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Julius Cornu

Die Korrespondenz zwischen Julius Cornu und Hugo Schuchardt wurde von Frank-Rutger Hausmann bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Hausmann, Frank-Rutger. 2019. 'Die Korrespondenz zwischen Julius Cornu und Hugo Schuchardt'. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/1328, abgerufen am 16.10.2019

Julius Cornu

Bedeutung

Gebürtig aus Villars-Mendraz (Canton de Vaud) als zehntes und letztes Kind des vermögenden Landwirts Pierre François Cornu und der Suzanne geb. Jaton, die bei seiner Geburt bereits fünfzig Jahre alt war, studierte Jules Cornu Romanische Philologie in Basel (bei Edmund Stengel) und am Collège de France in Paris (bei Gaston Paris). Im Jahr 1874 wurde er in Basel promoviert. Die ungedruckte Dissertation trägt den Titel „Lautlehre der Mundart des Pays-d’Enhaut“ (Kanton Vaud) [Kopie im Archiv des Glossaire des patois de la Suisse romande und der UB Basel].[1] Zunächst Bibliothekssekretär, lehrte Cornu bis 1877 als erster romanistischer Professor (seit 1876 mit dem Titel Extraordinarius) in Basel (sein „Doktorvater“ Edmund Stengel war nur Privatdozent) und folgte in diesem Jahr Wendelin Förster als Ordinarius für Romanische Philologie an der Prager Karl-Ferdinands-Universität. Im Jahr 1901 trat er die Nachfolge Schuchardts in Graz an, ließ sich aber 1911 aus persönlichen Gründen vorzeitig entpflichten. Selber Dialektsprecher, gehörte er zum Herausgeberkomitee des Glossaire des patois de la Suisse romande. Jules Gilliéron und Carlo Salvioni waren u.a. seine Schüler. Als angesehener Lusitanist verfasste er das Kapitel über die portugiesische Sprache für Gröbers Grundriss.

Aufgrund seiner genauen Kenntnisse von Land, Leuten und Sprache Portugals wurde er zu einem geschätzten Ansprechpartner Schuchardts, dem er zunächst vor allem mit bibliographischen Hinweisen, Auskünften über das gegenwärtige wie das vergangene Portugiesisch und Kontakten zu portugiesischen Intellektuellen behilflich war. Wenn Cornu später Schuchardts Nachfolger wurde, war er sicherlich ein, wenn nicht gar der Wunschkandidat des von ihm verehrten Meisters. Insgesamt sind 132 Briefe und Postkarten Cornus an Schuchardt aus den Jahren 1878-1918 erhalten.

Cornu schreibt zunächst in seiner Muttersprache Französisch, die, vor allem in der Orthographie, gewisse Welschschweizer Idiotismen aufweist. Sein Deutsch, das er später fast ausnahmslos verwendet, ist, bis auf kleine Versehen, vorzüglich.

Gegenbriefe Schuchardts wurden nicht gefunden. Sie könnten im Besitz von Matthias Friedwagner (1861-1940), von 1911 bis 1928 als Nachfolger von Heinrich Morf Romanistikordinarius in Frankfurt a. M., gewesen sein, der in seinem Nachruf auf Cornu schreibt: „Auch aus mancherlei Briefen und aus Entwürfen zu amtlichen Schriftstücken, die im vorigen Herbste zu Leoben, wo er gestorben, in meine Verwahrung gegeben wurden, erkannte ich wieder den hohen sittlichen Sinn und die Lauterkeit dieses seltenen Mannes. Wie sein Bild unser Romanisches Seminar ziert, dem die trauernde Lebensgefährtin einen Teil seiner schönen Bibliothek gestiftet, so war er zeitlebens ein wahres Vorbild gewissenhaftester und unermüdlichster Arbeit und eine Zierde unseres Standes“ (S. 209). In Frankfurt a. M. konnte der briefliche Nachlass Cornus jedoch nicht lokalisiert werden.

