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Karl Friedrich Christian Brugmann

Die Korrespondenz zwischen Karl Brugmann und Hugo Schuchardt wurde von Herman Seldeslachts und Pierre Swiggers bearbeitet, kommentiert und eingeleitet.

Die Edition bzw. einzelne Briefe sind zu zitieren als:

Seldeslachts, Herman & Pierre Swiggers. 2014. 'Die Korrespondenz zwischen Karl Brugmann und Hugo Schuchardt'. In Bernhard Hurch (Hg.) (2007-). Hugo Schuchardt Archiv. Webedition verfügbar unter http://schuchardt.uni-graz.at/id/letters/1215, abgerufen am 16.10.2019

Die Briefe von Brugmann an Schuchardt wurden uns freundlicherweise aus folgender Veröffentlichung zur Verfügung gestellt:

Seldeslachts, Herman & Pierre Swiggers. 1995. '"Ein so alberner Wicht ... bin ich gottlob nicht!": Das schwierige Verhältnis zwischen Karl Brugmann und Hugo Schuchardt'. In Orbis 38, 197-214.

Karl Friedrich Christian Brugmann

Bedeutung

Die sechs hier veröffentlichten Dokumente — vier Briefe, eine Briefkarte und ein Telegramm — stammen aus dem Schuchardt-Nachlaß der Universitäts­bibliothek Graz[1]. Es handelt sich um die gesamte erhalten gebliebene Korrespondenz[2] des Leipziger Indogerma­nisten Karl Brugmann (1849-1919)[3] mit Hugo Schuchardt (1842-1927)[4]. Diese Korrespondenz erstreckt sich über die Jahre 1894-1918, und legt vor allem Zeugnis ab von dem schwierigen und etwas gespannten Verhältnis zwischen Brugmann und Schuchardt. Im Hintergrund dieser Spannung[5] steht zweifellos die von Schuchardt entfachte Diskussion bezüglich der Lautgesetze, insbesondere bezüglich des Prinzips der Ausnahmslosigkeit. Auf Schuchardts grundsätzliche Kritik reagierte Brugmann noch im selben Jahr in seiner Inauguralrede (Brugmann 1885) an der Universität Freiburg im Breisgau[6].

Obwohl die Polemik sehr objektiv gehalten wurde, scheint sie bei den Protagonisten einige Spuren hinterlassen zu haben. Wie könnte man sonst erklären, daß Schuchardt beim Erscheinen der Festschrift für Leskien[7] entrüstet war, weil er sich von dieser Dankes­bezeigung ausgeschlossen fühlte? Schuchardt beschloß deshalb, auf eigene Kosten eine Minifestgabe herauszugeben, die 1894 unter dem Titel An August Leskien zum 4. Juli 1894 von Hugo Schuchardt in Graz erschien. Er leitete seinen Festgruß an Leskien wie folgt ein[8]:

