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Brief (17-s.n.)

Graz 27 Nov. 1881.

Hochverehrte Frau!

Wie ich Ihnen schon, wenn ich nicht irre, früher geschrieben habe, ging ich damit um, in das A.A.Z.1 oder sonstwo einen kurzen Artikel über die Shakespeareübersetzung von Dom Luiz loszulassen. Da es mir aber nicht möglich war, mir ein einheimisches Urtheil über das Werk zu verschaffen, mir also jede sichere Grundlage fehlte, so gab ich, wenigstens vorläufig, den Gedanken wieder auf. Nun drängt man mich von außen dazu und ich bin in Verlegenheit, wie ich mich herausziehen soll. Könnten Sie mir denn nicht vielleicht etwas Klärendes über das bisherige Studium Shakespeares in Portugal mitteilen? Er soll nur Hamlet und nie Lustspiel Sh.'s in portugiesischer Sprache rezipiert haben. Dies erscheint mir wenig glaublich. Sie wissen natürlich darüber den allergenauesten Bescheid und ich bitte Sie dringend ihn mir nicht vorzuenthalten.2

Ich hoffe, daß es Ihnen, Ihrem Gatten (den ich bestens zu grüßen bitte) und Ihren Kindern (der Plural ist doch richtig?) wohl ergeht. Ich muß mich in diesem Jahre tapfer mit meinen Nerven herumschlagen. Von Ihnen wird gewiß nächstens wieder etwas Umfang- und Gestaltreiches an's Licht treten.

Mit ausgezeichneter Hochachtung
Ihr ergebenster
Hugo Schuchardt


[1] Augsburger Allgemeine Zeitung, Beilage.

[2] HS schreibt m.W. nie etwas über Shakespeare.