Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Brief (02-07572)

Wien 17. März 1882

 

Geehrtester College!

Woher ich die Notiz betreffs der Bibliothek v. Rio de Janeiro habe[1] weiß ich nun selbst nicht mehr; ich notire mir solche Sachen nur zu dem Zwecke um sie vorkommenden Falles benutzen zu können. Hoffentlich wird Ihnen Dr Almeida de Nogueira[2] antworten.

Über das Russische in Asien weiß ich leider nichts; ich glaube auch nicht daß ein Misch-Jargon dieser Art existirt.[3] – Warum ist es in Indien ǀ2ǀ zu einer solchen Mischsprache nicht gekommen?

Ich habe leider diesen Fragen bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt – sonst würde ich auch manches Buch dieser Richtung besitzen und Ihnen aushelfen können – Ich denke Pott[4] müsste Einiges aus dieser Literatur besitzen, ebenso Teza[5] -- Haben Sie sich an diese Herrn bereits gewandt?

Mit den besten Grüßen

Ihr

ganz ergebener

F.Müller



[1] Vgl. Lfd.Nr. 01-07571.

[2] Baptista Caetano Almeida Nogueira (1826-1882), brasilianischer Dichter und Historiker; da er im Jahr der Abfassung dieses Briefes starb, dürfte kein Kontakt mit Schuchardt zu Stande gekommen sein, in dessen NL auch keine Korrespondenz Almeida Nogueiras nachweisbar ist.

[3] Schuchardt hatte wohl auch bei F. Müller um Nachrichten zum sog. Dialekt von Maimatschin nachgefragt, wie er es bei einer Reihe anderer Korrespondenten (Baudouin, Miklosich, Jagić, Gabelentz, Alexandrow und anderen getan hat. Im Jahre 1884 veröffentlicht er dazu schließlich eine kleine Schrift auf Russisch (Maimachinskoenarechie, in Russkii filologicheskii vestnik  4 318-320. Es handelt sich dabei um eine russisch-chinesische Verkehrssprache an der Grenze Südsibiriens zur Mongolei. (Vgl. dazu auch die Übersetzung von A. Ditchkovskaya.)

[4] August Friedrich Pott (1802-1887), bedeutender Sprachwissenschaftler und Indogermanist an der Univ. Halle; erhalten ist nur ein Brief an Schuchardt (Lfd.Nr. 08984), der allerdings bereits vom 18.9.1872 stammt. Pott war Referent der Hallenser Fakultät im Berufungsverfahren von Schuchardt und verfaßte dazu eine längere Stellungnahme, die hier einsehbar ist.

[5] Emilio Teza (1831-1912), ital. Sprach- und Literaturwissenschaftler in Bologna, Pisa und Padua. Insgesamt umfaßt der Briefwechsel zwischen Schuchardt und Teza 80 Korrespondenzstücke, die einerseites an der UB Graz, andererseits an der Biblioteca Marciana in Venedig vorliegen und der sich über den Zeitraum von 1879 - 1905 erstreckt. Und schon der erste erhaltene Brief beginnt mit der Anrede "Verehrter Freund", was darauf schließen läßt, daß der Beginn der Korrespondenz noch weiter zurückliegt. Auch zitiert Schuchardt Tezas Dialetto Curassese aus dem Jahr 1863 bereits in der Leipziger Probevorlesung von 1872.