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Brief (1-07878)

Herrn Prof. Dr. H. Schuchardt

Graz[1]

 

LIPPERT’sche                                                                              HALLE a/S., den 22/I 77

Buch-, Kunst- & Musikalienhandlung

(MAX NIEMEYER)

Halle a/S.

Gr. Steinstrasse66.

 

Sehr geehrter Herr Professor,

Ihre Karte habe ich erhalten u.[2] freue mich von Ihnen ein directes Lebenszeichen zu haben. Am Donnerstag Abend hatte ich die Ehre auf einem Souper neben Frau Schlieckmann[3] zu sitzen u. hörte manches von Ihnen durch sie. Sie haben sich eingelebt u. wohnen mit Don Carlos in einer Straße oder vielmehr in derselben, wo dieser ausgezeichnete Mann gewohnt hat.[4] Das ist freilich [?],[5] gewiß ein erhabenes Gefühl. Suchier, Ihr Nachfolger[6] hat hier allgemein gefallen, ich finde nur, daß er zu bescheiden auftritt, das vertragen hier nicht alle von seinen Collegen, von denen einem großen Theil die Zähne gezeigt werden müssen, wenn sie behandelt sein wollen. Doch es ist nicht meine Absicht zu kletschen.[7] Und dennoch kann ich es nicht unterlassen, Ihnen noch eins mitzutheilen. Der edle Gardelieutenant Schumann mit den Ringen an seinen Fingern ist hier allgemein in Skat gelegt,[8] seine Frau ebenso dumm wie er, oder noch dümmer, wenn solches möglich, soll sehr unglücklich sein, Mitleid ist nirgends für dieses hohe Paar vorhanden! Auf den Kerl bin ich sehr giftig, ich möchte ich könnte ihn einmal, was spielen. Heimlichtuer [?]. Jetzt zum Geschäft. 2 Schmilinsky[9] habe ich hier nicht mehr bekommen können. Ich hatte bereits Suchier, Vollmöller, Monaci, Förster solche erbettelt. Schwager Nachmann [?][10] hat nichts mehr disponibel, auch Schmilinsky selbst ist geplündert. Ich denke aber ich schaffe Ihnen noch diese Woche von auswärts 2 Expl u. sende sie mit XBd.[11] Den Preis der Expl. schreibe ich mit Bleistift auf jedes von beiden, da Faktur beizulegen nicht erlaubt.

Von der Zeitschrift ist erster Bogen fertig. Ich habe neue Typen angeschafft, Sie werden sich ǀ2ǀ freuen. Daß Wülcker[12]die Anglia herausgibt, die mit der Zeitschrift zusammen die Fortsetzung von Ebert[13] bilden soll wissen Sie wohl. Es geht dies Jahr scharf. Hoffentlich schlägt alles ein. Ich gebrauche einmal ein Buch was geht, das Geld wird ohne bei aller Romanischen Philologie.

Mit bestem Gruße u. Wunsch, daß es Ihnen recht gut gehen möge.

Ihr ergebener

Max Niemeyer

[1] Unleserlicher Poststempel.

[2] Niemeyer setzt so gut wie nie einen Punkt nach der Abkürzung u (und); er wird hier aus Gründen der Verdeutlichung hinzugefügt.

[3] Clara Schlieckmann, Frau des Rechtsanwalts und Notars Albrecht Heinrich Carl Schlieckmann; es gibt Briefe von beiden an Schuchardt aus den Jahren 1876-1879.

[4] Sollte Albrecht Schlieckmann gemeint sein, der auch den Vornamen „Carl“ führte und möglicherweise in Graz studiert hatte? Schuchardt wohnte in diesem Jahr in der Elisabethstraße 29.

[5] Das Zeichen [?] besagt, dass die Lesart nicht absolut gesichert ist.

[6] Hermann Suchier (1848-1914), vgl. den Briefwechsel mit Schuchardt, HSA 11404-11431 nebst Gegenbriefen.

[7] Ältere Nebenform für „klatschen“.

[8] Nicht identifiziert.

[9] Gustav Schmilinsky, „Probe eines Glossars zur Chanson de Roland“, Jahresbericht des Stadtymnasiums zu Halle a. S. 1875/76, Halle a. S..: Heynemann, 16 S.

[10] Nicht identifiziert

[11] Kreuzband, d.h. als nicht verklebte Drucksache.

[12] Richard Paul Wülcker (Wülker; 1845-1910), seit 1875 erster a.o. Prof. für englische Philologie in Leipzig.

[13] Adolf Ebert (1820-1890), Romanist in Leipzig, zeitweise Mithrsg. des Jahrbuch für romanische und englische Sprache und Literatur.