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António Joaquim Ribeiro

Die Korrespondenz zwischen Antonio J. Ribeiro und Hugo Schuchardt wurde von Jürgen Lang und Nélia Alexandre bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Webedition wurde unter Mitarbeit von Belma Mahmutovic erstellt.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Alexandre, Nélia & Jürgen Lang. 2016. 'Die Korrespondenz zwischen António J. Ribeiro und Hugo Schuchardt'. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter: http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/2512, abgerufen am 07.08.2020

António Joaquim Ribeiro

Bedeutung

Trotz einigen Nachzüglern weist das Schriftenverzeichnis Hugo Schuchardts eindeutig die 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts als die Zeit seiner intensivsten Beschäftigung mit den Kreolsprachen aus. Nach zwei Rezensionen aus dem Jahr 1881 eröffnet der Beitrag Ueber das Negerportugiesische von S. Thomé den Reigen der Kreolischen Studien I-IX, der sechs Beiträge zur Kenntnis des kreolischen Romanisch und der drei Beiträge zur Kenntnis des englischen Kreolisch. Unter den romanischen Kreols sind die portugiesischen (zwölfmal) und insbesondere die 'negerportugiesischen' im Westen Afrikas (sechsmal) besonders stark vertreten. Auch wenn das portugiesische Kreol der Kapverden erst 1888 zum Zug kommt, läuft die Materialsammlung spätestens seit Schuchardts Rezension der ersten Folge von Os estudos românicos ou neo-latinos na África, Ásia e América von F. Adolpho Coelho aus dem Jahr 1880. 

Die erste Person, die Schuchardt direkt von den Kapverden, genauer aus der Provinzhauptstadt Praia auf der Insel Santiago, über das dortige Kreol informierte, war der Wahlkapverdianer António Joaquim Ribeiro. Wie genau Schuchardt auf ihn aufmerksam wurde, läßt sich aus dessen Briefen an Schuchardt, die hier in Transkription vorgelegt werden, nicht ersehen. Sicher ist nur, dass Schuchardts erstes Anschreiben mit der Bitte um Sprachproben Ribeiro in Lissabon erreichte, wo dieser sich noch bis zum 5. Oktober 1881 'geschäftlich' aufhalten sollte. Wenn wir das Datum der in Lissabon verfassten Antwort Ribeiros richtig lesen, so stammt diese vom 15. Februar 1881. Insgesamt gingen in den beiden folgenden Jahren je sieben Briefe in beide Richtungen. Die von Ribeiro ruhen im Hugo Schuchardt Archiv, über den Verbleib der Briefe Schuchardts an Ribeiro ist nichts bekannt. Schon der zweite Brief Ribeiros vom 28. Februar 1882 erreichte Schuchardt – wie alle folgenden – direkt aus Praia. Mit den 'Geschäften' Ribeiros sind wohl kommerzielle Geschäfte gemeint, wie einzelne seiner Sprachbeispiele nahelegen. In seinem letzten Brief vom 7. Januar 1883 antwortet Ribeiro auf Schuchardts Frage nach seinem Geburtsort wie folgt: "Ich stamme aus Portugal, bin in der Beira Baixa geboren, lebe aber schon mehr als 20 Jahre hier und war noch ein Kind, als ich hierher kam." 

Während sich vielleicht nie klären läßt, ob Ribeiro tatsächlich – wie er selbst vermutet – der erste war, der versuchte, das Kreol von Santiago zu Papier zu bringen, hatte er dies – wohl anders als die anderen kapverdischen Informanten Coelhos und Schuchardts – tatsächlich schon versucht, bevor er von einem der beiden darum gebeten wurde. Denkbar, dass Schuchardt gerade aufgrund dieses Versuches – Ribeiros damals noch unveröffentlichte 'escena cómica' mit dem Titel Á mi qué bóde! – auf Ribeiro aufmerksam (gemacht) wurde.

Ribeiro arbeitet in mehreren Briefen offensichtlich Fragenkataloge ab, die den zentralen Teil der nicht erhaltenen Briefen von Schuchardt an Ribeiro bildeten. Er hängt aber auch Sprachproben aus eigener und fremder Feder an, die heute im Hugo Schuchardt Nachlass aufbewahrt werden. Im Zuge der Arbeit an der vorliegenden Edition konnten zwei Schriftstücke aus der Sektion „Werkmanuskripte“ des Nachlasses [Signatur 11.23.10.1] eindeutig der Korrespondenz mit Ribeiro zugeordnet werden. Diese werden mit dessen Briefen vom 28.02.1882 [Lfd. Nr. 02-09522] und vom 07.01.1883 [Lfd. Nr. 07-09527] veröffentlicht. Schuchardt hat den größeren Teil davon unter dem Titel Zum Negerportugiesischen der Kapverden als Folge III der Beiträge zur Kenntnis des kreolischen Romanisch veröffentlicht und kommentiert (cf. Zeitschrift für romanische Philologie 12, 1988, 312-322). Der Grazer Linguist versuchte sich bei seinem kapverdischen Informanten zu revanchieren. Er schickte u.a. zwei Ansichtspostkarten, einen französischen Roman und – man glaubt es kaum – einen von ihm selbst verfassten Brief im Santiagokreol. Leider ist nur die Liste der Korrekturen Ribeiros erhalten. Zusammen mit anderen noch unveröffentlichten Sprachproben Ribeiros soll auch eine Transkription dieser Liste später an dieser Stelle veröffentlicht werden. 

