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Brief (03-3-0348)

Graz; III,
Villa Malwine
27 Sept. ‘10

Sehr geehrte Herr Kollege

Empfangen Sie meinen allerverbindlichsten Dank für die Übersendung der zweiten Hälfte Ihres Dicc. etim. und zugleich meinen aufrichtigen Glückwunsch zur Vollendung des sch[ö]nen Werkes.1 Auf Anerkennung Ihrer Leistung dürfen Sie freilich wohl mehr bei uns, als in Ihrer Adoptivheimat rechnen, was ja auch aus Ihren Beilagen hervorgeht. Aber das sind doch nur zeitliche Hemmungen und Sie werden sich dadurch nicht von der Fortsetzung Ihrer indiano=spanischen Studien abschrecken lassen. Vielen Nutzen wird aus dem Wörterbuch die allgemeine Sprachwissenschaft ziehen. Die Geschichte solcher Wörter wie tanda ist im höchsten Grade lehrreich.2 Das bask. chanda (tšanda) - nach Azkue guip., zweifelhaft bizk. - = turno, vez, wird eine Deminutivform, für *t̃anda (t̃= tj), sein, von dem aus dem Span. übernommen tanda 1) roncal. Sant. = muchedumbre, rebaño 2) rom. = plazo, tandaka = á plazos (z. B. pagar á plazos, payer à termes).

Mit hochachtungsvollstem G[r]uß
Ihr ergebener

H Schuchardt


[1] Es handelt sich um das Diccionario etimolójico de las voces chilenas derivadas de lenguas indijenas americanas (Lenz 1910), das sich auch in Schuchardts Besitz befand (vgl. Weiss 31986: 60) und noch immer an der Universitätsbibliothek Graz inventarisiert ist. Das Exemplar mit der Signatur I 222511 enthält eine Widmung von Lenz an Schuchardt, Schuchardts Exlibris und kleinere Marginalia, vermutlich von der Hand Schuchardts. So heißt es etwa in einer Fußnote: „Se llama lenguaje criollo un idioma formado por voces europeas con gramática de pueblo salvaje o semicivilizado“ (Lenz 1910: 41). Mit Bleistift daneben ist die Stelle markiert und mit „nein!“ kommentiert worden.

[2] Vgl. Lenz (1910: 707-710).