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Brief (03-08891)

Oakhurst Anerley S.E. England

15. Sept. 1882

 

Verehrter Herr Professor!

Leider habe ich von den in Ihren letzten beiden Schreiben gewünschten Dingen nichts finden können. Dagegen kann vielleicht der eingeschlossene Brief, um dessen gelegentliche Rücksendung ich bitte, zu etwas führen. Ein englisches Schreiben an Mr. Watson[1] selbst mit Berufung auf meinen Freund E. A. Sonnenschein[2] oder an mich mit genaueren Angaben, was wir in der fraglichen Angelegenheit thun sollen, wird hoffentlich Material schaffen. Ein Reverend, an den ich mich wandte, wies mich auf die englische Bibelgesellschaft; allein diese Leute treiben meist die reine Sprache der Eingeborenen; das mehr in der Luft schwimmende, unfaßbare Mixtum von europäischen und Negersprachen scheint ihnen zu unwichtig. Ich will aber bei nächster Gelegenheit die heiligen Bureaux betreten.[3]

So habe ich also das wenig tröstliche Bewußtein, für Sie, verehrter Herr Professor, bisher noch gar nichts gethan zu ǀ2ǀ haben. Aber ich habe nach verschiedenen Seiten die Fühlhörner ausgetreckt und ganz unerwartet findet sich oft etwas. Somit gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Mit Betrübnis habe ich die Mittheilung von ihrem fortwährend leidenden Zustande vernommen; ich will nur hoffen, daß ein schöner Herbst Erleichterung bringt. Wie lange soll das nur so fortgehn?

Meine Dinge gehen einen rechten Schneckengang. Die Volksetymologie liegt ganz bei Seite; der Herr Reverend hat sich wieder gerührt, lebt also noch. Im Herbste soll ein Buch erscheinen, kündigt er an,[4] das in größerem Maßstabe für das Englische das thun soll, was Andresen’s Buch im kleinen für das Deutsche gethan hat.[5] Wir wollen sehn.

Von Trübner[6] habe ich noch nichts gehört. Der Begriff der englischen Ferien ist sehr dehnbar und umfaßt auf alle ǀ3ǀ Fälle den September, wo die Jagd eifrig getrieben wird.

Nächsten Montag ändere ich meine Wohnung, halte mich aber unter der neuen Adresse

16 Selby Villa Anerley S.E.

wie früher Ihrer Aufträge gewärtig.

Mit dem Ausdrucke meiner besonderen Hochachtung zeichne ich mich ergebenst

APogatscher



[1] Nicht identifiziert.

[2] Edward Adolf Sonnenschein (1851-1929), britischer Altphilologe, dessen Vater aus Mähren stammte. Er war Plautus-Spezialist.

[3] British and Foreign Bible Society, gegr. 1804. Vgl. z.B. St. John III. 16. Bibel ; in most of the languages and dialects in which the British and Foreign Bible Society has printed or circulated the holy scriptures, London 1882.

[4] Abram Smythe Palmer, Folk-etymology; a dictionary of verbal corruptions or words perverted in form or meaning, by false derivation or mistaken analogy, London: Bell, 1882. Vgl. dazu Schuchardt an Henri Gaidoz (1.8.1883,  HSA 032-SG 8): „Un de mes ci-devants auditeurs, M. A. Pogatscher, professeur à Graz, fait maintenant une excursion en Wales (Caernarvon, Llanberis); si vous le rencontrez, parlez-lui, c’est un jeune homme de bonnes dispositions scientifiques, mais de trop peu d’initiative. Il avait preparé une publication sur les étymologies populaires en anglais; mais il s’est découragé un Révérend ayant écrit quelque-chose sur le même sujet“.

[5] Karl Gustav Andresen, Ueber deutsche Volksetymologie, Heilbronn: Henninger, 1876 u. ö.

[6] Vgl. Brief 08890.