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Brief (40-07664)

Bester Freund!

Ich habe allen Grund zu hoffen, dass es mir endlich gelingen werde, Ihnen jene Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, die man Ihnen bisher verweigert hat. Ich hatte die Absicht, Sie zum wirklichen, bzw. zum corr. M. vorzuschlagen; aus Besorgniss aber, das die Phariseär sagen, zum wirkl. ist es zu früh, und zum corr. ist nunmehr Sch. zu gut, so habe ich mich entschlossen, mich mit der Erneuerung des Vorschlages zum corr. zu begnügen. Freilich kostet es mir eine Überwindung zu sagen: ich betrachte im J. 82 als für Sch. angemessen eine Auszeichnung, die im 81 einem Horawitz verliehen wurde. Indessen man weiss wie es bei Akademiewahlen zugeht; Missgriffe sind hier, wo persönliche Neigungen die grösste Rolle spielen, unvermeidlich.

Nun aber eine Bitte. Sie wissen, dass das Ministerium eine Recension über Camoens-Storck wünscht, ja fordert. Sie haben Schenkl abschlägig beschieden; nun quält er mich. Soll ich bei meiner geringen Musse mich wirklich einer solchen Last unterwerfen? Ich habe nie einen Sonett C.s gelesen; ich kann nicht ohne Überhebung über den poetischen Werth einer deutschen Übersetzung urtheilen; soll ich denn wirklich aus lauter Nachgiebigkeit zehn, zwölf Stunden darauf verwenden, um wie der elendste Journalist ein Mosaik von Redensarten zusammenzuschweissen? Und Diess, während in Osterreich ein Mann lebt, der ein tüchtiger Camoenskenner, ein trefflicher Übersetzungskünstler, ja ein Originaldichter ist? Dagegen sträubt sich nicht bloss das Interesse für meine Ruhe u. meine Zeit, sondern weit mehr meine Gewissenhaftigkeit. Gestatten Sie mir also, dass ich in meinem und Sch's Namen die Bitte inständigst wiederhole, welche Sie mit Aufwand nur einer Stunde Zeit in ausgezeichneter Weise erfüllen können. Sie sind nunmehr von Ihrer Reise zurück; Sie können ohne weiteres, ohne sich zu widersprechen, jetzt thun was Sie anfangs April nicht thun zu können erklärten. Thun Sie mir den Gefallen; bedenken Sie dass ich mein Wort gegeben habe, für den Fall dass Niemand sich dazu bereit finde, der berufener sei. Wiederholen Sie Ihre Weigerung, so muss ich mein Wort lösen, und Diess wird mir so schwer.1

Böhmer hat seiner Zeit Ihren Gruss auf's herzlichste aufgenommen und erwiedert. Ich bedauere vergessen zu haben, es Ihnen mitzutheilen.

Ich erwarte bald eine günstige Antwort von Ihnen u. mit Gegengruss von uns Beiden zeichne ich

Ihr treuer
A Mussafia

Wien, Donnerstag 27


[1] Schuchardt ließ nicht nicht erweichen, und Mussafia mußte die Rezension selbst verfassen: Mussafia, Adolfo. 1883. 'Camoens (Luis de), Sämmtliche Gedichte, hsgg. v. W. Storck'. In Zeitschrift für die österreichischen Gymnasien 34, 441-443.