“Hochgeehrter Freund, Mit dem Beginn Ihrer Leipziger Professur fiel der meiner dortigen Privatdozentur zusammen. Wir haben längere Zeit hindurch die gleichen Lüfte und Düfte eingeathmet, im Mittags- und Abendkreise aufstrebender Genossen heitere und ernste Worte miteinander ausgetauscht. So hoffte ich denn, als die Herausgeber der «Indogermanischen Forschungen» Ihre «Freunde und Schüler» aufforderten, sie möchten zu einer Festschrift für den «um Sprachwissenschaft und Philologie so vielfach verdienten Gelehrten» beisteuern, dass die innerhalb nicht gar enger Gränzen versandte Aufforderung mich nicht übergehen würde, zähle ich mich doch ebenfalls zu den Sprachforschern; und selbst wenn man Ihre Thätigkeit auf dem slawischen Gebiete hervorgehoben hätte, konnte man zur Nach- oder Rücksicht dadurch gestimmt werden dass ich in dieses Gebiet dann und wann wenigstens hineingelugt hatte. Ja, in Ihrem altbulgarischen Handbuch, dessen Aushängebogen Sie mir schenkten, habe ich zuallererst slawische Sätze buchstabirt, und dürfte mich so, mit einiger dichterischen Freiheit, auch Ihren Schüler nennen. Meine Erwartung ist nicht erfüllt worden. Die unter uns Gelehrten herrschende Bescheidenheitsüberlieferung gebietet mir zu glauben dass man mich vergessen habe; aber ich folge ihr nicht, ich glaube vielmehr dass man mich für die Auflehnung gegen jenen Satz als dessen Vater Sie gelten, den von der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze, hat strafen und zwar mit Dantescher Sinnbildlichkeit strafen wollen, indem man mit mir eine Ausnahme machte. Sie selbst freilich liessen mich, als Sie zum letzten Male in Graz waren, in keiner Ihrer Mienen lesen dass ich Sie verletzt hätte; Sie trugen wie immer die milde Ruhe zur Schau die dem «Enzyklopädisten» so wohl ansteht. Andere sind anders und scheinen durch die That die Ansicht unsres verstorbenen Kollegen Zöllner zu bestätigen dass man zwischen der wissenschaftlichen Unabhängigkeit und dem freundschaftlichen Verkehr mit Fachgenossen wählen müsse. Ich habe mich seiner Zeit über diese Ansicht lustig gemacht und spüre den Drang es von Neuem zu thun. Hier aber sind mir nur Kürze und Wunschform verstattet; also: nehmen wir Etwas von dem Humor voraus mit dem die Nachwelt auf unsere Zwistigkeiten blicken wird, bringen wir sie gleichsam auf einem Fechtboden zum Austrag, wo Jeder nach Kraft und Kunst sein Bestes thut und von wo Keiner mit grantigen Mienen und grollendem Herzen abzieht!” (Schuchardt 1894: 3 [1971: 297])[9].

Die Broschüre, “gedruckt in 160 Stücken” bei der “Universitäts-Buchdruckerei Styria”, wurde, wie wir durch unsere Forschungen im Schuchardt-Nachlaß feststellen konnten, an etwa hundert Gelehrte im Ausland versandt. In Deutschland waren das unter anderen: Baist, Kluge (Freiburg), Leskien, Sievers, Brugmann, Windisch, Wundt (Leipzig), Gröber (Straßburg), Bezzenberger (Königsberg), Ries (Marburg), Erdmann (Halle), Braune, Neumann (Heidelberg), Sigwart (Tübingen), Tobler, Kern, Weinhold, J. Schmidt (Berlin), Delbrück (Jena), Körting (Kiel), W. Foerster (Bonn), Behaghel (Gießen), Paul, Kuhn, Wölfflin (München), Koschwitz (Greifswald). Auch dem im schweize­rischen Freiburg lehrenden Wilhelm Streitberg[10] wurde ein Exemplar zugeschickt.

Auf dieses Herumschicken reagiert der erste der hier veröffentlichten Briefe Brugmanns. Brugmann weist darauf hin, daß Schuchardts Annahme, man habe ihn wegen seines Angriffes auf das Prinzip der Ausnahmslosigkeit der Lautgesetze in das Fegefeuer (oder gar in die Hölle) verwiesen, unbegründet sei: Schuchardt sei sehr wohl — ebenso wie sein Grazer Kollege Gustav Meyer — von den Herausgebern der Indoger­manischen Forschungen (1892 von Brugmann und seinem Schüler Wilhelm Streitberg begründet) aufgefordert worden, sich an der Festschrift für Leskien zu beteiligen, aber offenbar habe die Aufforde­rung ihn nicht erreicht. Brugmann, der zum Beweis dafür auf die ursprüngliche Liste der zur Mitarbeit aufgeforderten Gelehrten verweist, scheint über Schuchardts Angriff zutiefst empört gewesen zu sein, zumal dieser gedruckt vorlag und verschiedenen Fachgenossen übersandt worden war. Seine Stimmung erhellt klar aus dem vorletzten Absatz des Briefes:

“Es schmerzt mich tief, daß Sie mir diese elende Kleinlichkeit zugetraut haben, als habe ich „Sie für die Auflehnung gegen jenen Satz, als dessen Vater Leskien gelte, strafen wollen“. Ich habe gewis meine Schwächen, aber ein so alberner Wicht, als welchen Sie mich hier erscheinen lassen, bin ich Gottlob nicht!”

