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Brief (063-04061)

Ruprechtsau-Straßburg i/E. 6.2.87

 

Lieber Freund.

Daß die neuen Bogen des „Grdß.“ Ihren Beifall haben, freut mich außerordentlich. Daß wir mit dem 3. Heft nicht schon fertig sind, sehr zu Trübners Schmerz, liegt an Baist und an Cornu, die jeder noch 1 Bogen Manuscript schuldig sind.[1] Selbst G. Meyers Albanes. Abschnitt, der den Schluß des Heftes bildet, steht zum Abziehen bereit.[2]

Wie sehr würden wir nun Ihren Creolischen Abschnitt noch willkommen heißen, wenn wir ihn bis Ende dieses Monats haben und so dem 1. Band noch einverleiben könnten, denn mit dem Gedanken, den Bogen im 2ten Band nachzuliefern, wird sich Herr Trübner darum nicht befreunden können – er ist heute von hier abwesend – weil der erste Band sowie das 3. Heft ausgedruckt ist, theils brochiert, theils gebunden, nun versandt werden soll. Es wäre vortrefflich, wenn wir das Creolische darin nicht fehlen zu lassen brauchten![3]

Ich danke Ihnen aufrichtig für die Bemerkungen zur Karte. Der Maaßstab ist, wie Sie erkennen werden, der Buchhöhe nach gewählt. Ein andermal kann man den Maaßstab vergrößern. Die Druckfehler an der baskischen Grenze sind mir äußerst fatal; sie sind durch Gerland[4] herbeigeführt, dessen Angaben gemäß (S. 324) die Eintragungen der Namen erfolgten. Brocas Karte[5] hatte ich nicht zur Hand, und die bei Andree[6] lernte ich erst später kennen. Daß Roncal[7] in das Baskische nicht einbegriffen ist, ist ein Fehler der Colorirung; bei Bayonne ist sie nur nicht deutlich genug geworden. Für La Bastide wird mich Gerlands Ausdruck irre geführt haben. Ich habe glücklicherweise Gelegenheit in meiner Anmerkung zur Baist’schen ǀ2ǀ Grammatik die letzten Punkte zu berichtigen.

Wenn Ihre Reise ins Baskenland uns nicht Aufschlüsse über die lat.-rom. Bestandtheile des Baskischen bringt, so werden wir wohl noch lange warten müssen. Darin, daß Sie sich zu einer Schlußredaction Ihrer Arbeiten Zeit nehmen können, haben Sie viel voraus vor denen, die, wie ich, meist sogar, der Zeit ermangeln, die Reinschrift auf ihre allseitige Correctheit hin zu prüfen. Sie sollten es doch darauf ankommen lassen, ob Sie schließlich die Stimmung finden, das Ausgeführte in die Form zu bringen, die Sie ihm geben möchten. Wenigstens wäre damit ein wichtiger Schritt vorwärts gethan.

Ich vergaß noch zu bemerken, daß die Schraffierungen in der Karte zur Bezeichnung der keltischen, iberischen u. keltiberischen Bewohnerschaft rom. Provinzen sich auf Windisch u. Gerland stützen, und die Karte überhaupt, soweit wie möglich, das im Grß. vorgetragene Geographische vor Augen zu stellen sucht.

Mit den besten Grüßen

Ihr ergebenster

GGröber.



[1] Gottfried Baist, „Die spanische Sprache“, Grundriss I, 1888, 689-714; Julius Cornu, „Die portugiesische Sprache“, ebd., 715-803

[2] Gustav Meyer, „Die lateinischen Elemente im Albanesischen“, ebd., 804-821 (in der 2.Aufl. von Wilhelm Meyer-Lübke überarbeitet).

[3] Schuchardt hat diesen Beitrag nicht geliefert.

[4] Georg Gerland (1833-1919), seit 1875 Geograph, Geophysiker und Ethnologe an der Univ. Straßburg, lieferte für den Grundriß das Kap. „Die Basken und die Iberer“, ebd., 313-334.

[5] Paul Broca, Sur l’origine et la répartition de la langue basque: Basques français et Basques espagnols, Paris 1875, mit 3 Karten/Tafeln.

[6] Richard Andree (1835-1912), Ethnograph und Geograph; Verf. eines immer wieder augelegten Allgemeine[n] Handatlas aber auch von Ethnographischen Karten.

[7] Roncal, bask. Erronkari, Tal und gleichnamiger Ort in Navarra; vgl. Grundriss I, 1888, Karte am Ende des Bandes „Ausbreitung der romanischen Sprachen in Europa“, wo Roncal knapp außerhalb des baskischen Gebiets verzeichnet ist.