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S.g. H. Dr. V.,

Ich will Ihnen unmittelbar nach Eintreffen Ihres Buches P. u. I. i d. Spr.w.[1] herzlich dafür danken, obwohl es nicht zu den Büchern gehört deren Lektüre ich aufschieben werde. Es tut mir leid dass ich von B. Croce[2] gar nichts kenne, auch ihn selbst nicht (als ich ihn in Neapel mit d'Ovidio[3] besuchte, traf ich ihn nicht); ich werde aber das Versäumte hoffentlich nachholen können – augenblicklich bewegen sich meine Studien in sehr niederen Sphären. Mit verbindlichstem Gruß Ihr

HSchuchardt



[1] Es handelt sich um die 1904 erschienene grundlegende Arbeit Vosslers Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft (Vossler 1904).

[2] Die eingangs genannte Arbeit Vosslers ist Benedetto Croce (1866-1952) gewidmet. Für Vossler, der Croce 1899 in Perugia kennenlernte (vgl. Craveri 1985), war der italienische Philosoph, Historiker und Politiker (vgl. zu dessen Biographie allgemein Craveri 1985) einer der bedeutendsten Korrespondenten, wie der in verschiedenen Editionen vorliegende Briefwechsel (vgl. u.a. die Edition von Cutinelli Rèndina 1991) belegt, und zugleich ein großes wissenschaftliches Vorbild für die Entwicklung der Vosslerschen Konzeption einer Idealistischen Sprachwissenschaft, wie aus dem Vorwort zu Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft hervorgeht: "Der Name meines lieben und hochverehrten Freundes Benedetto Croce, den ich an den Anfang dieser Schrift gesetzt habe, ist aufs engste mit ihr verflochten. Keiner hat, meines Wissens, mit ähnlicher Klarheit, Sicherheit und Folgerichtigkeit die Ästhetik als Wissenschaft vom geistigen Ausdruck und die Sprachwissenschaft als einen Teil der Ästhetik definiert und sämtliche Folgerungen gezogen, die sich aus dieser Definition ergeben" (Vossler 1904: V). Im Schuchardt-Nachlass werden zwei mit handschriftlichem Dank versehene Visitenkarten Croces aufbewahrt (Bibl.nr. 02034-02035), die angesichts des Vermerks "Ministro della Pubblica Istruzione" frühestens 1920 verschickt worden sein können (Croce wurde im Juni 1920 zum Unterrichtsminister ernannt, vgl. Craveri 1985 sowie Brief Vosslers an Schuchardt vom 29. April 1920, Lfd. Nr. 31-12543).

[3] Francesco D'Ovidio (1849-1925) war ein italienischer Romanist, der lange in Neapel lebte (vgl. Strappini 1992). Hugo Schuchardt war mindestens fünfmal in Neapel: 1883, 1896, 1901, 1902 und 1909. Aus dem noch nicht publizierten Briefwechsel mit D'Ovidio erscheint es wahrscheinlich, dass Schuchardt und D'Ovidio sich schon 1883 persönlich kennenlernten. Der Versuch, mit D'Ovidio gemeinsam Benedetto Croce aufzusuchen, kann zum jetzigen Zeitpunkt anhand des Briefwechsels mit D'Ovidio nicht datiert werden. Es erscheint angesichts des Alters Croces und dessen Aufenthalt in Rom zwischen 1883 und 1886 (vgl. Craveri 1985) allerdings wahrscheinlich, dass dies 1896, 1901 oder 1902 geschehen ist. Im Januar 1909 haben Croce und Schuchardt sich auf jeden Fall in Neapel persönlich getroffen, wie Croce selbst schreibt (vgl. Croce 1949: 118).