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Brief (002-03349)

Verehrter Herr Professor!

In Istrien habe ich nur in Rovigno das Italienisch angehört. Mein Rumäne aus Susgnevizza[1] mengte nie Slawisches in sein Venetisch; ich zweifle daher, dass es in jenem Lande überhaupt ein slawisiertes Italienisch gibt. Auskunft wird Ihnen wohl am ehesten jener Herr Vatova[2] geben können, den Mussafia als Gewährsmann für Capodistria anführt (Zur Praesensbildung, S. 62)[3] und den Sie im vorigen Winter bei Mussafia antrafen (Vatova ist Supplent am Communal-Gymnasium zu Triest, den Taufnamen weiss ich nicht.). Das ist zwar ein Italianissimo, aber ein in sprachlichen Angelegenheiten geschickter junger Mann.

Bei der Vertheilung der Freiexemplare der Abhandlung Zur Praesensbildung hat Sie Mussafia keineswegs vergessen, auch ich nicht, der ich ihm die Versendung be- ǀ2ǀ sorgte; aber es reichen ihm diesmal die 50 nicht aus, und darum rechnete er, wie Sie selbst gedacht haben, auf Ihre Mitgliedschaft. Ich erlaube mir daher, ihm von Ihrer Bitte gar nichts mitzutheilen, sondern Ihnen ohneweiteres mein Exemplar zu übersenden. Da ich bei der Druckcorrectur mitgewirkt habe, kann ich es leicht 1, 2 Monate entbehren; auch werden mich Punkte, Striche, Notizen aller Art, die Sie etwa während des Durchstudierens hineinmachen, nicht im mindesten genieren.

Den Professoren, denen ich ein Ex. jener Abhandlung sandte, musste ich auch einen hektographierten Papierstreifen beilegen; ich lege hiemit auch Ihnen einen solchen bei.

Von meiner Verschwiegenheit gegenüber den zwei Herren können Sie überzeugt sein.

Es freut mich recht sehr, daß Sie sich meiner erinnert haben; es wird mir immer ǀ3ǀ eine Ehre und ein Vergnügen sein, Ihnen mit etwas zu dienen.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr ergebener

Gartner

Wien, 19. Oktober 1883.[4]



[1] Šušnjevica, Şuşnieviţa (Dorf in Istrien).

[2] Giuseppe Vatova (1854-1938), Gymnasiallehrer, Musiker, Sammler, später Bezirksschulinspektor in Pola; Besitzer großer handschriftlicher Sammlungen; vgl. HSA 12358-12376; Vf. u.a. von L'Istria negli scrittori antichi greci e latini, Capodistria: Apollonio, 1879-80.

[3] Mussafia, Zur Praesensbildung im Romanischen, Wien: Gerold, 1883. Für Mitteilungen werden hier dankend erwähnt: Alton, Ascoli, Cornu, Gartner, Ive, Tobler und Vátova (Auszug aus: Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Klasse der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien 104, [1], 1883, 3-77).

[4] Aus der Zeit 1878 (Mai) bis 1883 (Oktober) ist keine Korrespondenz Gartners mit Schuchardt erhalten. Interessant ist der folgende Hinweis aus den Viaggi ladini (inz 1882, 32): „L’anno scolastico 1880-1881, per quanto il governo m’avesse ridotte le funzioni di maestro, non fui in grado di progredire gran fatto nell’elaborare il vasto materiale dialettale, ed il governo m‘accordò di nuovo un anno di permesso. Alcune settimane se ne dovettero andare in un'esplorazione speciale della provincia di Udine. Per questo viaggio mi preparai un quadernetto che conteneva quelle voci sole che avevo per costume di domandare in ciascun luogo. Il 5 settembre 1881 volevo salire da Pontafel a Paularo, dove il sig. prof. Wolf, come si era compiaciuto di scrivermi, si soffermava ancora. Ma poiché in quel lunghissimo cammino non ci sono abitazioni umane, non potei osarlo con quel tempo incerto e mi piegai a mezzogiorno. A Chiusaforte smontai dal treno e volevo prima, in un café, sentire come si parlasse lì; i lavoranti parlavano veneto, due uomini fra loro sloveno, ma all'oste tedesco. Ivi non avevo che fare, ma nella bella locanda Fratelli Martina m'ebbi tutto quello che mi occorreva, un bravo maestrino di dialetto e, dal rev. sig. parroco, ragguagli sufficienti sui limiti del dialetto. Dopopranzo passai alla Stazione per la Carnia ed a Tolmezzo, e da lì avrei voluto andare a piedi fino a Paularo".