Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Postkarte (63-05635)

Verehrtester Kollege!

Mit herzlicher Teilnahme, aber auch mit Wehmut habe ich Ihre Herzensbekenntnisse kennen gelernt.[1] Die Wahrheit und Herzlichkeit Ihrer Lebenserinnerungen ist ergreifend. Manche Stimmungen u. Gefühle haben wohl viele von uns durchgemacht. In der heutigen Trübsal suchen wir Trost in der Vergangenheit, wenn sie auch ihre Schatten gehabt hat. Ihre Person wie Ihr Leben ist uns Allen Aufrichtung u. Trost zugleich, und man folgt mit dankbarem Herzen zurück in Freud u. Leid. Ich freue mich, Sie so rüstig zu wissen.

Ich schreibe jetzt meine deutsche Sprachgeschichte, die im Spätjahr erscheinen soll; ich erwarte täglich die ersten Druckbogen.[2] Was macht übrigens Kollege Pogatscher?[3] Lebt er in Graz? Wir haben jetzt Heiß als Baistens Nachfolger: jedenfalls eine tüchtige Lehrkraft, wie ich höre.[4] Überall mausert sich ǀ2ǀ Deutschland; und neues Leben blüht aus den Ruinen? Ein schrecklicher Druck lastet auf uns Allen. Bleiben Sie noch lange rüstig u. frisch wie bisher.

In herzlicher Verehrung

Ihr getreuer

Kluge



[1] Schuchardt, „Bekenntnisse und Erkenntnisse“, Wissen und Leben 13, 1919, 179–198.

[2] Vgl. Lfd.Nr. 62-05634.

[3] Kluge fragt Schuchardt in regelmäßigen Abständen nach ihm, vgl. Lfd.Nr. 45-05620 u. 53-05628.

[4] Hanns Heiß / Heiss (1877-1935), Romanist, Schüler von Heinrich Schneegans; von 1914-19 Prof. an der TH Dresden, dann als Nachfolger von Gottfried Baist (1853-1920) nach Freiburg berufen.