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Josef Szombathy

Die Korrespondenz zwischen Josef Szombathy und Hugo Schuchardt wurde von Elisabeth Egger und Susanne Oberpeilsteiner bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Egger, Elisabeth & Susanne Oberpeilsteiner. 2015. 'Die Korrespondenz zwischen Josef Szombathy und Hugo Schuchardt.' In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/2835, abgerufen am 16.10.2019

Josef Szombathy

Bedeutung

Josef Szombathy war Teil jenes Netzwerks aus Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums und Mitgliedern der Anthropologischen Gesellschaft in Wien (AG), das Hugo Schuchardt – seit 1885 selbst Mitglied der AG – zum Gedankenaustausch, zur Informationsbeschaffung und zur Unterstützung bei Objekterwerbungen für seine Belegsammlung nutzte (vgl. Egger/Oberpeilsteiner in Vorbereitung: Fußnote 22). Die vorhandenen Briefe belegen, dass Schuchardt Szombathy zweimal kontaktierte, nämlich 1886 auf der Suche nach Literatur und 1902, um nähere Informationen über Spindelaufsätze in den Sammlungen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums zu erhalten.

Informationen

Josef Szombathy wurde am 11. Juni 1853 in Wien geboren und starb am 9. November 1943. Nach dem Studium an der Chemisch-technischen Schule des Polytechnischen Instituts (der späteren Technischen Hochschule) wurde er zum Assistenten an der Lehrkanzel für Mineralogie und Geologie der Technischen Hochschule ernannt, deren Vorstand Ferdinand von Hochstetter war (Heinrich 2003: 2-3). Neben seiner Tätigkeit als Assistent besuchte er an der Universität Wien Lehrveranstaltungen bei Eduard Suess (Geologie), Friedrich Simony (Physiogeographie, Kartographie, Statistik), Melchior Neumayr (Paläontologie) und Theodor Fuchs (fossile Floren und Faunen) (Heinrich 2003: 3).

Ferdinand von Hochstetter nahm seine Assistenten an der Technischen Hochschule – neben Szombathy auch Franz Heger – nicht nur zu Grabungen in Hallstatt mit, sondern auch an seine neue Wirkungsstätte, das k.k. Hofmineralienkabinett, zu dessen Direktor er 1877 ernannt wurde. (Heinrich 2003: 4) Von Hochstetter war außerdem mit der Aufgabe betraut worden, "ein wissenschaftliches Konzept für das im Bau befindliche k.k. naturhistorische Hofmuseum zu erstellen" (Heinrich 2003: 4). Dieses sah zum einen die "Zusammenführung der drei k.k. Hof-Cabinette (das zoologische, das mineralogische und das botanische)" (Heinrich 2003: 4) und zum anderen die Schaffung einer neuen Abteilung für die prähistorischen, anthropologischen und ethnographischen Sammlungen des Hofes vor. In dieser Abteilung sollte Szombathy sein gesamtes Berufsleben verbringen. 1882, nachdem er sich intensiv in den Planungsprozess des im Bau befindlichen Museums eingebracht hatte, nahm er dort seine Tätigkeit als Leiter der anthropologisch-prähistorischen Unterabteilung auf (Heinrich 2003: 4-6).

Während Franz Heger die ethnographischen Sammlungen betreute, baute Szombathy die anthropologisch-prähistorische Sammlung auf. (Heinrich 2003: 5) Bis zu seiner Pensionierung im Jahr 1916 wuchsen die Bestände der anthropologischen Sammlung von 600 auf zirka 7.000 Inventarnummern, jene der prähistorischen Sammlung von 7.000 auf etwa 53.000 Inventarnummern (Heinrich 2003: 8), wobei er "'das Hauptgewicht auf die unmittelbare Aufsammlung an den Fundorten selbst [legte] und […] nur ausnahmsweise wichtigere Objekte aus dem Handel auf[nahm]'" (Szombathy 1916; zit. nach Heinrich 2003: 9).

Josef Szombathy unterstützte andere Wissenschaftler/innen bei ihren Forschungen (Heinrich 2003: 28) und war Mitglied in zahlreichen Gesellschaften und Vereinen.[1] Bereits 1879 wurde er Mitglied der AG, zwischen 1883 und 1886 war er – zunächst vertretungsweise, dann gewählt – deren erster Sekretär und Redakteur der Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. 20 Jahre lang – zwischen 1910 und 1920 – war er Vizepräsident der AG, ab 1931 Ehrenmitglied (Heinrich 2003: 24).

