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Brief (32)

Graz, 14. März 1919

Lieber Kollege und Freund,

Ich habe seiner Zeit Ihr Buch über Rask1 erhalten und es mit großem Interesse an der Sache und der Sprache gelesen. Empfang und Dank sollte der lange Sonderabzug aus dem Ltbl. f. g. u. r. Ph. bescheinigen, der unter der Form einer Anzeige eine Darlegung meiner Ansichten über die Fremdwörter enthält (in diesen Tagen erschien auch von Elise Richter ein Göschenbändchen: Fremdwortkunde)2.
Heute komme ich nun mit einer von weitem vielleicht absonderlich erscheinenden Bitte. Gegen Ende des vorigen Jahres (im Oktober oder November) schickte ich an Prof. Nikolai die Zustimmung zu seinem Aufruf, allerdings nicht mit der gewünschten einfachen Unterschrift, sondern in einer weiteren Ausführung, die ganz pazifistisch und dänenfreundlich war, aber mit der Befürchtung schloß, das werdende Europa dürfte sich zu einem sterbenden wandeln. Ich ergriff diese Gelegenheit, vielleicht die letzte vor meinem Tode, um mich gegen die Verdächtigung zu sichern, ich sei meinem alten Ideal untreu geworden (z.B. schrieb ich 1886: "stets wird von dem Traumbild eines auch noch so fernen allgemeinen Völkerfriedens ... ein Schimmer leitend und erleuchtend zu mir dringen"). Diese war, wenn auch mit Zartheit von dem mir wissenschaftlich sehr nahestehenden Leo Spitzer3 in jener angezeigten Schrift ausgesprochen worden.
Nikolai verschwand von Kopenhagen und auf meinen Brief erhielt ich keine Antwort. Da ich nicht gern einen Gedanken aufgebe, der einmal feste Gestalt bei mir angenommen hat, so verfaßte ich einen kurzen Aufsatz u. d. T. Vae victis!, der dasselbe mit anderen Worten aussprach und sandte in an Politiken4 mit der Bitte, im Falle des Abdrucks (natürlich in dänischer Sprache) mich mit ein paar Nummern der Zeitung zu bedenken, im andern Falle aber – es brauchte ja keine eingehende Begründung – die Nichtannahme mit einer Zeile auf einer Postkarte anzuzeigen; ich brauche meine Handschrift nicht wieder (von der ich kein Unreines zurückbehielt). Dann hätte ich den Stoff eben zum dritten Mal für irgend ein anderes Organ bearbeitet. Ich habe trotz einer und anderer Erinnerung keinen Bescheid erhalten; ich erspare mir die Erwägung der Möglichkeiten, die daran schuld sind, sowie die Auseinandersetzung der Gründe, warum mir an der Sache so viel liegt, – um es kurz zu machen: ich würde Ihnen sehr dankbar sein, wenn Sie von der mir unerreichbaren oder für mich tauben Redaktion durch eine kurze Zuschrift die Rücksendung meiner Handschrift (sie war rekommandiert gewesen) erbäten.

Mit herzlichem Gruß
Ihr ergebener
H. Schuchardt


[1] O.J. schrieb 1918 eine kleine, selten zu findende Biographie von R. Rask, Rasmus Rask. I hundredåret efter hans hovedværk, Kopenhagen & Christiania: Gyldendal, 1918.

[2] Elise Richter, Fremdwortkunde. Leipzig 1919.

[3] Leo Spitzer (1887-1960), Herausgeber des Hugo Schuchardt-Breviers, Halle: Max Niemayer, 1922. Über die Nähe zu Schuchardt gibt der letztes Jahr edierte Briefwechsel Auskunft: Hurch, Bernhard, Hg., Leo Spitzers Briefe an Hugo Schuchardt. Berlin: W. de Gruyter, 2006.

[4] Dänische Tageszeitung. Darin hat Jespersen zahlreiche Aufsätze über verschiedene Probleme der Sprachwissenschaft herausgegeben.