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Brief (07-04497)

Wien 20.I.1913.

Hochverehrter Herr Hofrat!

Empfangen Sie meinen wärmsten Dank für Ihre so gütige, rasche Beantwortung meiner Anfragen. Ich muß Sie nur recht bitten, sich meinetwegen nicht jetzt in kalte Räume zu begeben; denn ich brauche ich [sic] die Notizen gewiß jetzt noch nicht, ich fügte diese Anfrage |2| nur bei; da ich mich wegen Dr. Pöch nach Ihrer Arbeit erkundigen wollte, die aber leider nicht erschienen ist. Dies bedaure ich wirklich außerordentlich!

Den Namen meiner Nichte hatte ich vergessen Ihnen mitzuteilen. Ich habe ihr übrigens auch selbst noch nichts darüber geschrieben; da ich immer rechnete einmal selbst nach Graz zu kommen; |3| anderseits auch Ihnen nicht vorgreifen wollte, wie es Ihnen, hochverehrter Herr Hofrat wünschenswerter sein würde.

Meine Nichte ist die Frau von Dr. Bruno Kubart,[1] Privat-Dozent an der Grazer Universität. Ich möchte nur nochmals wiederholen, daß ich die eventuellen Aufzeichnungen meines teuren Gatten momentan gewiß nicht benötige; |4| nur im Laufe des Sommers gedenke ich die Ethnographie Gischins[2] zusammen zu stellen, und da bin ich Ihnen sehr dankbar, daß ich auf diese Notizen rechnen darf. –

Indem ich nun wünsche, hochverehrter Herr Hofrat mögen sich baldigst von Ihrer Verkühlung erholen, sende ich hochachtungsvolle Empfehlungen und verbleibe in aufrichtiger Verehrung

Ihre

ergebenste

Marie Hein.



[1] Bruno Kubart (1882-1959), Paläobotaniker, studierte ab 1901 an der Universität Wien Botanik und war ab 1907 Assistent am botanischen Laboratorium (ab 1910 Institut für systematische Botanik) der Universität Graz. 1912 habilitierte sich Kubart für Botanik mit besonderer Berücksichtigung der Phytopaläontologie. Seine Ernennung zum außerordentlichen Professor der Phytopaläontologie erfolgte 1920, die zum Vorstand eines Laboratoriums für Phytopaläontologie (das spätere paläobotanische Institut) 1923. 1936 wurde Kubart in den zeitlichen Ruhestand versetzt und von seinem Lehramt entlassen, sofort nach dem "Anschluss" 1938 erfolgte seine Reaktivierung. Ab Oktober 1945 wurde Kubart in den Ruhestand versetzt (vgl. Universitätsarchiv Graz, Personalakt Bruno Kubart; Teppner 1997: 139-143).

[2] Marie Hein plante offenbar eine Bearbeitung der ethnographischen Sammlungen aus Südarabien (siehe Lfd. Nr. 30), ob sie diese auch publizieren wollte, ist nicht bekannt. 1914 trat sie jedenfalls als Herausgeberin von "Südarabische Itinerare. Erkundet von Wilhelm Hein" in den Mitteilungen der k.k. Geographischen Gesellschaft in Wien in Erscheinung (Hein 1914).