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Brief (06-05744)

Kiel, d. 11.4.93.

Düsterenbrook 64.

 

Sehr verehrter Herr Kollege,

Meinen aufrichtigen Dank für Ihre liebenswürdige Zuschrift glaube ich am besten durch eine umgehende Beantwortung derselben bethätigen zu können.

Zunächst u. vor Allem wünsche ich Ihnen recht von Herzen baldige Genesung. Ὁ τρώσας ỉάσει.[1] Der Frühling, der Sie hat erkranken lassen, er wird sicher Sie auch heilen. Ist er in diesem Jahre doch besonders mild u. schön. Selbst hier an der Ostsee erfreuen wir uns eines so warmen Sonnenscheins, wie ich ihn sonst um diese Zeit nur in Italien getroffen habe.

Die betr. Stelle hat mich nicht im Mindesten verletzt.[2] Wer für die Öffentlichkeit arbeitet, muß sachlich begründeten Widerspruch ertragen können. Und überdies bin ich sehr geneigt, Ihnen in der Sache selbst Recht zu geben. Ich bedauere, ǀ2ǀ daß ich seiner Zeit durch äußere Umstände verhindert worden bin, meinem Wtb. eine ausführliche Einleitung über latein.-roman. Wort- u. Lautgeschichte vorauszuschicken, wie es meine Absicht war. Sie würden dann erkannt haben, daß Ihr Standpunkt im Wesentlichen auch der meine ist. Die Quantitätsbezeichnungen habe ich eigentlich nur gegeben, um mich der herrschenden Sitte anzubequemen. Aus ähnlichem Grunde, indessen doch auch durch praktische Erwägungen geleitet habe ich so viel „Constructionslatein“ (Seelmann) gebaut.[3]

Hoffentlich wird bei Gelegenheit der 2ten Ausg. meines Buches, die ich vorbereite, die Möglichkeit geboten werden, nicht nur zu bessern u. zu mehren, sondern auch zu begründen.[4] Ich habe über Volkslatein u. Romanisch mehrfach eigene Anschauungen mir gebildet, die ich gern einmal aussprechen möchte. Doch wird es nichts schaden, wenn ich damit noch einige Zeit warte.

Mit hochachtungsvollstem Gruße

Ihr

ergebenster

Körting.



[1] Eigentl. ὁ τρώσας καὶ ἰάσεται (Orakelwort an den durch Achill verwundeten Telephus, Suet. Claud. 43,1 „der dich verletzt hat, wird dich auch heilen“.

[2] Nicht geklärt; es geht möglicherweise um eine Stelle in einem verlorenen Brief Schuchardts.

[3] Körting, Der Formenbau des französischen Verbums in seiner geschichtlichen Entwicklung, Paderborn: Schöningh, 1893.

[4] Nicht nachweisbar. Allerdings gibt es aus dem Jahr 1898 beim gleichen Verleger Formenlehre der französischen Sprache. Der Formenbau des französischen Nomens in seiner geschichtlichen Entwickelung.