Wie sich aus dem zweiten Brief ergibt, wurde die Affäre nicht sofort beigelegt. Schuchardt scheint sich bei Streitberg, mit dem er mehr und bessere Kontakte hatte als mit Brugmann, über den Ton von Brugmanns Brief und ganz allgemein über die Tatsache, daß er sich nicht an der Festschrift für Leskien hatte beteiligen können, beklagt zu haben.

In seinem zweiten Brief an Schuchardt antwortet Brugmann auf ein an ihn gerichtetes Schreiben vom 5. Juli 1894 und auf die Briefe, die Schuchardt an Streitberg geschickt hatte. Aus Brugmanns Antwort ergibt sich klar, daß er sich seiner Sache sicher fühlt. Nicht nur gibt er Schuchardt zu verstehen, daß der Tadel der “Formlosigkeit” nicht sowohl ihn als Schuchardt selbst trifft[11], sondern er bittet Schuchardt, die Sache auch einmal von Gesichtspunkt der Herausgeber (Brugmann und Streitberg) aus zu betrachten: Angesichts des sachlichen Tones und der Objektivität der bis dahin über die Lautgesetze geführten Polemik[12] hätten sie doch gar keinen Grund gehabt, Schuchardt auszuschlie­ßen[13]. Ferner bestätigt Brugmann seinen Respekt vor Schuchardts Arbeiten und vor seinen allgemein-sprachwissenschaftlichen Ansichten (in bezug auf “Principienfragen”) und gibt er als sein wissenschaftliches Kredo Sachlichkeit und Objektivität an (wobei er gerne in Kauf nimmt, daß bisweilen seine eigenen Hypothesen widerlegt werden)[14].

Brugmann beschließt den Brief mit einem Vorschlag zur Erledigung der unange­nehmen Sache: Er möchte eine kurze erklärende Notiz im Anzeiger erscheinen lassen [siehe das im Anhang veröffentlichte Dokument]. Ob Schuchardt mit der vorgeschlagenen Formu­lierung zufrieden war (“daß Ihnen der Gedanke an absichtliche Übergehung eher gekommen sei als der, daß irgend ein Zufall im Spiel sein möge”), erscheint uns zweifelhaft. Übrigens klingt am Schluß dieses Briefes Brugmanns Entrüstung noch durch (“Diese Hoffnung hege auch ich, wenn Ihnen vielleicht auch jetzt noch meine Beurtheilung des Einganges Ihres Festgrußes als eine zu schroffe erscheinen sollte. Diese Beurtheilung wird sich schwerlich ändern, aber ich trage nicht nach”); aus diesen Worten darf man zudem vielleicht folgern, daß Schuchardt seinerseits wohl nachtragend war.

Das dritte Dokument ist eine Briefkarte aus dem Jahr 1900, mit der Brugmann — der jetzt Schuchardt gegenüber deutlich positiver eingestellt ist — auf die Zusendung von Schuchardt (1900) reagiert. Es handelt sich um den Text einer 1870 gehaltenen Vorlesung, der älter ist als Johannes Schmidts Aufsatz über die Verwandtschaftsverhältnisse der indoger­manischen Sprachen (Schmidt 1872), in dem die Wellentheorie dargestellt wird (als Ergän­zung zu August Schleichers Stammbaumtheorie[15]). Schuchardts Theorie (in der nicht von “Wellen”, sondern von “Ausstrahlung”, “Annäherung”, “geographischer Abänderung” die Rede ist) besteht gleichfalls im Nuancieren der Stammbaumtheorie:

“Was aber dann für die jüngste Generation, für die Wipfel des Stammbaums gilt, gilt jedenfalls auch für die früheren, da die gleichen Bedingungen immer vorhanden gewesen sind; und zwei Sprachvarietäten können nicht erst unabhängig sich ent­wickelt und, wenn sie fertig waren, einander beeinflusst haben, sondern diese Wechselwirkung hat mit der Divergenz selbst ihren Anfang genommen. Wir verbinden die Äste und Zweige des Stammbaums durch zahllose horizontale Linien, und er hört auf ein Stammbaum zu sein. […] Die Gebiete der Mundarten lassen sich also nicht, wohl aber die der verschiedenen Formen die ein lateinischer Laut annimmt, innerhalb fester Grenzen einschliessen, es lassen sich Stammbäume nicht von jenen, wohl aber von diesen aufstellen” (Schuchardt 1900: 11, 29).

