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Brief (004-03351)

Verehrter Herr Professor![1]

Durch Ihren wertvollen Brief vom 29. Nov. haben Sie mich zu großem Danke verpflichtet. Schon die Raschheit Ihres Erwiderns hat mich freudig überrascht, und ich glaube, dass es mir, nach wenigen Tagen ohne Erwiderung, angefangen hätte bange zu werden. Von meinen Bemerkungen über die Auffassung der „meisten Leser“ hatte ich schon angefangen die Ungehörigkeit zu begreifen; allein, da sie nun schon einmal geschrieben sind, muss ich gestehen, dass ich Ihnen wirklich zugemuthet hatte, jenes „Von“, „à la minute“, „Niemand“, „wir“ absichtlich nicht verstanden zu haben – natürlich nicht um einem unbekannten jungen Manne zu schaden, sondern um die schulmeisterliche Silbenstecherei, gegen die Sie die Zeitungsschreiber u. A. beschützen wollten, nach Kräften mit ihren eigenen Waffen zu schlagen.

Was den Inhalt des langen Briefes anbelangt, dessen Sie mich zu meiner grossen Freude gewürdigt haben, so muss ich nur in einem Punkte entschieden widersprechen: „unersprießlich“ war für mich unser Briefwechsel mitnichten. Ich habe Sie noch höher schätzen gelernt und eine lange Reihe theils belehrender, theils sonst interessanter Bemerkungen eingeerntet. Mit Gewalt muss ich mich zurückhalten, um Ihre kostbare Zeit nicht ungebührlich in Anspruch zu nehmen. Gestatten Sie mir nur ein paar Worte.

Wenn im „Zeitungsdt.“ auch Druckfehler als Sprachfehler gerügt sein sollten, so würde ich es bedauern. Ich habe beim ǀ2ǀ Sammeln das zu vermeiden gestrebt.

„Niemanden“ ist häufiger und passender; aber da es Grammatiker gibt, die „niemand_“ verlangen, so schien es mir – und an unsrer Stelle dem Halatschka – gerathen, dieses zu setzen.

Statt „zugeben“ hätte, wie ich jetzt durch Sie veranlasst bemerke, „zulassen“ geschrieben werden sollen. Vermuthlich ein Provincialismus; K. Sachs kennt „zugeben“ nicht in der Bedeutung „zulassen“.

An der Stelle, wo von „krankhaften Auswüchsen“ die Rede ist, scheinen Sie wenigstens sich in Gegensatz zu H. zu stellen, indem Sie sagen „ich stelle nun meinerseits die Behauptung auf, dass derselbe Trieb …“

Vom engl. und niederdt. Plural-s glaubte ich gelesen zu haben, dass es urgermanisch sei; die Ausdehnung über das Gebiet der schwachen Nomina im Engl. wird allerdings rom. Einflusse zuzuschreiben sein.

Wegen Schleichers bitte ich um Entschuldigung; da hat mich das Gedächtnis im Stiche gelassen.

Über Ihr „von“ (Eindruck von e. Provincialismus ….) habe ich, nachdem mein Brief abgeschickt war, genau dasselbe gedacht, was Sie mir nun schreiben. Während ich so einerseits meinen Vorschlag, den Genetiv zu setzen, bedauerte, freue ich mich nun anderseits, wenigstens nachträglich das Richtige selbst gefunden zu haben.

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Schließlich danke ich noch für die anerkennenden und beruhigenden Worte über meine Raet. Gramm.[2] Dass Sie sie zu beurtheilen übernommen,[3] hatte mir schon Dienstag Mussafia gesagt, ǀ3ǀ und ich habe mich gefreut, dass dem Büchlein ein solcher Kritiker vergönnt ward.

Mit dem innigsten Gefühle des Dankes und der Hochachtung

Ihr

ergebener

Gartner

Wien, am 1. December 1883.

[1] Der Brief setzt die im vorangehenden Brief 03350 begonnene Diskussion über Halatschkas Buch fort.

[2] Gartner, Rätoromanische Grammatik, Heilbronn: Henninger, 1883.

[3] Kein Nachweis; die Bibl. der ZrP weist (Bd. 1884, Nr. 901) zwei Rezensionen in der Nordish Review und dem American Journal of Philology nach.