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Heidelberg, den 8. August 1902.

Verehrter Herr Kollege!

Sie haben mir große Freude bereitet durch das anerkennende Wort, das Sie über meine Etym. Parerga I1 und die darin befolgte Methode des Etymologisierens öffentlich angesprochen haben.2 Vielen Dank dafür, ebenso überhaupt für Ihren so inhaltsreichen Aufsatz. Eine Einzelheit: Sie bemühen S. 390 auch finden und seine mutmassliche Herkunft; darüber werden Sie demnächst (in Etym. Parerga II, die binnen kurzem in Druck gehen) einen Aufsatz von mir lesen, in welchem ich die Anknüpfung an ahd. fendo, funden verwerfe, weil ich etwas meiner Ansicht nach entschieden besseres über finden vorbringen zu können glaube.3

Auch für Ihre wolwollende Beurteilung meines „Suppletivwesens“4 möchte ich Ihnen gleichzeitig noch meinen Dank sagen; entschuldigen Sie nur meine Bummelei, dass ich das nicht schon viel früher getan habe.

Mit kollegialischem Gruss hochachtungsvoll Ihr H. Osthoff.


[1] Vgl. Etymologische Parerga. Erster Teil (Osthoff 1901).

[2] Vgl. „Etymologische Probleme und Prinzipien“ (Schuchardt 1902). Schuchardt schreibt dort: „Das Auseinanderweichen der Laute füllt die Sprachgeschichte nicht aus; das Auseinanderweichen der der Ausdrucksweisen verdient nicht eine systematische Betrachtung, gerade weil sich das eine Geäste so vielfach mit dem andern kreuzt. Dabei muß von dem Anschauungsunterrricht der Kleinen Etwas in die Forschung der Großen übertragen werden; nicht immer sind die Worte vor die Dinge zu stellen, sondern auch die Dinge vor die Worte, also dahin wo sie von Anfang an gestanden haben. ich denke nicht daß ich mich mit dieser Auffassung ganz allein befinde. Im Vorwort zu Osthoffs Etymologischen Parerga I (Okt. 1901) lese ich die Stelle: ‚Dem Bedürfnis unserer Zeit scheint es mir zu entsprechen, daß die wissenschaftliche Etymologie von der durch Fick inaugurierten lexikographischen Behandlungsweise wieder etwas mehr einlenke in die weiland von Pott so erfolgreich beschrittenen Bahnen der zusammenhängenden, begründenden und untersuchenden Darstellung, oder wenigstens daß jene erstere Betriebsart nunmehr in erhöhtem Maße durch systematisches Arbeiten in der andern Manier und Richtung ihre Ergänzung finde.‘ In diesem Sinne sind die Untersuchungen Osthoffs gehalten, die ich daher mit aufrichtiger Genugthuung begrüße. Allerdings denke ich daß auch in der etymologischen Wissenschaft wie in aller Sprachwissenschaft den Romanisten die Leitung zukommt, weil sie in den Besitz der festesten Maßstäbe und der feinsten Werkzeuge gelangt sind; die Andern werden durch die Weite der Horizonte entschädigt innerhalb deren sie zu immer wichtigeren Entdeckungen schreiten“ (Schuchardt 1902: 426).

[3] Vgl. Schuchardt (1902: 390). Schuchardt äußert sich über die Etymologie von finden in den romanischen Sprachen und verweist auf Hypothesen zur Etymologie von ‚finden‘ in den germanischen Sprachen, „das ursprünglich ‚gehen‘ bedeutet haben soll, wofür man sich auf ein ahd. fẹndo ‚Fußgänger‘, funden ‚eilen‘ beruft“ (kursiv i. Orig.). Der zweite Teil zu Osthoffs Etymologischen Parerga ist offenbar nicht erschienen. Osthoff erwähnt in einem Brief an Brugmann vom 26.09.1903, dass er noch immer daran arbeite (ediert in Einhauser 1992: 244).

[4] Vgl. Schuchardt (1900). Schuchardt rezensierte Osthoffs Vom Suppletivwesen der indogermanischen Sprachen (Osthoff 1899) insgesamt eher kritisch. Es ist die einzige Rezension eines Werks von Osthoff durch Schuchardt. Zwischen Schuchardts Rezension und Osthoffs hier ausgesprochenem Dank verging über ein Jahr.