Brugmann hat die Übereinstimmungen zwischen Schuchardts und Schmidts Ansichten erkannt, und weist u.a. auf das Vorkommen des Farbenbildes. Dieses Bild findet sich aber nur bei Schuchardt[16]; Schmidt seinerseits benutzt das Bild der Welle[17]. Brugmanns Irrtum darf man wohl als ein Zeichen dafür ansehen, daß der Theoriebildung nicht das Hauptinteresse der Junggrammatiker galt. Aus dem Brief erfahren wir übrigens, daß Brugmann, der Schuchardts Vorlesung beigewohnt hatte, sich kaum an etwas Wesent­liches daraus erinnern kann und offenbar das Thema der Vorlesung als nicht besonders Interessant empfunden hatte. Schuchardt dagegen scheint sich, viele Jahre danach, besser an seine Zuhörerschaft erinnert zu haben:

“1868 (Vok. des Vulgärlat. III, 32 …) habe ich meine Theorie von der geographischen Abänderung zwar nur angedeutet, aber deutlich, und sie 1870 zum Gegenstand meiner Leipziger Probevorlesung (Über die Klassifikation der romanischen Mundarten) gemacht, der u.a. G. Curtius, A. Ebert, Fr. Zarncke, A. Leskien, H. Paul, E. Sievers, K. Brugmann, H. Suchier beiwohnten. Das soll nur besagen dass sie nicht in einem kleinen Winkel stattgefunden hat; gedruckt wurde sie allerdings erst 1900. Im Mai 1872 tagte zu Leipzig die 28. Philologenversammlung; an ihr hielt Joh. Schmidt einen Vortrag: Die Verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen Sprachen der noch in demselben Jahr gedruckt wurde. Ich teilte ihm mündlich mit ‘dass ich zu ganz analogen Resultaten über die Verhältnisse der romanischen Sprachen zueinander gekommen wäre’, und indem er mich 1874 brieflich daran erinnerte, erkundigte er sich nach dem Druckort meines Vortrags; darauf konnte ich ihm also keine befriedigende Antwort geben” (Schuchardt 1925: 16 [19282: 432]).

Das vierte Dokument ist ein Glückwunschtelegramm von Karl Brugmann anläßlich von Schuchardts 70. Geburtstag am 5. Februar 1912; aus den Jahren 1900-1912 haben wir keine Korrespondenz.

Im vorletzten Brief bittet Brugmann Schuchardt um Auskünfte über dessen Grazer Kollegen, den Slavisten Mathias Murko (1861-1952), der von den Leipziger Philologen für die Nachfolge des 1916 verstorbenen August Leskien ins Auge gefaßt wurde, aber schließlich in Prag landete. Dieser Brief (wie auch der letzte) datiert aus der Zeit des ersten Weltkriegs; auf die politische und wirtschaftliche Lage wird ohne weiteren Kommentar hingewiesen.

