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Postkarte (09-HS_KV_s.n.)


Lieber Herr Kollege.[1] Vielen Dank für Ihre neue Logossendung,[2] ich habe sie vorderhand zu den früheren legen müssen die mit verwandtem Stoffe, auch dem Vico[3] (zu dem ich noch immer kein "Verhältnis" habe finden können), einen kleinen Berg auf einem meiner Tische bilden. Ich sehne mich danach endlich dauernd hier zu landen, ohne immer wieder in den Strudel mikrologischer Sprachbetrachtung zurückgerissen zu werden. Meine nubischen und meroitischen Aufsätze[4] sende ich Ihnen nicht – auch nicht unter dem Titel der Gegengabe, denn es sind darin allgemeine Gesichtspunkte kaum gestreift. Wohl aber werde ich mir erlauben Ihnen, vielleicht noch in diesem Monat, mein Baskisch und Hamitisch[5] zukommen zu lassen, das den Umkreis des romanischen Gebietes wenigstens berührt.

Mit besten Wünschen und Grüßen

Ihr ergebener

HSchuchardt

 

[1] Die Datierung der Postkarte, auf der das Datum des Stempels nicht lesbar ist, und ihre Einordnung an dieser Stelle der Korrespondenz ergibt sich aus Schuchardts Dank für die Zusendung des Logos-Aufsatzes (Vossler 1913) und seiner Ankündigung, Vossler sein ebenfalls 1913 erschienenes Baskisch und Hamitisch (Schuchardt 1913, HSA 648) zukommen zu lassen. Da sich Vossler im November 1913 bereits für diese Zusendung bedankt, kann die vorangehende Postkarte nur 1913 geschrieben worden sein.

[2] Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Das System der Grammatik (Vossler 1913).

[3] Es könnte sich hier um Croce, Benedetto (1911). La Filosofia di Giambattista Vico. Bari: Laterza, handeln, das unter Umständen über Vossler, der selbst nicht zu Vico gearbeitet hat, zu Schuchardt gelangt ist. Vor der vorliegenden Karte scheint mindestens ein Korrespondenzstück Vosslers zu fehlen, in dem vermutlich auch auf die hier gemeinte Publikation eingegangen wird und in dem Vossler unter Umständen auch um Zusendung der nubischen und meroitischen Arbeiten Schuchardts gebeten hat, wie aus dem folgenden Abschnitt gemutmaßt werden kann.

[4] Schuchardt publizierte in den Jahren 1912 und 1913 mehrere Arbeiten zum Nubischen und Meroitischen (Schuchardt 1912 [HSA 627], 1912 [HSA 634], 1913 [HSA 645], 1913 [HSA 646]).

[5] Schuchardt befasste sich in zahlreichen Publikationen mit der Stellung des Baskischen im Verhältnis zu anderen Sprachen, in seiner hier angesprochenen Publikation (Schuchardt 1913, HSA 648) nimmt er die Beziehungen des Baskischen zur hamitischen Sprachfamilie in den Blick.