Josef Szombathy unternahm unzählige Studienreisen und leitete zahlreiche Grabungen, auch nach seiner Pensionierung als Museumsbeamter, darunter Höhlengrabungen und archäologische Grabungen, in verschiedensten Teilen der Monarchie (Heinrich 2003: 12-24). Die wohl berühmteste der von ihm geleiteten Grabungen ist jene im niederösterreichischen Willendorf, im Zuge derer Josef Bayer und Hugo Obermaier 1908 eine steinzeitliche Frauenfigur, die Venus von Willendorf, entdeckten (Heinrich 2003: 20). Bereits etwas mehr als 20 Jahre davor, in den Anfangsjahren seiner Tätigkeit am k.k. naturhistorischen Hofmuseum, hatte er 1885 die Grabungen auf der Gurina bei Dellach in Kärnten geleitet (Heinrich 2003: 20). Die Fundstücke, die im Rahmen dieser und weiterer Grabungen 1886 sowie 1887 zutage gefördert worden waren, wurden im k.k. naturhistorischen Hofmuseum restauriert, inventarisiert und zum Teil auch ausgestellt (Jahresbericht 1887: 24-25, Jahresbericht 1889: 30).


Gegenbriefe

Zwei Gegenbriefe Schuchardts an Szombathy befinden sich im Naturhistorischen Museum Wien im Fundaktenarchiv der Prähistorischen Abteilung, Bestand Szombathy-Korrespondenz (ohne Nummerierung), welche von diesem freundlicherweise zur Abschrift und Veröffentlichung zur Verfügung gestellt wurden.[2]

Briefedition und Kommentare

Josef Szombathy wurde am 28. Oktober 1886 in seiner Funktion als erster Sekretär der AG von Hugo Schuchardt kontaktiert; dieser bat, die Bibliothek der AG zur Entlehnung von Werken nutzen zu dürfen und über deren Bestände informiert zu werden (Lfd. Nr. 01-s.n.01). Eine diesbezügliche Antwort scheint nicht erhalten zu sein und es bleibt unklar, ob Schuchardt die Bibliotheksbestände in der intendierten Weise benutzen konnte. Schuchardts Suche nach einem Buch von Johann Gerard Friedrich Riedel, einem niederländisch-indonesischen Beamten, der mehrere ethnographische Arbeiten verfasste, [3] stand in Zusammenhang mit seiner intensiven Beschäftigung mit Kreolsprachen in den 80er und frühen 90er Jahren des 19. Jahrhunderts. Arbeiten und Publikationen von Riedel waren ihm bereits von Ferdinand Blumentritt 1884 (vgl. Mattes 2013: Lfd.Nr. 074-01111) und von Johan Hendrik C. Kern im Oktober 1886 kurz vor seiner Anfrage an die AG (vgl. Sousa 2014: Lfd.Nr. 01-05507; Lfd.Nr. 02-05508) empfohlen worden.

In seinem zweiten Schreiben vom 1. Juni 1902 (Lfd. Nr. 02-s.n.02) dankte Schuchardt für die erfolgte Zusendung von Zeichnungen von Spindelaufsätzen, die bei Grabungen auf der Gurina[4] gefunden worden waren – bei welcher Gelegenheit er um diese Zeichnungen gebeten hatte, ist unbekannt. Seiner Bitte um weitere Auskünfte betreffend Inventarnummern und "die Stelle wo über den ganzen Fund berichtet wird" kam Josef Szombathy in seinem im Nachlass Schuchardts erhaltenen Antwortschreiben umgehend nach (Lfd. Nr. 03-11546). Schuchardt beschäftigte sich Ende der 1890er Jahre intensiv mit den Formen der oberen Spindelenden, was im Zusammenhang mit der Etymologie von lat. cochlea seinen Niederschlag in Romanische Etymologieen II (Schuchardt 1899: 37-50) fand. Die erneute Beschäftigung mit Spindelformen in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts dürfte in Zusammenhang mit den vorbereitenden Recherchen zur Festschrift für Adolf Mussafia (Schuchardt 1905) stehen, auch wenn die Spindel hier letztendlich nur mehr eine kurze Behandlung in der Einleitung erfuhr (Schuchardt 1905: 3-4).

Die Briefe wurden unter Beibehaltung der Originalschreibweise transkribiert. Bei Zitaten aus den Sitzungsberichten der Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft werden die Seitenzahlen wie im Original in eckigen Klammern angegeben.

Ungedruckte Quellen:

Naturhistorisches Museum Wien:

Fundaktenarchiv der Prähistorischen Abteilung, Inventarbuch der Prähistorischen Abteilung II. 15.243-15.409.

Fundaktenarchiv der Prähistorischen Abteilung, Szombathy-Korrespondenz, Briefe von Hugo Schuchardt vom 28.10.1886 und 1.6.1902.

Bibliographie:

Andrian-Werburg, Ferdinand von (1886). Jahresbericht. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVI, [17]-[20].

Andrian-Werburg, Ferdinand von (1887). Jahresbericht. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVII, [9]-[13].

Andrian-Werburg, Ferdinand von (1888). Jahresbericht. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVIII, [21]-[29].

