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Brief (09-06427)

Leipzig, 21. Mai 1898

Lieber Freund.

Ich habe schon mehrmals angesetzt, Ihnen für Ihre Tchèchques et Allemands[1] zu danken, kam aber vor heute nicht dazu. Die Schrift ist vortrefflich, schade, daß sie nicht auch in deutschem Gewande erscheint. Es ist das einzig vernünftige, was ich bisher über die Sache gelesen habe. Als der Briefwechsel von Mommsen[2] u. Jagić[3] bekannt geworden war,[4] setzte ich mich hin und schrieb einen Artikel, zerriß ihn aber wieder, weil ich mir sagte, daß ich doch mit den österr. Verhältnissen nicht genug vertraut sei.

|2| Unter meinen Büchern befindet sich Evangelioa San Lucasen Guissan. Madrid 1838,[5] ferner (Darrigol?), Dissertation critique… sur la langue Basque. Bayonne s.a.[6] Wenn Ihnen etwas an den Sachen liegt schreiben Sie mir einen Karte, ich schicke sie Ihnen dann; mir sind sie ganz unnütz, ich habe sie vor der Papiermühle aus dem aufgelösten Brockhausschen Antiquariat gerettet.

Mit bestem Gruß

Ihr

Leskien



[1] Vgl. Schuchardt (1898).

[2] Theodor Mommsen (1817-1903), Historiker und Altertumsforscher, war auch in politischen Auseinandersetzungen engagiert wie etwa im Antisemitismusstreit 1879/1880, in dem er öffentlich die antisemitischen Äußerungen Heinrich von Treitschkes (1864-1896) kritisierte. Leskien bezieht sich hier allerdings auf eine andere Einlassung Mommsens, in welcher dieser die österreichische Regierung für ihre auf Ausgleich bedachte Sprachenpolitik im damals tschechischen Teil der Monarchie kritisiert. In seinem "Brief an die Deutschen in Österreich", veröffentlicht von der deutschen Zeitung Neue Freie Presse am 31.10.1897, nimmt er eine deutsch-nationalistische Position ein. Der Brief ist auch abgedruckt in Sutter (1963: 159-160).

[3] Vgl. Eichler & Schröter (1986: 90, FN): "Jagić, Vatroslav (1838-1923), kroatischer Slawist; erster Ordinarius des Berliner Lehrstuhls für slawische Philologie (1874-80); begründete 1875 in Berlin das 'Archiv für slavische Philologie'; wirkte seit 1886 in Wien". Jagić stand sowohl mit Leskien als auch mit Schuchardt in Kontakt. Zum Briefwechsel zwischen Jagić und Leskien vgl. Pohrt (1982); zur dort angekündigten Publikation der 247 Briefe von Leskien an Jagić scheint es aber nicht gekommen zu sein. Eine Bearbeitung des Briefwechsels zwischen Schuchardt und Jagić ist noch ausständig. Im Nachlass Schuchardts in Graz befinden sich 40 Briefe (Bibl. Nr. 05015-05054) von Jagić, unter den an der National- und Universitätsbibliothek Zagreb aufbewahrten Manuskripten Jagićs befinden sich 64 Briefe von Schuchardt an Jagić (vgl. das Briefinventar des Jagić-Nachlasses von Hamm 1960).

[4] Leskien bezieht sich hier auf die damals in der Zeitung Deutsche Revue veröffentlichten Brief Jagićs an Mommsen und dessen gekürzte Antwort. Vgl. auch die Darstellung von Jagić (1904) und die in Sutter (1963: 219-221) veröffentlichten Briefe von Jagić und Mommsen.

[5] In der Schuchardtbibliothek (Weiss 31986: 149) findet sich Lucas Evangelista: Evangelioa (Evangelium bask.) San Lucasen guissan ([o. A.]. 1838). Ob es sich um das hier erwähnte Exemplar handelt, konnte nicht ermittelt werden. Ein Hinweis auf die Herkunft findet sich nicht.

[6] Ebenfalls in der Schuchardtbibliothek (Weiss 31986: 149) findet sich eine Dissertation critique et apologétique sur la langue Basque (Darrigol [o. J.]). Auch hier konnte nicht ermittelt werden, ob es sich um das besprochene Exemplar handelt. Hinzugefügt ist im Katalog aber der Hinweis "um 1825".