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Brief (032-04031)

 

Breslau, 1. Febr. 1879.

 

Verehrtester Herr College.

Daß Sie definitiv von der Rumän. Gram. zurückgetreten sind, erfahre ich erst durch Ihre freundl. Zeilen.[1] Den Ton der Foersterschen Postkarten kenne ich zur Genüge aus der Zeit meiner Correspondenz mit Ihm, – à la canaille pflegt er darauf mit dem Adressaten zu verhandeln: so wird wohl auch die Karte an Jarník gehalten gewesen sein. Unendlichen Verdruß werden Sie sich durch den Entschluß zum Rücktritt erspart haben, unendliche Demüthigungen wird F. J.[2] ferner zu bereiten wissen. Daß Jarník in das Henninger’sche Unternehmen einträte würde ich nur willkommen heißen; aber es könnte nur in Cooperation mit Gaster geschehn, der ja von Gebr. Henninger in petto gehalten wird, für den Fall, daß Jarníks Gr. auf Hindernisse stieße. Ich glaube auch, daß Gaster noch zu bestimmen wäre gemeinsam mit Jarník zu arbeiten, wenn sich nur ein Modus für die Cooperation finden ließe, bei dem Jedem das Seine bliebe, – darauf legt G. leider mehr Gewicht, als ich erwartet hätte. Ich habe Mussafia dies mitgetheilt in der Hoffnung, daß er mit Jarník u. dieser dann mit G. über die Art des Zusammenarbeitens zu verhandeln geneigt wäre.[3] Freilich bleibt bei dem Eintritt Jarníks in das Henninger’sche Unternehmen immer noch eine Schwierigkeit. Die Gebr. Henninger haben mehrerlei von Foerster übernommen: Aiol,[4] Altfranzös. Bibl.,[5] und würden sich vielleicht scheuen, um F.s Zorn nicht auf sich zu laden, mit Jarník in Verbindung zu treten, nachdem er sich von Foerster los gemacht hat. Doch käme das auf eine Anfrage bei H. an. – Bis vor 3 Tagen, wo ich Gaster sprach, kann F. noch keinen Schritt gethan haben um G. für die Flittnerschen Grammatiken zu gewinnen. G. würde einen Antrag von F. jedenfalls nicht ohne meine Zustimmung annehmen. Sie zu geben würde ich gern bereit sein, wenn für Jarník dadurch alle Schwierigkeiten beseitigt würden, dann träte die Concurrenz zwar ein, aber J.‘s bisherige Bemühungen wären doch nicht vergebliche gewesen: Vielleicht ist dies die einfachste Lösung der Frage. Sie würden mich durch Mittheilung ǀ2ǀ Ihrer Meinung hierüber sehr erfreuen; für Gasters Entscheidung würde sie jedenfalls maaßgebend sein.

Ihre Bemerkung über seine Arbeit werde ich ihm mittheilen; sie ist zweifellos zutreffend; die Arbeit würde auch wohl etwas weniger breit gerathen sein, wenn sie nach der Dissertation in Leipzig eingereicht gewesen und in der Zeitschrift im Wesentlichen, wie im eingereichten Manuscript hätte gedruckt werden müssen.

Heft II, 4 der Zeitschrift, das gestern ausgedruckt worden ist, geht Ihnen hoffentlich vor Ihrer Abreise noch zu. Es enthält einen kleinen Artikel von mir,[6] in dem ich glaube einem Punkt Ihres „Vocalismus“ eine neue Stütze gegeben zu haben, – wenn er dessen überhaupt noch bedurft hat.

Baist’s[7] Adresse ist jetzt: München O, Gartenstraße 9. Ob er auch in Andalusien gewesen ist, weis ich leider nicht. Sicher dürfte das wohl bei Dr. Knust[8] sein, dessen Adresse jedenfalls Ebert kennen wird, da er vor Kurzem über ein[en] Brief von ihm im Centralbl. berichtet hat.[9] Oder haben Sie sich schon an diesen gewendet? Glauben Sie vielleicht daß Ihnen Paz y Melia[10] und O. de Toledo[11], beide in Madrid an der Bibliothek, nützlich sein könnten? Beide sind sehr gefällige und jedenfalls landeskundige Leute; glaubten Sie meiner Vermittelung bei Ihnen zu bedürfen, so stehe ich Ihnen natürlich zur Verfügung. Braga[12] oder C. Michaëlis würden Ihnen wohl in nichts behilflich sein können?

Meine herzlichsten Wünsche nehmen Sie mit auf Ihre Reise, die Ihnen alles bieten möge, was sie bei einem so beneidenswerth langen Aufenthalt gewähren kann.[13] Hoffentlich finden Sie Gelegenheit dort auch einmal der Zeitschrift zu gedenken.

Herzlichst grüßend in treuer Ergebenheit

Ihr

GGröber.

[1] Vgl. Lfd.Nr. 028-04027.

[2] Foerster bzw. Jarník.

[3] Unter den erhaltenen Briefen Schuchardts an Mussafia findet sich ein solcher nicht.

[4] Aiol et Mirabel und Elie de Saint Gille. Zwei altfranzösische Heldengedichte mit Anmerkungen und Glossar und einem Anhang: Die Fragmente des mittel- niederländischen Aiol hrsg von J. Verdam. Zum ersten Mal hrsg. von Wendelin Förster, Heilbronn 1876-82.

[5] Vgl. Lfd.Nr. 027-04026.

[6] Gröber, „Gli, egli, ogni“, ZrP 2, 1878, 594-600.

[7] Gottfried Baist, vgl. seine Korrespondenz mit Schuchardt, Bibl.Nr. 00454-00466.

[8] Hermann Knust (1821-1889), Hispanist und Privatgelehrter.

[9] Adolf Eberts Bericht konnte nicht nachgewiesen werden.

[10] Antonio Paz y Melía (1842-1927), span. Historiker und Bibliophiler.

[11] José María Octavio de Toledo (1829-1888), span. Bibliothekar in Madrid.

[12] Theophilo / Teófilo Braga (1843-1924), portug. Literat und Staatsmann.

[13] Schuchardt reiste 1879 für mehrere Monate nach Spanien und bat vor Antritt der Reise mehrere Kollegen um Auskünfte und Empfehlungsschreiben.