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Korrespondenzkarte (120-03467)

Verehrter Freund! Haben Sie Huonder, D. Vokalismus der Mundart von Disentis, Erlangen 1900,[1] zu Gesichte bekommen? Doch, weil eine negative Antwort nicht unwahrscheinlich ist, will ich lieber gleich daraus abschreiben, was Sie in der Iscla-Frage interessieren wird. H. schreibt S. 65f. (es scheint ein S.-A. aus Vollmöllers Rom. F. zu sein): islə – das umgestürzte e bedeutet bei ihm ein reduciertes a) – häufig in Ortsnamen in dem Sinne von „Au“ (in dem Sinne von „Insel“ ẹnslə, ẹntslə = insula (nicht ins’la). Ich erwähne hier, dass es in Disentis einen Ort uízəs gibt. Anderwärts würde eine entsprechende Örtlichkeit (früher eine Strecke Wiesen am Rheinufer entlang, jetzt vom Rheine verheert) wahrscheinlich islɔs heißen, und der Weiler oberhalb uízəs heißt dislə. Der Name kommt gewöhnlich in Verbindung mit d‘ụ - d‘ ist bei H. tschech. zu lesen – (d’eosu ad) vor, und es wäre so möglich, dass das u daher stammen würde und dass man es hier mit einem isa zu thun hätte. Deutsch „Wiese“ würde lautlich stimmen, ist aber doch wenig wahrscheinlich. – So weit Huonder.

Herzlichen Gruß von

Ihrem Gartner

[1] Josef Huonder, Der Vokalismus von Disentis, Erlangen: Junge, 1900. – Huonder (1869-1905) war Romanist u. kathol. Theologe in Freiburg i. Ue.