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Yamasaki

Die Korrespondenz zwischen Naokata Yamasaki und Hugo Schuchardt wurde von Elisabeth Egger und Susanne Oberpeilsteiner bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Egger, Elisabeth & Susanne Oberpeilsteiner. 2015. 'Die Korrespondenz zwischen Naokata Yamasaki und Hugo Schuchardt.' In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/3041, abgerufen am 17.10.2019

Yamasaki

Bedeutung

Die drei von Naokata Yamasaki im Nachlass Schuchardts erhaltenen Briefe illustrieren einen immer wiederkehrenden Aspekt in Schuchardts wissenschaftlicher Arbeit: die gezielte Informationsbeschaffung zu einem Wissensgebiet, mit dem er sich gerade intensiv beschäftigte und über das er publizierte. Yamasaki übersetzte für Schuchardt Teile eines Buches über die zweite japanische Fischereiausstellung, die 1897 in Kobe stattgefunden hatte (Landwirtschafts- und Handelsministerium 1899); das Buch beinhaltete Beschreibungen der Fischereiwirtschaftsprodukte und der zum Fang angewendeten Fischereigeräte und -methoden. Schuchardts Informationsbedarf zu japanischer Fischerei stand in Zusammenhang mit seiner Rezension (Schuchardt 1900) von Johann Jankós[1] Werk Herkunft der magyarischen Fischerei (Jankó 1900a) und Otto Hermans[2] Aufsatz Die Fängigkeit von Fischzäunen und Fischreusen (Herman 1901) und einem zu dieser Zeit aktuellen Diskurs zwischen Jankó, Herman und Schuchardt (vgl. Herman 1900a, 1900b, 1900c, Jankó 1900b), dessen Thema u.v.a. die Auseinandersetzung über die korrekte graphische Darstellung von Fischzäunen (auch Fischlabyrinthe oder Fischpassagen genannt)[3] samt zugehörigen Bewegungsverläufen der zu fangenden Fische war.

Schuchardt verwies in seiner anerkennend-kritischen Besprechung von Jankó (1900a), die im September 1900 erschien, in Zusammenhang mit typologischen Verwandtschaftsfragen zweimal auf japanische Fischereiliteratur[4] (Schuchardt 1900: 159, 160) und kritisierte Jankós Stammbaum der Fischzäune (Schuchardt 1900: 160-161), allerdings noch ohne Yamasakis Übersetzungen vorliegen zu haben. Zur gleichen Zeit stand er mit Otto Herman in brieflichem Kontakt; dieser bereitete seinen Beitrag zur Fängigkeit (Herman 1901) vor, in dem Funktionalität und Darstellung von Fischzäunen eine zentrale Rolle spielen und auch die Beschreibung eines japanischen Fischzauns yeri vorkommt. Die Fängigkeit war in folgenden Briefen Otto Hermans ein Thema: B 04622-04623, B 04628, B 04633. Im Brief vom 24. Februar 1901 (B 04633) bedankte sich Herman für zwei Grundrisse von japanischen Fischlabyrinthen, die Schuchardt mitgeschickt hatte – möglicherweise Beispiele, die in Zusammenhang mit den Bildtafeln aus dem japanischen Fischereibuch stehen, das Schuchardt zusammen mit Yamasakis Manuskript zu diesem Zeitpunkt seit kurzem vorliegen hatte. Hermans briefliche kritische Erläuterungen der Fischbewegungen in "der japanischen Fischpassage" enden mit dem Satz "Nicht nur Herr Jankó sondern auch Japaner können ja nichtfängische Zeichnungen leisten. Die Fischpassage ist entschieden so etwas."

Die drei Briefe beleuchten aber auch einen persönlichen Aspekt in Yamasakis Biographie: der später so berühmte und vielfach geehrte japanische Geograph war als Student ein engagierter und hilfsbereiter Zuarbeiter über Fachgrenzen hinaus.

