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Brief (6-s.n.)

Sevilla, den 9 mai 1879

Verehrte Frau und Kollegin!

Seit anderthalb Monaten bin ich in Sevilla und studiere hier Litteratur, Sprache, Sitten;1 ich gedenke später Granada, Málaga und Cádiz und Madrid – während der größten Hitze – auch Lissabon zu besuchen, dessen verhältnismäßig erträgliches Sommerklima man (insbesondere J. Cornu) mir gerühmt hat. Ich möchte gern nach Oporto vordringen, um Sie persönlich kennen zu lernen; aber ich beweifle, daß mir die Zeit dazu bleiben wird, denn Sie können sich keinen Reisenden denken, der mehr trödelt und überall so hängen bleibt, wie ich das tue. Indessen kommen Sie vielleicht zu irgend einer Zeit in den nächsten Monaten nach Lissabon und ich würde meinen dortigen Aufenthalt so zu legen finden, daß ich Sie träfe. Vorab Sie zu befragen, ist der Zweck dieses Briefes; doch hoffe ich, daß, wenn Sie mir antworten, Sie mir auch von den Ihrigen und von Ihren wissenschaftlichen Arbeiten Gutes zu erzählen wissen. Von mir kann ich nicht viel erzählen; ich habe die besten Vorsätze und an Stoff fehlt es mir auch nicht - ich bin aber sehr federscheu.

In Portugal werde ich wegen des Portugiesischen einen schweren Stand haben; ich beschäftige mich jetzt absichtlich nicht mit dem praktischen Studium dieser Sprache, weil ich befürchte, die beiden Sprachen könnten auf meiner Zunge zu einem lieblichen Mischmasch verschmelzen, den man weder diesseits, noch jenseits des Guadiana verstehen würde. Oder ist Ihnen irgend eine Gegend bekannt, wo man denselben verwenden könnte? Zwischen dem Galizianischen und dem Bable2 besteht sicherlich eine große Annäherung; indessen behaupten die, welche ich darüber zur Rathe gezogen habe, daß in der Sprechweise von Extremadura durchaus keine Hinneigung zum Portugiesischen beobachtbar sei, so scheint das unglaublich, besonders, wenn man bedenkt, wie wenig beide Länder durch natürliche Gränzen geschieden sind.

Können Sie mir die Adresse von A. Coelho geben und glauben Sie, daß ich ihn im August in Lissabon vorfinden werde?

Indem ich Sie bitte, mich Ihrem Herrn Gemal bestens zu empfehlen, bin ich

mit hochachtungsvollstem Gruße
Ihr ergebenster

H. Schuchardt
Plaza nueva 10.


[1] Im Jahre 1879 unternahm Schuchardt eine mehr als 6-monatige Reise vorwiegend nach Spanien, aber auch mit kurzen Aufenthalten in Marokko und in Portugal.

[2] Früher gelegentlich verwendeter Ausdruck für das Asturische.