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Brief (35-07071)

Graz 30/4 08

 

Verehrter Herr Hofrat!

Entzückt bin ich von meinem Titel: Aus dem Leben der Sprache auch nicht.[1] Aber mit dem Gehalt stimmt er sehr gut u. zu weit ist er gewiß nicht., denn ich spreche von den wichtigsten Problemen.

Die Kindersprache wird tatsächlich kaum 1/3 des Anfangs ausmachen. Für den Titel nimmt mich das noch ein, daß ich einen II. Band leicht anfügen kann. Vorläufig publiciere ich ja nur Dinge, die mir selbst schon alter Kohl sind. Mich wird erst die Fortsetzung in Bd. II wieder anregen.[2] Im Theater, in der Familie, im Wirtshaus usw. habe ich noch vieles beobachtet, wovon ich derzeit noch nicht rede.

|2| daß *extufa u. Stube ein gemeinsames Leben gelebt haben, darüber sind wir zwei längst in x Gesprächen einig geworden. Auch das germ. dh. deutsche Wort scheint das zu bezeugen. Aber die Grenze dieses gemeinsamen Lebens sind erst festzulegen. Einige Kleinigkeiten zur Frage bringe ich demnächst.

Bouchal[3] ist da u. wird Sie besuchen.

Much will kommen u. mit uns unsere Zts besprechen. Ich sage unsere, denn ich lasse Sie nicht aus. Sie sollen mit Geschäftlichem nicht behelligt werden.

Ich will überhaupt keinen Käfig construieren, sondern einen luftigen Wald zugänglich machen ohne Polizei.

Mit schönstem Grusse

Meringer



[1] Gemeint ist Meringers Publikation Aus dem Leben der Sprache. Versprechen, Kindersprache, Nachahmungstrieb. Festschrift der k.k. Karl-Franzens-Universität aus Anlaß der Jahresfeier am 15. XI. 1906, Berlin 1908.

[2] Eine monographische Fortsetzung ist nicht erschienen.

[3] Leo Bouchal (1877-1936), Jurist und wichtiges Mitglied der Anthropologischen Gesellschaft in Wien. Seine Korrespondenz mit Schuchardt (Bibl. Nr. 01259-01276)  ist noch nicht ediert.