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Brief (072-K76_6)

[27. 6. 1886]

Verehrter Freund!

Ich danke Ihnen sehr dass Sie mir das einzige Exemplar Ihrer Lettere glott. sandten das Sie damals zur Verfügung hatten. Ich glaubte jeder Mitarbeiter bekäme eine Anzahl von Freiexemplaren (Meyer hat deren glaub' ich 30 bekommen1). Sie werden Sich nun überzeugt haben dass Ihre Worte über V. Henry der Deutung Raum gewähren, Alles sei jetzt geschlichtet. Ich freue mich dass Sie thatsächlich mit mir übereinstimmen, was unsere Discrepanz bezüglich der riazione etnologica anlangt2, so hoffe ich dass Sie sich darüber noch äussern werden. Eine Enunciation Ihrerseits in dieser ganzen Angelegenheit scheint mir nach unseres armen d'Ovidio Auslassungen um so erwünschter. 3 Nöthigenfalls wäre ich bereit, in einer kleinen Stilübung für das Archivio meinen Standpunkt noch weiter zu erörtern, resp. zu vertheidigen. - Ich sende Ihnen heute meine Feuilletonsammlung: Romanisches und Keltisches4, nehmen Sie den alten Plunder nachsichtig auf, als Zeichen meiner herzlichen Sympathie und Verehrung

H. S.


[1] Schuchardt meint die folgende Publikation von Gustav Meyer: Der Einfluss des Lateinischen auf die albanesische Formenlehre, in: Miscellanea Caix- Canello, Firenze, 1886, 103-111.

[2] Vgl. dazu 069-00258, Anm. 1.

[3] Francesco D'Ovidio: Della quantità per natura delle vocali in posizione, in: Miscellanea Caix - Canello, Firenze 1886, 393-415. - Vgl. auch D. Gazdaru: La controversia sobre las leyes fonéticas, in: Anales de filología clásica 4 (1947-49), 307.

[4] Hugo Schuchardt: Romanisches und Keltisches, Berlin, 1886 (Brevier-/Archivnr. 185).