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Korrespondenzkarte (006-03353)

V. H. P.! „Ich stehe ihm nicht dafür“ = ich scheine ihm dessen nicht wert; sonst wäre mir ein persönlich gebrauchtes dafürstehen nicht verständlich. – Strýc gilt in Böhmen für Vetter und Oheim; Vetter in Österr. (u. d. Enns) auch in Tirol für Geschwisterkind und auch für Oheim. – Auch ich möchte „großmächtig“ ... nicht für einen Slaw. halten. – Dass Putizen in Galizien vorkomme, bezweifle ich jetzt auch, da mir einfällt, das Wort auch von einem Kärntner gehört zu haben (in Wien unbekannt). – Das Tschechendeutsch habe ich stets zu sehr verachtet, um es zu beobachten; es ist ja auch nicht die Sprache eines Volkes, sondern die einiger Ankömmlinge aus den tsch. Ländern. Allein jetzt interessiert mich auch dieses, gerade weil es, ohne auch nur einmal vom Vater auf den Sohn überzugehen, dennoch einige Beständigkeit aufweist. Statt „mir seinme“ (spr. mir samme) hört man auch „mir sansme“ (offenbar wegen jsme). Ihr seids-e erinnerer ich mich nicht gehört zu haben (auch 2 Collegen nicht). Jene Participia sterbte, kriegte sind authentisch, aber freilich (wie der ganze Jargon) durchaus nicht fest. – Der Artikel in der Heimat enthält vieles, was mir ganz fremd war, offenbar nur nördlich von d. Karpathen übliches; der in d. Bohemia ist mir entgangen. – Ein Gegenstück zu „ghomte“: eine tschech. Handschrift aus cã 1500 (hg. v. Tkač, U.-Hradisch 1882)[1] nennt von zwei Bisenzer Juden den einen Kchazl (Dem. von Käse?), den anderen Khercl (Kerzlein). – Anderes phonet.: lch fällt ihnen schwer; daher sagen sie sulichene (solche) und lesen in der Schule welhe (welche). – Die Mährer Deutschen sagen Schmetten (wien. Obers) f. Sahne. – Zwetschke; Pflaumen nennt man höchstens besonders schöne Sorten. – KolatschenMaschanzker (Borsdorfer Äpfel). – Fatsko (Ohrfeige) in Wien üblich, aber immer scherzweise und mit dem Bewusstsein, dass es tsch. Ist, ganz ebenso Bramburi (Kartoffeln). – Kren, Maschanzker, Zweschpen (und großmächtig) ist in Tirol auch üblich, sonst nichts von dem Besprochenen. – Auch „die Hände in den Sack ǀ2ǀ geben“ (st. thun, stecken) ist in Tirol unerhört; diesen Slawismus werden Sie bei Schleicher gefunden haben.

Sie sehen, dass ich auf Ihren haushälterischen Antrag gehorsam achthatte, und dass es mir nur physisch unmöglich war, all die Dingerchen auf die umstehende Seite hinaufzubringen. Ich bitte doch sich wegen der Briefform keinen Zwang anzuthun; ich verspreche es auch nicht zu thun.

Mit achtungsvollem Gruße

Ihr

ergebener

Gartner

Wien, am 7. Dec. 83.



[1] Ignác Tkač, Liber informationum et sententiarum čilli Naučeni Brněnská Hradištské městské radě dávaná od r 1447 až do r. 1509, s dodatky do roku 1540, V Uherske Hradišti: Kráčelíka, 1882 (Monumenta rerum Bohemico-Moravicarum; 2,2).