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Postkarte (32-HS_KV_s.n.)

L.Fr.[1] Herzlichen Dank für den eben eingetroffenen Brief dessen Bemerkungen über meinen Spr.III[2] ich mit vielem Bedacht mir zu Gemüte ziehen werde. Heute bringe ich etwas Anderes vor, das mich seit einiger Zeit stark beunruhigt. An die Wiener Akademie schickte – wie auch wohl an die Bayrische – im verflossenen März die Preußische Akademie die Mitteilung (den Anzeiger unserer Ak. der sie bringt, erhielt ich erst vor kurzem): "daß die Accademia dei Lincei in Rom beschlossen habe, die Bibliothek des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom als Ersatz für den von den Deutschen angerichteten Kriegsschaden für verfallen zu erklären". Ich finde das eine merkwürdige Illustration zu dem auch in Italien hochgehaltenen Grundsatz der wissenschaftlichen Brüderlichkeit, ich kann dem Wortlaute kaum Glauben schenken und habe deshalb an Freund d'Ovidio geschrieben, der ja jetzt |2| Präsident jener Akademie ist.[3] Antwort habe ich noch nicht erhalten, kann die auch kaum schon erwarten. Wenn Sie etwas Näheres wissen, bitte teilen Sie es mir doch baldigst mit. Also Benedetto C.*[roce] ist Unterrichtsminister? nun, der könnte ja den verfahrenen Wagen wieder ins Geleise bringen.

Mit herzl. Gruß

Ihr

HSch

* Ich habe ihm vor wenigen Tagen eine akad. Abh. geschickt.[4]

   

[1] Das Datum des Poststempels ist nicht erkennbar, die hier vorgenommene Datierung zwischen 19. Juni 1920 und 15. Juli 1920 resultiert aus den Daten des vorangehenden und des nachfolgenden Korrespondenzstücks.

[2] Schuchardt (1920, HSA 726).

[3] Francesco D'Ovidio war von 1916 bis 1920 Präsident der Accademia dei Lincei.

[4] Vermutlich ist eine der im Schuchardt-Nachlass erhaltenen, mit handschriftlichem Dank versehenen Visitenkarten Croces (Bibl.nr. 02034-02035) in Antwort auf diese Zusendung geschickt worden.