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Brief (08-04815)

Herrn Prof. D.r H. Schuchardt

Graz

Basel, den 9. Jan. 1924

Hochverehrtester Herr Kollege,

Es war mir eine Herzensfreude, durch Ihre Karte von Ihnen zu hören, und ordentlich stolz darf ich sein, dass Sie sich noch so genau an unser Gespräch erinnern. Wie gerne wollte ich immer u. immer wieder meinen Dank durch wissenschaftliche Arbeiten statt durch leere Worte ausdrücken, aber ich wurde durch die verschiedensten Tätigkeiten, die ich pflichtgemäß übernehmen musste, hin und hergerissen, so dass ich zu keiner fortgesetzten Produktion komme. |2| Nun darf ich vielleicht an diese Zeilen eine Frage schließen. Zu dem guten Buch von Llano Roza[1] ‚Del Folklore asturiano‘[2] (Madr. 1922) begegnete mir das Wort gaita ‚Dudelsack‘ Meyer-Lübke[3] führt es auf türk. ghajda zurück und zitiert Sie[4]; Berneker[5] S. 291 vermutet folgenden Gang Iberisch > Spanisch > Arabisch > Türk. > Slav.[6] Wäre nun, im Hinblick auf die Bezeichnungen: Geiss, Bock, chevrette etc. für „Dudelsack“, nicht Herleitung aus germ. gait- „Geiss“, bzw. aus einem iber. Wort mit der Bedeutung „Geiss“ möglich? Ich schicke Ihnen e. kl. Notiz über die Geschichte des Dudelsacks in Westeuropa zu.[7]

Mit den herzlichsten Wünschen für 1924

Ihr

EHoffmann-Krayer



[1] Aurelio de Llano y Roza de Ampudia (1868-1936) war ein spanischer Ethnograf und Schriftsteller.

[2] Llano y Roza de Ampudia, A. de (1922). Del folklore asturiano: mitos, supersticiones, costumbres. Madrid: Talleres de Voluntad.

[3] Wilhelm Meyer-Lübke (1861-1936) war ein Schweizer Romanist und Sprachwissenschaftler; Er korrespondierte ebenfalls mit Schuchardt [Korrespondenzpartner: 1177]. Er schrieb auch: Meyer-Lübke, W. 1911. Romanisches Etymologisches Wörterbuch. Heidelberg: Carl Winter.

[4] “3752. ghadja (türk.) ‘Hirtenpfeife‘. Span., portg. gaita Schuchardt, Slav.-D. und Slav.-Rom. 42.“ (Meyer-Lübke 1911: 280)

[5] Erich Karl Berneker (1874-1937) war ein deutscher Slawist und Heraugeber des Archivs für slavische Philologie zwischen 1923 und 1929. Er schrieb auch: Berneker, E. 1908. Slavisches Etymologisches Wörterbuch. vol. 1. Heidelberg: Carl Winter.

[6]gájda bg. ‘Dudelsack‘. skr. gâjde, gâdlje, G. gâdāljā PL. f. sl. [gâjda aus dem Skr.]. slk. gajdy Pl. f. p. gajda, gew. Pl. gajdy. klr. gájda ‘Art Hirtenflöte‘; Pl. ‘Dudelsack‘.– č. dial. kejdy Pl. f. ds. Die südslav. Wörter direkt aus osm. gajda ‘Dudelsack‘; die nordslav. wohl durch magy. Vermittlung (vgl. gajd ‘Gejohle‘; gajdolni ‘dudeln, jodeln‘). – In das Osm. kam das Wort aus dem Arab.; diesem wurde es durch das Span. aus iber. gaita vermittelt (Seybold [1904-1906] GRPh. I 521).“ (Berneker 1908: 291)

[7] Es liegen keine Informationen vor.