der baskischen Gesellschaft; aber diese ist doch nicht sehr umfangreich und auserlesen – hat sie denn alle Sachen vom Prinzen Bonaparte (mir fehlt kaum Etwas davon, wenigstens nichts Wichtiges)? Und dann mit dem Ausleihen baskischer Bücher ist es eine eigene Sache; so lange man selbst bask. Studien treibt, kann man Nichts davon entbehren, und Linschmann braucht daher jene Bibliothek in ihrem vollen Umfang. – Maina ist, wenn ich nicht irre, südfranzösisch, lateinischer Herkunft. Über pikaina habe ich in meinem “Romano-baskisch” gesprochen; es ist gewiss romanisch. Überhaupt finde ich mehr und mehr lateinisch-romanische Wörter im Baskischen, und so lange diese nicht ausgeschieden sind, können wir kaum an weitere Etymologien denken. Vom 1. Mai an bin ich wieder in Graz.

Mit besten Grüssen

Ihr ganz ergebener

H. Schuchardt.