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Brief (10-s.n.)

Graz am 23 Juni 80

Verehrteste Frau und Kollegin!

Am 10. Juni empfing ich ein Geschenk, an welchem Ihre Betheiligung, von innern Gründen abgesehen, schon aus der zierlichverschnörkelten Handschrift sich mir kundgab. Indem ich soeben mein offizielles Dankschreiben an den Praesidenten Grafen Samodães absende, kann ich nicht umhin, Sie meiner besondern Erkenntlichkeit zu versichern, um so mehr als die mir erwiesene Ehre eine gänzlich unverdiente ist.

Mit großer Freude habe ich gelesen, wie thätig Sie für das Centenarium gewesen sind. Also demnächst werden Sie uns mit einer Ausgabe von Sá de Miranda und einer des Cancioneiro de Ajuda beglücken. Hoffentlich werde ich Zeit finden, den ersteren einige Worte zu widmen. Wie steht es denn mit der Etymologie? Haben Sie den Plan des Wörterbuchs ganz aufgegeben?1

Wegen meines "Festgrusses" bekomme ich hinterher noch Gewissensbisse. Zwar hierzulande hat man ihn freundlich aufgenommen und Manche sind wieder durch mich an Camões erinnert worden; so schreibt mir Paul Heyse, ich hätte ihm Lust gemacht, die Lusiaden wieder vorzunehmen, die er vor einem Vierteljahrhundert gelesen hat. Aber in Portugal wird, wer Deutsch versteht, doch vielleicht mehr an meiner Stilübung auszusetzen finden, als mir wünschenswerth. Sollte ich gar etwas gesagt haben, was übel zu nehmen wäre? Ich habe noch keine Nachricht erhalten, dass die am 4. d. M. von hier abgeschickten Exemplare angekommen sind. Ich hatte für D. Fernando und D. Luiz zwei Exemplare schön binden lassen und der österreichischen Gesandtschaft zur Übermittlung zugesandt; dieselben scheinen möglicherweise in dem "räuberischen" Spanien – verloren gegangen zu sein.

Ich stecke gerade mitten in der Morgadinha des Julio Diniz, die Sie vor längerer Zeit so gütig waren mir zu schenken. Dieser Schriftsteller ist mir ausserordentlich sympa tisch. Er scheint sich viel mit fremden Litteraturen beschäftigt zu haben; ich vermuthe, dass er besonders mit Engländern verkehrt hat. Steht die Familia Ingleza auf gleicher Höhe mit der Morgadinha und den Pupillas Sollten Sie irgendwo einmal einer Biographie von ihm begegnen, so bitte ich Sie, mich darauf aufmerksam zu machen.

Ich bitte Sie mich dem Herrn Sekretär, dessen Sekretärin Sie sind, bestens zu empfehlen

Ihr ergebenster H.S.


[1] HS hat sich zu diesen Werken Carolinas nicht in Veröffentlichungen geäußert. Von CMdV gibt es eine Menge etymologischer Einzelarbeiten, aber m.W. kein zusammenhängendes etymologisches Wörterbuch.