Wie Cornu über seinen Bücher-Nachlass disponiert hatte, kann man einem Brief seiner Frau an Schuchardt (Leoben, 2.3.1920, HSA 01933) entnehmen: „Über die Bibliothek wird erst im Juni verfügt. […] Die Portugiesischen Bücher bestimmte er: als Schenkung der Baseler Universität,[2] seinem wissenschaftlichen Ausgangspunkt. Das Andere, möchten wir in drei gerechten Teilen: Frankfurt, Zürich[3] u. Graz, zuwenden. Es wird nötig sein, dass die Professoren Friedwagner, Jud und Zauner, sich zur Zeit darüber einigen. Professor Pogatscher u. Dupasquier sollen Andenken bekommen. Verpackung u. Fracht, die betreffenden Universitäten tragen. E così sia!“.

Wenn Cornus Korrespondenz mit Schuchardt fast ausschließlich wissenschaftliche und laufbahnbezogene Themen berührt, hat seine Frau, Maria-Theresia (Marie-Thérèse) geb. Kluckauf (1853-nach 1927) die „gesellschaftliche“ Korrespondenz geführt, d. h. Schuchardt zu allen Festtagen (Weihnachten, Neujahr, Geburtstag, Ostern, Pfingsten) auf bunten Postkarten mit freundlichen Grüßen und Wünschen im Namen der Familie Cornu gratuliert (101 Karten und Briefe sind im HSA erhalten). Sie bezeichnet ihren Mann scherzhaft als „Migo“ (= amigo, aber auch „Kumpel“), sich selber als „Miga“ (= amiga – das Wort miga bedeutet zugleich auch „Krümel“) oder „Gallego“ bzw. „Gallega“ (und wenn beide gemeint sind „[die beiden] Gallegos“). Gelegentlich werden bei der Erläuterung der Korrespondenz ihres Mannes Zitate aus ihren Karten und Briefen beigezogen und in Fußnoten zitiert. – Auch Schuchardts Korrespondenz mit ihr muss als verloren gelten.

Cornu hatte seine Frau in Prag im Haus des Kollegen (Mediziners) Erwin Klebs (1834-1913) kennengelernt und 1881 geheiratet. Sie stammte aus einer angesehenen Prager Familie, doch war ihr Großvater Philipp Anton Kluckauf (ca. 1761-ca. 1821), Jurist und Beamter der Finanzprokuratur, unter Kaiser Franz zum Direktor der kaiserlichen Tabakfabriken in Fürstenfeld (Steiermark) berufen worden. Da er früh starb, kehrte sein Sohn Adolf (1827-?) im Alter von 18 Jahren gemeinsam mit seiner Mutter nach Prag zurück. Er heiratete Anna Maria Thiele (1825-?) aus Aussig. Maria Theresia (häufig auch „Marie-Thérèse“) war die Erstgeborene, gefolgt von ihrer Schwester Josepha (1855-?) und dem Bruder Adolf (1859-1936). Maria Theresia muss eine gute Ausbildung erfahren haben, denn sie hatte Fremdsprachenkenntnisse (Italienisch, Französisch) und deutet in einem Brief an, von der Landschaftsmalerin Amalia Mánes (Amalie Manésová, 1817-1883) ausgebildet worden zu sein.

 

Bibl: Adolf Zauner, „Gedächtnisworte für Hofrat Professor Dr. Julius Cornu: gesprochen am evang. Friedhof zu Graz, an seinem Grabe, am 28. Juni 1920“ (Basel, UB Einzeldokumente [handschriftlich gedruckt]);

Jakob Jud, „Nécrologie de Jules Cornu“, Romania 46, 1920, 452-453;

Matthias Friedwagner „Jules Cornu 1849–1919. Zur Erinnerung und Würdigung“, Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen 142, 1921, S. 209-216 (P; Bibliogr.);

