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Lieber Freund! Die Beruhigungstropfen waren sehr notwendig, ich danke vielmals. Ich bedaure aber noch daß ich dem Anschein nach Croce zu "cavalièrement" behandelt habe; in Wirklichkeit habe ich auch bei neuerlichem Durchblättern seiner Ästhetik die größte Bewunderung für ihn empfunden, habe nur die Bevormundung durch die Ästhetik etwas barsch abgelehnt.[1]

|2| Für die Drucksachen bin ich Ihnen sehr verbunden. Ihre soziologische Arbeit[2] hatte ich mir von Spitzer ausgeliehen, denn sonst hatte ich keine Aussicht sie in die Hand zu bekommen.

Mit herzl. Gruß

Ihr erg.

HSchuchardt

 

[1] In der zuletzt zugesandten Publikation Schuchardts Individualismus (Schuchardt 1923) greift Schuchardt in seiner kritischen Stellungnahme zu Vossler indirekt auch Croce an: "Wenn nun aber Voßler sich zu B. Croces Bannerträger macht und die Sprache als Ausdruck definiert (die Sprachwissenschaft als Ästhetik), so findet er mich nicht auf diesem Wege" (Schuchardt 1923 [HSA 760: 3).

[2] Schuchardt meint allem Anschein nach folgende Publikation: Vossler, Karl (1923a). Die Grenzen der Sprachsoziologie. In Hauptprobleme der Soziologie. Erinnerungsgabe für Max Weber. Band 1 (1923): 361-389. München: Duncker & Humblot, die wieder abgedruckt wurde in den Gesammelten Aufsätze zur Sprachphilosophie (Vossler 1923b), die Vossler Schuchardt zusandte (vgl. Lfd. Nr. 42-12548).