Zu den interessantesten Fragen, die dieser Briefwechsel aufwirft, gehört die, warum Schuchardt auf den siebten, ganz vertrauensseligen Brief Ribeiros vom 7. Januar 1883 offensichtlich nicht mehr geantwortet hat. Zuviele mögliche Gründe drängen sich auf, als dass sich eindeutig entscheiden ließe, welcher oder welche davon den Ausschlag gaben! 

Wie sollte Schuchardt z.B. auf Ribeiros im seinem letzten Brief geäußertes Angebot reagieren, den vom Autor selbst zuerst ins Französische zu übersetzenden Beitrag Schuchardts zum Kreol von São Tomé anschließend ins Portugiesische zu übersetzen, um ihn einem größeren Publikum zugänglich zu machen? Außerdem häuften sich seit dem vierten Brief Ribeiros Bitten um kleine Freundschaftsdienste – insbesondere die, ihm zu der Position eines österreichischen Konsuls in Praia zu verhelfen. Schließlich ist auch nicht auszuschließen, dass Ribeiros sofort in die Tat umgesetzte Bitte, fortan im Umgang miteinander auf die Anrede mit Vossa Excellência zu verzichten, bei Schuchardt nicht nur Freude auslöste, insbesondere angesichts dieser dringender werdenden Bitten um kleine Gefälligkeiten. 

Vielleicht reicht aber auch eine banalere Erklärung, um das plötzliche Schweigen des nach wie vor am Kreol von Santiago interessierten Schuchardt zu erklären. An den Briefwechsel mit Ribeiro schließt nahtlos derjenige mit Joaquim Vieira Botelho da Costa (Mindelo, Insel São Vicente) an, von dem sich Schuchardt mehr versprochen haben dürfte als von dem mit Ribeiro. In einem gewissen Sinne zu recht, denn der schon 1872 vom Zollbeamten zum Verwalter des ganzen Distrikts von Mindelo avancierte da Costa und sein Freund, der ebenfalls in Mindelo lebende Arzt und Poet Custódio Duarte, sollten Schuchardt schon im folgenden Jahr die zunächst noch handschriftliche Version ihrer Breves estudos sobre o crioulo das ilhas de Cabo Verde zu Füßen legen. Schuchardt dürfte entzückt haben, dass hier ein linguistisches Panorama des ganzen kapverdischen Archipels vorgelegt wurde, aus dem ersichtlich sein sollte, in welchen Punkten sich eine oder mehrere Inselvarietäten von den übrigen unterschieden und in welchen sie  – angeblich – alle übereinstimmten. 

Aus heutiger Sicht verzichtete Schuchardt beim Wechsel der Korrespondenten allerdings auf den Spatz in der Hand zugunsten eines fliegenden Adlers. Denn die Sprachproben Ribeiros und die zweisprachig geschriebene, 1887 publizierte und von Schuchardt zwei Jahre später sehr negativ rezensierte Grammatik des Santiagokreols von António de Paula Brito – einiges deutet darauf hin, dass sich die beiden Antónios gut kannten - liefern aus heutiger Sicht verlässlichere Informationen als die Breves estudos, wenn auch freilich nur zu einer Inselvarietät. So unterschiedlich die Qualität seiner metasprachlichen Erklärungen auch ist, Ribeiro schreibt nämlich ein sehr authentisches Kreol. Dieses Kreol belegt einerseits das relativ hohe Alter betimmter sprachlicher Erscheinungen, die man ohne dieses Zeugnis geneigt wäre, für jünger zu halten. Und es belegt andererseits inzwischen überholte sprachliche Erscheinungen, die man bislang nur rekonstruieren, aber - zumindest für Santiago - nicht belegen konnte (vgl. dazu in Bälde den Beitrag António Joaquim Ribeiro – o primeiro informante de Schuchardt em Cabo Verde von Jürgen Lang). Neben den rein wissenschaftsgeschichtlichen Gründen gibt es also auch gute sprachhistorische Gründe, sich mit den nachstehenden Ribeiro-Briefen eingehend zu beschäftigen.

Gegenbriefe

Der Verbleib der Briefe Schuchardts an Ribeiro ist ungewiss.

Briefedition und Kommentare

Die Initiative zur Korrespondenz ging anscheinend von Schuchardt aus. Der deutliche Höhepunkt des Kontakts fand 1882 statt. Die Briefe Ribeiros an Schuchardt sind in portugiesischer Sprache verfasst.