Den letzten Brief beschließt Brugmann mit einem Hinweis auf “diese schweren Zeiten” und mit einer resignierten Betrachtung über die “Alten” wie Schuchardt und er, die unter diesen schwierigen Umständen die für ihre wissenschaftliche Arbeit erforderliche Ruhe zu finden versuchen. Trotz des positiven Tones und der lobenden Ausdrücke[18] zeugt auch dieses Schreiben von der theoretischen Spannung zwischen beiden Gelehrten. Schuchardt hatte Brugmanns Monographie über das “Scheinsubjekt” in den modernen westeuropäischen Sprachen (Brugmann 1917) besprochen (Schuchardt 1918), und einen theoretischen Mangel aufgedeckt (den Brugmann durch Berücksichtigung eines Artikels von Schuchardt[19] hätte vermeiden können), nl. daß er dem “tieferen Grund” für das Vorkommen von Scheinsubjekten nicht nachgegangen sei[20]. Brugmann betont in seiner Antwort, daß er sehr wohl Schuchardts Ansichten zur Ein- und Mehrgliedrigkeit von Sätzen[21] kenne, seine Studie aber als Nebenprodukt der Überarbeitung des Grundrisses (Brugmann 1897-1916) einen anderen Zweck habe, nl. den formalen Anschluß des Scheinsubjekts, durch analogische Ausdehnung, an das kataphorisch verwendete (durch einen Relativsatz wiederaufgenommene) Demonstrativpronomen. Schuchardt hingegen war an der psychologischen (oder “sprach­philosophischen”) Erklärung dieser Erscheinung aus einer Verbindung von Sätzen, wobei Anaphern benutzt werden, interessiert. Diese Verbindung beruht nun wohl — so nimmt Brugmann durchaus mit Schuchardt an — auf einem Bedürfnis oder einem Trieb. Brugmann weist aber darauf hin, ihm sei es darauf angekommen, die formalen Muster für die expletiven Subjekte es, frz. il zu finden; Schuchardts Kritik tue somit für ihn eigentlich nichts zur Sache.

Diese sechs Dokumente illustrieren in ihrer Vielfalt und in ihrer chronologischen Entwicklung das ziemlich schwierige Verhältnis zwischen zwei führenden Sprachwissen­schaftlern des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts, die, obwohl sie in ihren theoretischen Ansichten, ihren Interessen und ihrem Forschungsstil sehr verschieden waren, beide in der Debatte über theoretische und methodologische Fragen ihre Würde zu wahren wußten, und die trotz ihrer Selbstsicherheit und ihres großen Selbstbewußtseins für andere Meinungen und für Kritik an ihren eigenen Ansichten offen waren. Auf diese persönlichen Aspekte dieser großen Gelehrten wirft auch diese Korrespondenz[22] ein interessantes Licht.

Bibliographie:

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Schuchardt, Hugo. 1925. 'Der Individualismus in der Sprachforschung'. In Sitzungsberichte der Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-historische Klasse 204, 2: 1-21. [= Schuchardt 19282: 416-437.]

Schuchardt, Hugo. 19282. Hugo Schuchardt-Brevier. Ein Vademecum der allgemeinen Sprachwissen­schaft. Zusammengestellt und eingeleitet von Leo Spitzer. Halle: Niemeyer. [19221.]

Schuchardt, Hugo. 1971. Slawo-deutsches und slawo-italienisches. Mit Schuchardts übrigen Arbeiten zur Slawistik und mit neuen Registern. Herausgegeben und eingeleitet von Dieter Gerhardt (Slavische Propyläen, 66). München: Fink.

Seldeslachts, Herman & Pierre Swiggers. 1994. 'Über Lautgesetze und Sprachfor­schung: Ein Brief von Wilhelm Streitberg an Hugo Schuchardt'. In Orbis 37: 290-298.

Sommer, Ferdinand. 1955. 'Brugman(n) Karl'. In Neue deutsche Biographie 2. Berlin: Duncker & Humblot, 667.

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Streitberg, Wilhelm. 1921c. 'Worte zum Gedächtnis an Karl Brugmann'. In Berichte über die Verhandlungen der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig. Philosophisch-historische Klasse 73, 2, 25*-40*.

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Wolf, Michaela. 1993. Hugo Schuchardt Nachlaß. Schlüssel zum Nachlaß des Linguisten und Romanisten Hugo Schuchardt (1842-1927). Graz: Leykam.



[1]Wir danken Dr. Hans Zotter, Dr. Walter Slaje, Mag. Thomas Csanády und Dr. Michaela Wolf (Schuchardt-Nachlaß, Manuskriptabteilung der Universitätsbibliothek Graz) für die Publikationserlaubnis.

