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Visitenkarte (02-00943)

Dr.[1] Vittorio Bertoldi

ringrazia di cuore per il dono che gli a procurato un godimento infinito.

Devotissimo Bertoldi.

Bonn

Universität



[1] Dr. ist doppelt durchgestrichen. Als Datum kommt wegen Bertoldis Ernennung zum Lektor Ende 1925 / Anfang 1926 in Frage. Für welche Schrift Schuchardts sich Bertoldi bedankt, wissen wir nicht. - Als Bertoldi für das Bonner Lektorat in Aussicht genommen wurde, fragte er Spitzer um Rat. Dieser teilte ihm am 2.9.1925 aus Pörtschach das Folgende mit: „Wie Sie wissen, untersteht der Lektor zum Unterschied vom Priv.-Doz. vor allem dem betr. Fachordinarius. Sie werden sich also vor allem Meyer-Lübke anpassen müssen. Doch ist es von Vorteil, wenn Sie sich auch den übrigen Fakultätsmitgliedern nähern. Der Lektor in Bonn ist ,un personnage en vue‘, er steht in gesellschaftlichem Verkehr mit allen Dozenten, sie werden also auch mindestens den philologischen Univ.-Lehrern am Sonntag einen ,feierlichen‘ Antrittsbesuch machen müssen, eine zwar lästige, aber unumgänglich notwendige Formalität. Eine Lehre scheint mir wesentlich: Deutschland ist nicht Österreich, und Bonn ist eine deutsche Universitätsstadt. Das heißt, jene gemütliche Schlamperei und jenes kompromißlerische Hin u. Her wie in Alt-Österreich ist im Reich unbekannt. Es wird also ratsam sein, eine entschiedene Stellung in allem einzunehmen. Vor allem in nationaler Beziehung. Eine offene, sachliche, korrekte Aussprache gegnerischer Meinung wird in Bonn nie verstimmen, wohl aber ein Lavieren oder nicht Gerade-Heraussprechen. Ich habe meinesteils oft von der öffentlichen abweichende Meinungen geäußert, aber gerade durch die Offenheit Freunde gefunden.

Wenn Sie für italienisches Wesen Sympathie werben wollen, so werden Sie eben dadurch Sympathie finden. Sie werden natürlich auch Professoren finden, die etwas reserviert Ihnen gegenübertreten, die beste Waffe ist ihnen gegenüber dieselbe Haltung: Reserve. Aber im allgemeinen herrscht in Bonn eine Stimmung der Arbeitsamkeit und Korrektheit, eine Abkehr von Phrasenhaftigheit und Hohlrednerei. Ehrliche Arbeit findet ihre Würdigung. Die Studenten sind sehr nett und ich würde Ihnen raten, persönliche Berührung mit ihnen zu suchen. Sie werden gut tun, ihnen auch in literarhistorischer Beziehung etwas zu bieten, da die ital. Literatur sonst unvertreten bleibt“ (zit. nach Barbato, 534-535).