Informationen

Naokata (Naomasa) Yamasaki (1870-1929) hielt sich von 1900 bis 1902 zu Studienzwecken in Wien auf. Aus dieser Zeit ist auch sein vielfältiges Engagement in facheinschlägigen Vereinen dokumentiert, so im Verein der Geographen an der Universität Wien und in der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. Er hielt Vorträge,[5] publizierte Beiträge (Yamasaki 1901a, 1901b) und Buchbesprechungen (Yamasaki 1900, 1901c) in den Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, schenkte den Vereinsbibliotheken japanische Fachliteratur und nahm rege an Exkursionen teil (vgl. Verein der Geographen an der k.k. Universität Wien 1903: IX-XI, 37; Anthropologische Gesellschaft in Wien 1901: [107]-[110]).[6]

Yamasaki – 1870 in Kōchi in Japan geboren – begann sich schon in der Schulzeit für Archäologie zu interessieren und veröffentlichte einige Beiträge in der japanischen Zeitschrift für Anthropologie. Von 1892 bis 1895 studierte er Geologie an der Kaiserlichen Universität Tokio. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Geologielehrer an einer Sekundarschule in Sendai erhielt Yamasaki 1898 ein Stipendium der japanischen Regierung, um in Europa Geographie zu studieren. Sein Aufenthalt führte ihn 1899 zuerst nach Bonn zu Johannes Justus Rein,[7] den er bei den Vorbereitungen zur Zweitauflage seines Werkes Japan nach Reisen und Studien (Rein 1905) unterstützte (Universitätsarchiv Bonn, PVSV, Immatrikulationsalbum, SS 1899: 59). Ab dem Wintersemester 1900/01 bis inklusive Wintersemester 1901/02 war er an der Wiener Universität inskribiert und besuchte geologische, meteorologische und geographische Lehrveranstaltungen, letztere bei Albrecht Penck, der ihn in seinem Denken und Arbeiten stark prägte (Archiv der Universität Wien, Nationalien der Philosophischen Fakultät [Mikrofilm], 1900/01 L-Z Signatur 191 bis 1901/02 S-Z Signatur 200).

Nach seiner Rückkehr nach Japan war Yamasaki zuerst als Geographieprofessor in der Ausbildung von Sekundarlehrern tätig, bis er 1911 auf die Lehrkanzel für Geographie an der Fakultät für Naturwissenschaften der Kaiserlichen Universität Tokio berufen wurde. 1919 wurde Yamasaki Vorsitzender des neu gegründeten Instituts für Geographie. Er unterrichtete bis zu seinem Tod 1929, seine Forschungen befassten sich mit Geomorphologie, Kulturgeographie, Vulkanologie und Glaziologie. Yamasaki gilt als Begründer der wissenschaftlichen Geographie in Japan, er war 1925 auch Gründer der Japanischen Geographischen Gesellschaft und deren erster Präsident und initiierte die erste Ausgabe der Geographical Review of Japan (vgl. Geoffrey 2005: 326; o.A. 2002; Tsujita 1977; Ogawa 1931; o.A. 1930; Vaughan 1929).

Gegenbriefe

Gegenbriefe Schuchardts an Yamasaki konnten bisher nicht ausfindig gemacht werden.

Briefedition und Kommentare

Den Kontakt zu Naokata Yamasaki vermittelte Wilhelm Hein, Assistent an der anthropologisch-ethnographischen Abteilung des k.k. naturhistorischen Hofmuseums in Wien und Korrespondenzpartner von Hugo Schuchardt (vgl. Egger/Oberpeilsteiner in Vorbereitung). Hein lernte Yamasaki um den 12. November 1900 an der Universität Wien während eines Vortrags kennen und empfahl ihn als liebenswürdigen, hilfsbereiten und fleißigen Mann, der Schuchardt gerne unterstützen würde (Egger/Oberpeilsteiner in Vorbereitung: Lfd. Nr. 06 – B 04509). Yamasaki sollte das Buch über die Fischereiausstellung in Kobe übersetzen, aus Zeitmangel und wegen zu geringer Kenntnisse der Fachterminologie bot er schließlich die Übersetzung der Erläuterungen zu den 74 im Buch enthaltenen Bildtafeln an (Lfd. Nr. 01-12917). Ob sich das Buch in Schuchardts Besitz befunden und er es Yamasaki zur Verfügung gestellt hatte oder ob Yamasaki es besorgt hatte, konnte nicht eindeutig geklärt werden. Wilhelm Heins Aussage in einem Brief an Schuchardt vom 18.11.1900 "ich werde sehen, was ich machen kann; auf jeden Fall werde ich mit Dr. Yam. sprechen" (Egger/Oberpeilsteiner in Vorbereitung: Lfd. Nr. 05 – B 04508) sowie Yamasakis rasche Antwort zwei Tage später, die bereits die Übersetzung des Buchtitels beinhaltete (Lfd. Nr. 01-12917), lassen vermuten, dass Schuchardt Hein das Buch im Vorfeld mit der Bitte um übersetzerische Hilfe geschickt hatte und dieser es wiederum an Yamasaki weiterreichte. Hein kümmerte sich auch in Folge um das Gelingen der Angelegenheit, in zwei weiteren Schreiben berichtete er Schuchardt über Gespräche mit Yamasaki (Egger/Oberpeilsteiner in Vorbereitung: Lfd. Nr. 08 – B 04511, Lfd. Nr. 09 – 04512).