[2]Die Dokumente sind bei Wolf (1993: 131) unter Nr. 1411-1416 verzeichnet.

[3]Über Karl Friedrich Christian Brugmann siehe Streitberg (1921a; 1921c), Förster (1920), Kretschmer (1920), Devoto (1930), Sommer (1955), Morpurgo-Davies (1986), Einhauser (1989: 31-35). Für ein Verzeichnis seiner Schriften siehe Streitberg (1909; 1921b). Bis 1882 schrieb Brugmann seinen Namen mit éinem n.

[4]Zu Hugo Schuchardts Leben und Werk siehe u.a. Richter (1928a, b); Vennemann - Wilbur (1972); Lichem - Simon (Hrsg.) (1980); Swiggers (1982; 1989).

[5]In Schuchardt (1925: 5 [19282: 418]) verweist Schuchardt auf einen Text A. Kluyvers, in dem Schuchardts Ansicht folgendermaßen charakterisiert wird: “Dazwischen geschieht auch meiner Erwähnung und zwar als desjenigen der sich vielleicht am stärksten den Brugmannschen Ansichten von dem was Philologie sei, widersetzt habe”.

[6]Brugmann blieb bis 1887 in Freiburg im Breisgau, wonach er endgültig nach Leipzig zurückkehrte.

[7]Indogermanische Forschungen 4: August Leskien zum 4. Juli 1894 dem Tage seines 25jährigen Professor-Jubiläums von seinen Schülern und Freunden.

[8]Der Text geht folgendermaßen weiter: “Soviel musste ich sagen um zu erklären warum ich nicht in Reih und Glied zu Ihrer Begrüssung erscheine. Nun, das hat auch sein Gutes; denn was ich Ihnen darbiete, ist so gering­fügig dass es durch jede Nachbarschaft beengt, wo nicht erdrückt würde, dass es eben nur für ein fliegendes Blatt taugt” (Schuchardt 1894: 3 [1971: 297]).

[9]Vgl. dazu Dieter Gerhardt im Vorwort zu seiner Ausgabe von Schuchardts Arbeiten zur Slavistik (Schuchardt 1971: 13-14): “Doch auch einen weiteren Slavisten hat er mit einem kleineren Produkt dieser Gattung [nl. der Gattung der Fest-Einzelschrift] bedacht — er selbst nennt es ein „fliegendes Blatt“, — nämlich seinen um drei Jahre früher habilitierten Leipziger „Lehrer“ (vgl. S. 292ff. [immo S. 297ff., vgl. obiges Zitat]), Begutachter seiner Probevorlesung von 1870 und späteren Kollegen, den Kieler August Leskien (1840-1916), den ersten bedeutenden Autor der sogenannten junggrammatischen Schule […]. Hier motiviert er seinen Alleingang außerhalb von „Reih und Glied“ auf andere Weise: Ihn als wissenschaftlichen Gegner Leskiens, besonders in der Frage der Lautgesetze und der Welthilfssprache, habe die Redaktion der Indogermanischen Forschungen offenbar bewußt aus der Festgemeinde ausschließen wollen. Seiner dennoch ungewandelten Hochachtung für Leskien Ausdruck zu verleihen, sollte ihm daher diese kleine, nur „in 160 Stücken“ verbreitete Festepistel dienen, die er nun nicht einmal mehr mit einem Titel versah. Sie beschäftigt sich hauptsächlich mit der Negation, und zwar der Special und Nexal Negation, vor allem an slavischen Beispielen, einem Komplex, über den sich Schuchardt öfters Gedanken gemacht hat […]”.

[10]Wegen der Kontakte zwischen Streitberg und Schuchardt siehe Seldeslachts - Swiggers (1994).

[11]“Daß die Anklage in eine witzige Form gekleidet ist, nimmt ihr von ihrer Bitterkeit wohl nichts erkleckliches. Und daß meine „Entrüstung“ nicht gerade einen höflichen Ausdruck bekommen hat, mindert nicht ihre Besanftigung”.

