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Brief (01-07571)

Wien den 4t Dezember 1881

 

Geehrter Herr College![1]

Für gewisse exotische vulgo überflüssige Sprachen, zu denen alle mit Ausname der  indogermanischen, semitischen und höchstens finnisch-türkischen gezählt werden, besitzt die Hofbibliothek so gut wie nichts,[2] vermutlich nicht das was Sie zu suchen scheinen.

Was das Creolische anlangt, so sind blos folgende Publikationen nennenswert:

1. Lexica. Schumann. Neger=Englisch und Deutsches Wörterbuch (im vorhergeh. Jhrhdt. gedruckt, wo? ist mir nicht bekannt.)[3]

Focke. Neger-Engelsch Woordenboek. Leyden 1855.[4] Wullschlägel. Deutsch-Negerenglisches Wörterbuch. Löbau. 1856.[5]

2.Grammatiken. Greenfield Defense of the Surinam Negro-English Version of the N Testam. London 1833. Helmig van der Vegt. Proeve[6] ǀ2ǀ eener handleiding om het Neger-Engelsch … Amsterdam 1844. Wullschlaegel Kurzgefasste Neger-Englische Grammatik. Bautzen 1854.[7] J. M**** Grammatica over de Creolse sprog på de Danske Eiland i America. Kjöbenh. 1770.[8] Dann 2 Tractate von Putman über den Jargon von Curaçao (Santarosa in den 50er Jahren)[9] endlich Ducoeur-Joly Manuel des habitants de St Domingue. Paris 1802. 2 Bde.[10] (großes Vocabular und Gespräche). Catechisme en la langue Creole (mit Gramm.) Paris 1842.[11]

Das ist so ziemlich alles, was darüber existirt.

Die kleine Abhandlung von E. Teza über den Dialekt von Curaçao werden Sie wohl haben.[12]

Es existiren über die creolischen Sprachen handschriftliche Arbeiten in den Archiven der Herrenhuter Gemeinde und in der öffentl. Bibliothek von Rio de Janeiro, auf deren Benützung Sie wohl nicht eingehen dürften.

ǀ3ǀ Was die afrikan. Sprachen anlangt, so finden Sie das Grammatische in meinem Grundriß I, 2[13] und der Abhandlung über Grebo, Kru, Basa alles beisammen.[14] Sollten Sie jedoch mehr das Lexicon consultiren wollen, dann müssen Sie außer Koelle (Polyglotta Afr.)[15] und Barth (Sammlung)[16] in den Bibelübersetzungen selbst nachsehen. Viele derselben z.B. Grebo, Kru, Mende, Nupe[17] sind sehr rar, einige derselben wie z.B. die von den Franzosen in St. Joseph de Ngasobil[18] gedruckten (Serer) in Europa ganz unbekannt. Ich habe diese Dinge von den Missionen selbst mir ausgeliehen und für meine Zwecke verwerthet.

Ich glaube daß weder in Göttingen noch sonst wo in Deutschland für dieses Fach eine bedeutende Literatur existieren dürfte.

Mit den besten Grüßen

Ihr ganz ergebener

F.Müller.



[1] Man kann nicht immer genau erkennen, ob Müller „Collega“ oder „College“ schreibt!

[2] Müller war von 1861-66 Beamter der Wiener Hofbibliothek und kannte daher deren Bestände.

[3] Christian Ludwig Schumann’s Neger-Englisches Wörterbuch, 1783 (häufig zit., aber kein Bibliotheksnachweis!).

[4] Neger-Engelsch Woordenboek, door H. C. Focke, Leiden: P. H. van den Heuvell, 1855; XIV, 160 S.

[5] Deutsch-Negerenglisches Wörterbuch: nebst einem Anhang, negerenglische Sprichwörter enthaltend / von H.R. Wullschlägel, Löbau, 1856.

[6] Proeve eener Handleiding om het Neger-Engelsch, zoo als hetzelve over het algemeen binnen de Kolonie Suriname gesproken wordt, gedurende de reis derwaarts te leeren verstaan en spreken; ... zamengesteld ... door A. Helmig van der Vegt, Amsterdam: P. N. van Kampen, 1844.

[7] Heinrich-Rudolf Wullschlaegel, Kurzgefasste Neger-Englische Grammatik, Bautzen: Monse, 1854.

[8] Joachim Melchior Magens, Grammatica over det creolske Sprog: som bruges paa de trende danske Eilande, St. Croix, St. Thomas og St. Jans i America. Sammenskrevet og opsat af en paa St. Thomas Indföd Mand, Kjöbenhavn: Trykt udi det Kongelige Wäysenhusets Bogtrykkerie, af Gerhard Giese Salikath.

[9] Bernardus Th.J. Frederiks en Jacobus J. Putman, Woordenlijst der in de landstaal van Curaçao meest gebruikelijke woorden met Zamenspraken, Curaçao: Drukkerij van het Vicariaat, 1859.

[10] S. J. Ducoeurjoly, Manuel des habitants de Saint-Domingue, 2 Bde., Paris 1802.

[11] Abbé M. Goux, Catéchisme en langue créole, précédé d’un essai de grammaire sur l’idiome usité dans les colonies, Paris, Impr. H. Vrayet de Surcy, 1842.

[12] Emilio Teza, Il Dialetto Curassese, in: Politecnico 21, 342-352, Bologna 1863.

[13] Friedrich Müller, Grundriss der Sprachwissenschaft. Wien: Hölder 1876-1888.

[14] Müller, „Die Sprachen Basa, Grebo und Kru im westlichen Afrika“, SB d. phil.-hist. Classe d. kais. Akad. d. Wiss. zu Wien 86, 1877, H. 1-3 (April-Juni), 85-102.

[15] Sigismund Wilhelm Koelle, Polyglotta Africana, London 1854.

[16] Heinrich Barth, Sammlung und Bearbeitung central-africanischer Vocabularien, Gotha 1862-66.

[17] Alle sind west-afrikanische Sprachen.

[18] Meist „Ngazobil“ im Senegal, eine der ältesten Missionsstationen der Congrégation du Saint Esprit.