In seinem zweiten Schreiben entschuldigte sich Yamasaki für die zeitliche Verzögerung und bedankte sich bei Schuchardt, der ihm als Hilfestellung eine Skizze mit Fachausdrücken gesandt hatte (Lfd. Nr. 02-12918). Bereits eine Woche später, im dritten Brief teilte Yamasaki den Versand des Buches und seines Übersetzungsmanuskripts nach Graz mit (Lfd. Nr. 03-12919).[8]

Die Briefe wurden unter Beibehaltung der Originalschreibweise transkribiert, Orthographiefehler wurden nicht korrigiert oder gekennzeichnet. Bei Zitaten aus den Sitzungsberichten der Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien werden die Seitenzahlen wie im Original in eckigen Klammern angegeben.

 

Ungedruckte Quellen:

Archiv der Universität Wien:

Nationalien der Philosophischen Fakultät [Mikrofilm], 1900/01 L-Z Signatur 191 bis 1901/02 S-Z Signatur 200.

Fotosammlung, Signatur 106.I.2500-393.

Universitätsarchiv Bonn:

PVSV, Immatrikulationsalbum, SS 1899: 59.
 

Bibliographie:

Anthropologische Gesellschaft in Wien (Hg.) (1901). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXXI.

Driesch, Ursula von den (2003). Rein, Johann Justus. In Neue Deutsche Biographie, Bd. 21, pp. 341-342.

Egger, Elisabeth & Susanne Oberpeilsteiner in Vorbereitung. "Ich werde mir erlauben, Ihnen am Montag, den 5. d. M., um 10 Uhr Vormittags mit meiner Frau einen Besuch zu machen und Ihnen dann die Pariser Sichel zu überreichen." Die Korrespondenz von Wilhelm und Marie Hein mit Hugo Schuchardt. Grazer Linguistische Studien.

Geoffrey, J. Martin (2005). All Possible Worlds. A History of Geographical Ideas. New York, Oxford: Oxford University Press.

Herman, Otto (1900a). [Rez. von:] Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. "Dritte Reise". Band I. Budapest: Franklin-Verein.

Herman, Otto (1900b). Nachtrag zur Recension über "Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I, Erste und Zweite Hälfte". Budapest: Franklin-Verein.

Herman, Otto (1900c). Schlusswort zur Recension über "Die Forschungsreisen des Grafen Eugen Zichy in Asien. Band I, Erste und Zweite Hälfte". Budapest: Franklin-Verein.

Herman, Otto (1901). Die Fängigkeit der Fischzäune und Fischreusen. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXXI, 38-51.

Jankó, Johann (1900a). Herkunft der magyarischen Fischerei. Budapest: Viktor Hornyánszky, Leipzig: Karl W. Hiersemann.

Jankó, Johann (1900b). Antwort an Herrn Otto Herman auf seine über Band I des Werkes: "III. Asiatische Expedition des Herrn Grafen Eugen Zichy" geschriebene Recension. Anhang: Antwort Dr. Wilibald Semayers auf die Bemerkungen Herrn Otto Hermans zur Übersetzung desselben Werkes. Budapest: Viktor Hornyánszky.

Landwirtschafts- und Handelsministerium (Hg.) (1899). Dai-ni-kai sui-san hakuran-kai shin-sa hokoku [Zweite Meeresproduktenausstellung und Rechenschaftsbericht], Bd. 1, 1. Tokio. Online abrufbar unter: http://nrifs.fra.affrc.go.jp/book/D_archives/2012DA011.html (zuletzt abgerufen am 21.8.2015)

o.A. (1930). Obituary Naomasa Yamasaki. The Geographical Review, XX, 342.

o.A. (2002). Yamasaki, Naomasa. In Ernst Brunotte et al. (Hgg.), Lexikon der Geographie in vier Bänden. Heidelberg, Berlin: Spektrum Akademischer Verlag, p. 63.

Ogawa, Takuji (1931). Naomasa Yamasaki. (1870-1929). Report of the National Research Council of Japan, 1, 336-338.