[12]Mit “Schriften und Recensionen” sind wahrscheinlich gemeint: Schuchardt (1884; 1885; 1886a, b; 1887; 1892; 1893b), gegebenenfalls auch andere Texte Schuchardts über Mischsprachen und Kreolsprachen.

[13]Brugmann weist entschieden jede Affinität zu der Ansicht, die Schuchardt (1894: 3; vgl. oben) Zöllner zuschreibt, zurück.

[14]Vgl. dazu Förster (1920: X): “Wie in der Wissenschaft, stand Brugmann auch im Leben da: als ein Mann von seltener Objektivität und Sachlichkeit, von schlichter Gradheit und stiller Bescheidenheit, von edler Herzensgüte und stets hilfsbereiter Liebenswürdigkeit”.

[15]Vgl. Schmidt (1872: 27-28): “Wollen wir nun die verwandtschaftsverhältnisse der indogermanischen sprachen in einem bilde darstellen, welches die entstehung irer verschidenheiten veranschaulicht, so müssen wir die idee des stammbaumes gänzlich aufgeben. Ich möchte an seine stelle das bild der welle setzen, welche sich in concentrischen mit der entfernung vom mittelpunkte immer schwächer werdenden ringen ausbreitet. Dass unser sprachgebiet keinen kreis bildet, sondern höchstens einen kreissector, dass die ursprünglichste sprache nicht im mittelpunkte, sondern an dem einen ende eines gebietes ligt, tut nichts zur sache. Mir scheint auch das bild einer schiefen vom sanskrit zum keltischen in ununterbrochener linie geneigten ebene nicht unpassend. Sprachgrenzen innerhalb dieses gebietes gab es ursprünglich nicht, zwei von einander beliebig weit entfernte dialekte des selben A und X waren durch continuierliche varietäten B, C, D, u.s.w. mit einander vermittelt. Die entstehung der sprachgrenzen oder, um im bilde zu bleiben, die umwandelung der schiefen ebene in eine treppe, stelle ich mir so vor, dass ein geschlecht oder ein stamm, welcher z.b. die varietät F sprach, durch politische, religiöse, sociale oder sonstige verhältnisse ein übergewicht über seine nächste umgebung gewann. Dadurch wurden die zunächst ligenden sprachvarietäten G, H, I, K nach der einen, E, D, C nach der anderen seite hin von F unterdrückt und durch F ersetzt. Nachdem dis geschehen war, grenzte F auf der einen seite unmittelbar an B, auf der anderen unmittelbar an L, die mit beiden vermittelnden varietäten waren auf gleiches niveau mit F auf der einen seite gehoben, auf der anderen herabgedrückt. Damit war zwischen F und B einerseits, zwischen F und L andererseits eine scharfe sprachgrenze gezogen, eine stufe an die stelle der schiefen ebene getreten”.

[16]Vgl. Schuchardt (1900: 21-22): “Wir können also ohne einen wesentlichen Irrthum zu veranlassen, das Entstehen dialektischer Färbungen in den einzelnen Gegenden als gleichzeitig ansetzen. Ich habe mit Absicht den Ausdruck »Färbungen« gewählt; ich möchte Ihnen das Bild des Stammbaums, das ich zurückweise, durch ein anderes ersetzen. Es sei der ganze Länderkomplex romanischer Zunge mit einer und derselben Farbe, mit Weiss, bedeckt, welches die allgemeine Vulgärsprache repräsentire; dieses Weiss verdunkle sich, nehme verschiedene matte Töne an, welche stärker und immer stärker hervortreten, bis endlich die Farben des Regenbogens unmerklich ineinander überfliessend vor unsern Augen stehen”.

[17]Vgl. Schmidt (1872: 27) (oben in Anm. 15 zitiert).

[18]Vgl. “freundliche Zusendung”; “besten Dank”; “Möchte Ihnen Ihre erstaunliche Arbeitskraft noch lange zum Segen unserer Wissenschaft und der europäischen Geisteskultur erhalten bleiben!”.