Felix Cornu, Blätter liebenden Gedenkens und Verstehens. Ein Familienbuch für den Freundeskreis; Mit Widmungen namhafter Zeitgenossen, naher Freunde, und einer Lebensskizze von seiner Mutter. Nebst einer Auswahl wissenschaftlicher Arbeiten des Verewigten, Dresden / Leipzig: Verlag Theodor Steinkopf, 1923;

Sever Pop, La dialectologie. Aperçu historique et méthodes d’enquêtes linguistiques. Première partie, Louvain-Gembloux 1950, S. 169-170, 445; Le Moyen Âge de Gaston Paris: la poésie à l'épreuve de la philologie; [actes du colloque organisé par Michel Zink ... les 27 et 28 mars 2003 à la Fondation Hugot du Collège de France], Paris: Jacob, 2004, 215-217; Paola Crivelli / GG, hls (online);

Paul Videsott, „Jan Battista Alton und die Besetzung der romanistischen Lehrkanzel in Innsbruck 1899. Quellen zur Geschichte der Romanistik an der Alma Mater Œnipontana“, Ladinia XXXII, 2008, S. 51-107, bes. 56-59;

Anne-Marguerite Fryba-Reber, „De Gustav Gröber à Arthur Piaget (1872-1895). L’institutionnalisation de la philologie romane en Suisse“, in: Ursula Bähler / Richard Trachsler, Portraits de médiévistes suisses (1850-2000). Une profession au fil du temps, Paris: Droz, 2009 (Publications romanes et françaises 246), 33-78, hier 38-40, 44, 56;

Dies., Philologie et linguistique romanes. Institutionnalisation des disciplines dans les universités suisses (1872-1945), Leuven-Paris-Walpole MA, 2013, 70, 101, 153-156, 191, 194, 336, 345.

 

1878   1 Brief

1879   2 Briefe

1880   5 Briefe, 4 PK

1881   2 Briefe, 2 PK

1882   1 Brief, 3 PK

1883   4 Briefe, 6 PK

1884   2 Briefe, 2 PK

1886   1 Brief

1887   12 PK

1888   2 Briefe

1889   1 Brief

1890   2 Briefe, 7 PK

1891   3 Briefe, 2 PK, 1 Telegramm

1896   1 Brief, 1 PK

1898   2 PK

1900   3 Briefe, 2 PK

1901   2 Briefe, 2 PK

1902   1 PK

1903   1 PK

1904   1 PK

1905   1 Brief, 4 PK

1908   1 Brief, 1 PK

1909   1 PK

1910   1 PK

1911   2 Briefe, 4 PK

1912   3 PK

1913   4 PK

1914   8 PK, 1 Zeitungsausschnitt

1915   1 Brief, 5 PK, 1 VK

1916   8 PK

1917   2 PK

1918   1 PK

o. D.    1 Zeitungszitat (vermutlich 1918)



[1] „Thèse de doctorat présentée à l'Université de Bâle en 1874 - Traite en 234 paragraphes toute la phonétique du patois de Cuves. Les faits sont groupés suivant le schéma adopté par G. I. Ascoli dans ses saggi ladini. – Don de l‘auteur“ [= Titelaufnahme der UB Basel].

[2] Vgl. Bericht über die Verwaltung der öffentlichen Bibliothek der Universität Basel im Jahre 1920, 3: „Besondere Erwähnung verdient die Schenkung der Frau Hofrat Maria Cornu in Wien, die in Ausführung eines Wunsches ihres verstorbenen Gatten Prof. Julius Cornu dessen etwa 600 Nummern zählende reichhaltige Sammlung von Werken über portugiesische Sprache und Literatur uns überwies“.

[3] Das Nachlassportal der Zentralbibliothek Zürich (Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek) weist keinen NL Cornu aus.

Briefedition und Kommentare

Die Webedition wurde unter Mitarbeit von Katrin Purgay erstellt.

Fehler - Hugo Schuchardt Archiv
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