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Postkarte (65-05637)

Verehrter Kollege!

Ich hoffe, daß Sie mit guter Gesundheit den Winter begonnen haben. Verleben Sie ihn so gesund wie möglich. Zur rechten Stimmung kommen wir nicht wieder. Heute möchte ich Ihnen eine Frage vorlegen. Unser Wort Tusch – Trompetentusch scheint um 1800 von Oesterreich (Wien) aus eingedrungen zu sein, u. Schmeller[1] hat an Ursprung aus Ungarn gedacht. Gibt es eine ungarische Entsprechung, die nicht deutscher Herkunft wäre? Ich wäre für eine Nachricht sehr dankbar. Es wird Sie interessieren, daß ich ein mlat. waracionem, das ich als Quelle von afrz. garçon vorausgesetzt habe, in Reichenauer Urkunden des 9. Jahrhs. als Personennamen gefunden habe.[2] Vor 14 Tagen ist Baist plötzlich gestorben, ohne Krankheit und innerhalb weniger Stunden.[3] Zuletzt plante er einen Aufsatz über die Gießkanne im Afrz. Aber mit seinen nachgelassenen Konzepten zu Etymologien u. Wortgeschichten wird wohl ǀ2ǀ niemand etwas anfangen können. Auch sein Parzival ist noch ganz unvollendet.[4] Sie werden noch immer rüstig bei der Arbeit sein!

Mit diesen Wünschen grüßt Sie herzlichst Ihr getreuer

Kluge



[1] Johann Andreas Schmeller, Bayerisches Wörterbuch, 2. Ausg. München 1872-1877, 344: „ungar. tus, slaw. tus, signum laetitiae ad sonitum musicum“.

[2] Vgl. Lfd.Nr. 64-05636.

[3] Gottfried Baist starb am 22.10.1920. Er hatte sein Prorektorat im Jahr 1909 mit der Rede „Parzival und der Gral“ begonnen. Seine nachgelassenen Papiere müssen als verschollen gelten. Sie wurden, wie man der Vorrede der Hilka’schen Ed. des Perceval entnehmen kann, ihm seinerzeit von den Erben übergeben.

[4] Der Percevalroman (Li Contes del Graal) von Christian von Troyes. Unter Benutzung des von Gottfried Baist nachgelassenen handschriftlichen Materials hrsg. von Alfons Hilka, Halle a. S. 1932.