Egger, Elisabeth & Susanne Oberpeilsteiner in Vorbereitung. "Ich werde mir erlauben, Ihnen am Montag, den 5. d. M., um 10 Uhr Vormittags mit meiner Frau einen Besuch zu machen und Ihnen dann die Pariser Sichel zu überreichen." Die Korrespondenz von Wilhelm und Marie Hein mit Hugo Schuchardt. Grazer Linguistische Studien.

Egger, Elisabeth & Susanne Oberpeilsteiner (2015). Ergänzende Biographien zur Korrespondenz von Wilhelm und Marie Hein bzw. Michael Haberlandt mit Hugo Schuchardt. Online abrufbar unter: http://volkskundemuseum.at/sachenwoerter_woertersachen.

 Heinrich, Angelika (2003). Josef Szombathy (1853-1943). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, 133, 1-45.

Hoernes, Moriz (1886a). Über die vorjährigen Funde in Gurina. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVI, [49]-[50].

Hoernes, Moriz (1886b). Über die diesjährigen Ausgrabungen auf der Gurina bei Dellach im Gailthale. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVI, [59]-[62].

Hoernes Moriz (1888). Generalbericht über die Ausgrabungen auf der Gurina. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVIII, [53]-[55].

Jablonka, Peter (1992). Die Siedlung auf der Gurina im oberen Gailtal (Kärnten). Wien: Dissertation.

Jablonka, Peter (2001). Die Gurina bei Dellach im Gailtal. Siedlung, Handelsplatz und Heiligtum. Klagenfurt: Geschichtsverein für Kärnten.

Jahresbericht (1887). Annalen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums, II, 1-132.

Jahresbericht (1889). Annalen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums, IV, 1-122.

Jahresbericht (1903). Annalen des k.k. naturhistorischen Hofmuseums, XVIII, 1-69.

Mattes, Veronika (2013). Die Korrespondenz zwischen Ferdinand Blumentritt und Hugo Schuchardt. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter http://schuchardt.uni-graz.at/korrespondenz/briefe/korrespondenzpartner/391, abgerufen am 1.8.2015.

Meyer, Adolf Bernhard (1885). Gurina im Obergailthal (Kärnthen). Ergebnisse der im Auftrage der anthropologischen Gesellschaft zu Wien im Jahre 1884 vorgenommenen Ausgrabungen. Eine Vorstudie zu weiterer Localforschung. Dresden: Wilhelm Hoffmann.

Riedel, Johann Gerard Friedrich (1886). De sluik- en kroesharige rassen tusschen Selebes en Papua. 's Gravenhage: Nijhoff.

Schuchardt, Hugo (1899). Romanische Etymologieen II. In Sitzungsberichte der philosophisch-historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften. Wien 141: 1-222. (HSA 335)

Schuchardt, Hugo (1905). Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia. Graz: Leuschner & Lubensky. (HSA 480)

Sitzungsberichte (1886). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XVI, [1]-[70].

Sitzungsberichte (1922). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, LII, [1]-[29].

Sitzungsberichte (1927). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, LVII, [1]-[191].

Sousa, Silvio Moreira de (2014). Die Korrespondenz zwischen Hendrik Kern und Hugo Schuchardt. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter: http://schuchardt.uni-graz.at/korrespondenz/briefe/korrespondenzpartner/1781, abgerufen am 1.8.2015.

Szombathy, Josef (1885). Vortrag. Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XV, [102]-[104].

Verhandlungen (1885). Mitteilungen der Anthropologischen Gesellschaft in Wien, XV, [1]-[125].

Zwander, Helmut et al. (2014). 130 Jahre Landesmuseum Rudolfinum. In Landesmuseum für Kärnten (Hg.), Spuren_suche: 130 Jahre Rudolfinum. Klagenfurt: Landesmuseum für Kärnten, pp. 72-100.

 

[1] Für eine umfangreiche Darstellung siehe Heinrich 2003: 24-28.

[2] Unser Dank geht an Karina Grömer.

[3] Vgl. Sousa 2014: Lfd.Nr.01-05507, Fußnote 5; Matthes 2013: Lfd.Nr. 074-01111, Fußnote 8.

[4] Die Gurina ist eine Terrasse nördlich der Ortschaft Dellach im Gailtal in Kärnten mit eisen- und römerzeitlicher Besiedlung, die seit dem 19. Jahrhundert archäologisch erforscht wird. Eine erste systematische Ausgrabung wurde 1884 unter der Leitung von Adolf Bernhard Meyer, Direktor des Königlichen Zoologischen und Anthropologisch-Ethnographischen Museums in Dresden, und Conrad Fischnaler, Kustos im Museum Ferdinandeum in Innsbruck, im Auftrag der AG durchgeführt. Weitere Ausgrabungskampagnen der AG fanden 1885 (Leitung Moriz Hoernes, Fritz Portheim, Josef Szombathy), 1886 (Leitung Moriz Hoernes, Josef Szombathy) und 1887 (Moriz Hoernes, Josef Szombathy) statt (vgl. Jablonka 2001: 9-13).



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