Rein, Johannes Justus (1905). Japan nach Reisen und Studien im Auftrage der königlich preussischen Regierung dargestellt von J. J. Rein. Leipzig: Engelmann.

Schuchardt, Hugo (1900a). [Rez. von:] Jankó, Dr. Johann: Herkunft der magyarischen Fischerei. Mit einem vorläufigen Bericht des Grafen Eugen Zichy. (Dritte asiatische Forschungsreise des Grafen Eugen Zichy. Band I.). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXX, 158-167. (HSA 378)

Tsujita, Usao (1977). Naomasa Yamasaki 1870-1928 [sic]. In T.W. Freeman, Marguerita Oughton & Philippe Pinchemel (Hgg.), Geographers. Biobibliographical Studies. Vol. 1. London: Mansell Publishing, pp. 113-117.

Vaughan, T. Wayland (1929). Obituary Naomasa Yamasaki. Science, LXX, No. 1815, 347-348.

Verein der Geographen an der k.k. Universität Wien (Hg.) (1903). Bericht über das XXVII. und XXVIII. Vereinsjahr 1900/01 u. 1901/02 erstattet vom Vereine der Geographen an der Universität Wien. Wien: Verlag des Vereines.

Yamasaki, Naokata (1900). The Journal of the Anthropological Society of Tōkyō. Vol. XVI, No. 174 und 175. Tōkyō 1900. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXX, 213-214.

Yamasaki, Naokata (1901a). Ein Besuch in den Kopfjägerdörfern auf Formosa. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXXI, 23-37.

Yamasaki, Naokata (1901b). Erdställe in Japan. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXXI, [90]-[93].

Yamasaki, Naokata (1901c). The Journal of the Anthropological Society of Tokyo. Bd. XVI, Nr. 176, 177, Tokio 1900 und Nr. 178, 1901. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XXXI, 217-219.



[1] Johann (János) Jankó (1868-1902), ungarischer Geograph und Ethnograph, wirkte an der ethnographischen Abteilung des ungarischen Nationalmuseums.

[2] Otto (Ottó) Herman (1835-1914), ungarischer Zoologe, Ethnologe und Politiker, Gründer und Direktor der Königlich Ungarischen Ornithologischen Centrale.

[3] Ein Fischzaun ist eine aus Rohr- oder Rutenwänden gebildete, durch Pflöcke fixierte Vorrichtung zum Fischfang. Eine Leitwand bewirkt die Absperrung des Fischwassers und lenkt die heranschwimmenden Fische zu Öffnungen, die in Fangkammern führen. Kehlen verhindern, dass die Fische aus den Kammern wieder hinausschwimmen können.

[4] Hugo Schuchardts handschriftliches Verzeichnis seiner Fischereibibliothek (Signatur 17.1.2.13.) listet im Kapitel Japanische Fischerei drei weitere Titel, einen deutsch- und zwei englischsprachige.

[5] Am 15. Dezember 1900 hielt Yamasaki für den Verein der Geographen einen Vortrag über die "Anthropogeographie auf Taiwan" (Verein der Geographen an der k.k. Universität Wien 1903: IV), am 14. Mai 1901 für die Anthropologische Gesellschaft in Wien einen Vortrag über "Erdställe in Japan" (Anthropologische Gesellschaft in Wien 1901: [90]).

[6] Von Yamasakis Wiener Zeit zeugt auch eine Fotografie in einem Fotoalbum, das der Geologe Eduard Suess zu seinem 70. Geburtstag von Kollegen und Studenten erhalten hatte (Archiv der Universität Wien, Fotosammlung, Signatur 106.I.2500-393). Yamasaki hatte im Wintersemester 1900/01 und im Sommersemester 1901 bei Suess geologische Vorlesungen gehört.

[7] Johannes Justus Rein (1835-1918), deutscher Geograph und Japanologe, der an den Universitäten Marburg und Bonn lehrte (vgl. Driesch 2003).

[8] Das Buch wird in den Sondersammlungen der Universitätsbibliothek Graz aufbewahrt (Signatur II 340.390), das Manuskript mit den Übersetzungen der Erläuterungen der 74 Bildtafeln – durchnummeriert von I bis LXXIV – befindet sich im Nachlass Schuchardts (Signatur 17.1.16.1.). Schuchardt versah es in Randnotizen mit Fragen bzw. Hinweisen zu gleichartigen italienischen Fischnetzen bzw. strich für ihn wichtige Formen an, so auch die Fischzäune LXV-LXX.