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Elise Richter

Die Korrespondenz zwischen Elise Richter und Hugo Schuchardt wurde von Bernhard Hurch bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Hurch, Bernhard. 2009. 'Die Korrespondenz zwischen Elise Richter und Hugo Schuchardt'. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/2516, abgerufen am 24.05.2020

Eine ausführlich kommentierte Printveröffentlichung findet sich in Hurch (2009).

Elise Richter

Bedeutung

Elise Richter wurde 1865 in Wien geboren und lebte unverheiratet mit ihrer Schwester Helene, mit der sie auch aufgrund ihrer jüdischen Herkunft gemeinsam nach Theresienstadt deportiert wurde, wo sie 1943 ums Leben kam.
Richter war Romanistin, eine der frühen Absolventinnen des Faches und die erste habilitierte Frau an der Universität Wien. Weniger die fachliche, als vielmehr die institutionelle und im engeren Sinne berufliche Anerkennung blieben ihr aufgrund des Geschlechts wie der jüdischen Herkunft allerdings verschlossen. Ihre Bedeutung in gerade dieser Rolle ist mit ein Grund für den Bekanntheitsgrad. Die Rezeption ihrer Schriften ist dadurch leider etwas in den Hintergrund getreten.
Aufgrund der Existenz der Seite:

http://www.romanistinnen.de/frauen/richter.html

ist eine Darstellung Elise Richters hier überflüssig. Nicht nur enthält diese Seite eine ausführliche Biographie, eine kritisch kommentierte Gesamtbibliographie und lange Auszüge aus der Autobiographie, sondern zudem (neben anderen) auch den Gesamttext von Lorenzo Renzis kritischer Würdigung, sowie Materialien.
 
Vgl. auch den Eintrag zu Richter im Romanistenlexikon.

Gegenbriefe

Zu den hier vorliegenden Briefen:

Insgesamt werden in der Folge 40 Schriftstücke von Elise Richter an Hugo Schuchardt gebracht. Sie erstrecken sich über den Zeitraum von 1905 bis 1927, also bis zum Tod Schuchardts. Die Briefe selbst sind nur streckenweise inhaltlich sehr aufschlußreich, der Rest höfliche Danksagungen, vermischt mit Kurzberichten. Die beiden mußten auch über den Briefverkehr hinaus Kontakt gehabt haben. Richter sah sich mehr als nur im Übertragenen Sinn auch als Schülerin Schuchardts (neben Mussafia), was u.a. mit der Situation der österreichischen Romanistik, der Konstellation des Wiener Instituts und v.a. seiner Leitfigur Wilhelm Meyer-Lübke zu tun hatte. Schließlich wird sie zur wichtigsten Biographin Schuchardts (Richter 1928), alle späteren Würdigungen Schuchardts beziehen sich auf ihre Arbeit.

Die Briefe umfassen in der Ordnung der Nachlässe der UB Graz die Nummern 9540 bis 9581. Zwei Stücke, nämlich 9573 und 9575 wurden ausgeschieden; sie stammen zwar von Elise Richter, der Adressat ist allerdings der Grazer Romanist Adolf Zauner[1].
Die vorliegenden Schriftstücke erweisen allerdings auch eine Charakteristik Elise Richters, die in den Biographien neben ihrer Bedeutung als Leifigur und Symbol für die Durchsetzung der Gleichberechtigung immer wieder zu kurz kommt: ihr allgemein politischer Konservativismus. Sie war, wie die Korrespondenz zeigt, nicht nur eine Verteidigerin, mehr sogar eine Verfechterin des Ersten Weltkriegs, ja im Brief Nr. 11 vom 17. Jänner 1916 stellt sie an Schuchardt die äußerst zweifelhafte Frage " Bedauern Sie nicht auch, nicht an der Front zu sein?!" Zwei der von Richter verwendeten Postkarten (9544 und 9560) tragen zudem Kampf- bzw. Ideologiemotive des Weltkriegs.
Es erklärt sich damit auch die sehr grundsätzlich kritische Position Leo Spitzers gegenüber Richter, die er in seinen Briefen an Schuchardt (vgl. Spitzer) sehr eindeutig formuliert, allerdings in seinem Nachruf hintanstellt. Beide haben sich in der Zeit rund um den Ersten Weltkrieg - allerdings mit diametral entgegengesetzten Positionen - ausführlich zu Fragen des ideologischen Gehalts von Sprache wissenschaftlich und publizistisch geäußert, und Spitzer hat sein 1918 erschienenes Buch "Fremdwörterhatz und Fremdvolkerhaß" mit den Worten: "Frau Dr. Elise Richter in verehrungsvoller Gegnerschaft gewidmet".
Einigen Schriften Elise Richters sollte allerdings auch in der heutigen Romanistik noch größere Bedeutung zukommen, als es der Fall ist, insbesondere der Studien zur Wortstellung in diachroner Hinsicht in ihrer Dissertation von 1903 ( Zur Entwicklung der romanischen Wortstellung aus der lateinischen, Halle: Niemeyer), wie die spätere Wiederaufnahme des Themas in zwei späteren und allgemeineren Arbeiten (1919-20: "Grundlinien der Wortstellungslehre", in Zeitschrift für romanische Philologie XL: 9-61 und 1922-23: "Zur Klärung der Wortstellungsfragen", ebenfalls in ZrPh XLII: 704-721); aber vor allem auch 1911 "Der innere Zusammenhang der romanischen Sprachen" in (ZrPh, Beiheft XXVII: 57-143) und die spätere Arbeit aus 1934 "Chronologische Phonetik des Französischen bis zum Ende des 8. Jahrhunderts" (in ZrPh, Beiheft LXXXII).


[1] Die Postkarte 9573 ist an Zauner gerichtet, im längeren Brief 9575 geht dies aus dem Inhalt hervor.

Briefedition und Kommentare

Die Webedition wurde unter Mitarbeit von Andrea Felfer (née Wippel), Petra Hödl, Lena Mallinger und Katrin Purgay erstellt.