[19]Nl. Schuchardt (1914). Dort schreibt Schuchardt (1914: 341): “Die ersten Sprachäußerungen, von des Lebens Not und Drang hervorgerufen, konnten nur affektisch sein, Willenskundgebungen von Sinneseindrücken: Heischesätze: geh! komm! und Ausrufungssätze: Blitz! Regen!, die bis auf den heutigen Tag, der sonstigen Sprache äußerlich angepaßt, fortleben als Imperative und Impersonalien. An die eingliedrigen Sätze der zweiten Art schlossen sich dann die zweigliedrigen Aussagesätze an: es sind die ursprünglichen Urteile, die ersten logischen Äußerungen”.

[20]In seiner Besprechung von Jespersen geht Schuchardt (1914: 341) näher auf Jespersens Ansicht ein, wonach man bei unpersönlichen Verben wie pluit durch einen Analogieschluß, und zwar zu Unrecht, ein “nicht ausgedrücktes Subjekt als außerhalb der Verbalform stehend” annimmt. Schuchardt wendet hiergegen das Folgende ein: “Aber ein solcher Analogieschluß hat ja wirklich aus einem eingliedrigen Satz einen äußerlich zweigliedrigen gemacht: es regnet. Hier hat das es keine größere Bedeutung als die eines blinden Fensters, das man im zweiten Stockwerk eines Hauses angebracht hat, weil sich darunter, im ersten Stock ein wirkliches Fenster befindet. Jespersen sucht jedoch etwas hinter diesem es (dän. det) und müßte es folgerichtig auch hinter dem ‑it von pluit suchen […]. Aber das Sprachgefühl ist etwas Unkontrollierbares. Selbst in Fällen wie „der Wind bläst“ schwebt mir kein Subjekt vor, obwohl ich auf alten Bildern oft genug der Wind dargestellt gesehen habe, ein Gesicht mit aufgeblasenen Wangen, aus dessen Mund ein Strahlenfächer hervorgeht. Es liegt hier eine Verschmelzung vor von es bläst und es ist Wind, wie man deutlicher bei solchen Impersonalien erkennt, die wirklich ein Subjekt verloren haben. Wenn wir von einem starken Regen sagen es gießt oder es strömt, so gehört zu der ersten Wendung der Himmel (die Wolken), zur zweiten das Wasser: wir ergänzen aber nun der Regen gießt, der Regen strömt” (Schuchardt 1914: 341). Jespersens Ableitung des eingliedrigen Impersonale aus dem zweigliedrigen Satz, stellt Schuchardt die umgekehrte Ableitung gegenüber: Zuerst gab es eingliedrige Mitteilungen wie Blitz! Regen!. Daraus entwickelte sich der zweigliedrige Satz: “In vielen Fällen machte sich das Bedürfnis der Lokalisierung geltend, dem wohl zunächst mit einem sichtbaren, dann mit einem hörbaren Hinweis genügt wurde. Hier lag der Keim des Subjektes. An die unbestimmte Vorstellung des Ortes knüpfte sich die bestimmtere eines Dinges: und für dieses stellte sich als Bezeichnung die eines Vorganges ein, der regelmäßig mit ihm verbunden war, z.B. eines Tierschreies. Zwei Prädikate treten zusammen und das eine wurde zum Subjekt differenziert: es brüllt, es naht > der Brüller naht. So erwuchs der eingliedrige Satz, der dann unter affektivem Einfluß sich weiter veränderte” (Schuchardt 1914: 342). Erweiterungen sind dann möglich, z.B. indem man das Prädikat eines anderen unabhängigen Satzes zum Attribut macht. Auf diese Überlegungen Schuchardts spielt Brugmann in seinem Brief an.

[21]Siehe dazu Schuchardt (1893a; 1919). In letzterer Arbeit (die nach Brugmanns letztem Brief erschien) verweist Schuchardt auf Brugmanns Studie.

[22]Für die Briefe von Hermann Osthoff an Karl Brugmann siehe Einhauser (1992).


Informationen


Briefedition und Kommentare

Neue, korrigierte Fassung (November 2014), mit Dank an Katrin Purgay und Verena Schwägerl-Melchior.
Die Webedition wurde unter Mitarbeit von Katrin Purgay erstellt.

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