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Brief (02-04492)

Wien d. 19/II 05

Hochverehrter Herr Hofrat!

Herr Hofrat werden gewiß über meine Saumseligkeit recht ungehalten sein; aber diesmal werden Sie mich entschuldigen, da ich selbst heute noch mit der linken Hand schreiben muß. Es hat mir nämlich unser großer Hund seinen langen Hauzahn zwischen Daumen und Zeigefinger hineingeschlagen, und anfangs schwoll sogar die Hand und der Arm an, jetzt hat der Schwürungsprocess bald sein Ende gefunden. Auch kam dazu noch die böse Influenza, und ich mußte fast 14 Tage zu Hause bleiben. Erst seit Freitag |2| gehe ich wieder ins Museum. In Bruck an der Leitha soll es kein Museum geben. Frau Professor Andree-Eysn[1] hat Februar 1903 nach München geheiratet, früher war sie immer in Salzburg. Die Inventare habe ich fast alle durchgegangen, und sende Ihnen alles was ich ohne Kurbel fand. Auch einige Bemerkungen von Spindeln. Die Photographie bringt Bambusgeräte, die Direktor Gustav Funke von der k.k. Musterwerkstätte für Korbflechterei[2] anläßlich eines Vortrages über Bambus[3] während der Lehrlingsausstellung im Prater vorigen Herbst[4] im Hofmuseum aufnahm.[5] Ich erbat mir nun das Bild, sehe aber leider, dass der eine Haspel 17763 [Inventarnummer nachträglich ergänzt] zusammengelegt ist.[6] Hoffentlich genügt Ihnen Herr Hofrat die Zeichnung doch.

Von 17760 sende ich eine freilich recht |3| schlechte Zeichnung; denn ich kann überhaupt nicht zeichnen, und mit der linken Hand geht's schon gar nicht.

Vielleicht können Herr Hofrat von diesen wohl recht geringen Notizen doch etwas brauchen. Ich bin auch jederzeit zu weiteren Nachforschungen bereit; mittlerweile wird ja doch die rechte Hand in ihre Dienste treten. Ich rechne es mir ja zur Ehre an, wenn Sie, hochverehrter Herr Hofrat mich verwendbar finden.

Indem ich nun hoffe, daß Herr Hofrat sich wohlauf befinden, empfiehlt sich Ihnen hochachtungsvoll

Ihre

sehr ergebene

Marie Hein. |4|

22173 Sammlung Maria-Brunn aus Ostasien.

Unvollständiger Haspel bestehend aus zwei runden Rahmen aus Rohr mit Netzwerk dazwischen; ein Rahmen mit 6 zugespitzten Holzspeichen. Durchmesser 57 cm. Ohne Achse.

22185 Ein Haspel unvollständig aus dunkelbraunem Holz in Form eines Holzkreuzes mit Querstangen am Ende, sammt Ständer der in die Erde zu stoßen ist. ? Durchmesser 120 cm Höhe des Ständers 90 cm. Malayisch?

Diese 2 Stücke sind gänzlich zerbrochen in einer Kiste am Boden. |5|

24867 Baumwollspinner. Ein Holzstängelchen mit rundem Knopf am Ende, rot-schwarz lackiert 11.5 cm lang. Jetzt sehr selten.

24868 Baumwollspinner, birnförmig mit kleiner Eisenspitze am spitzen Ende, rot lackiert. 3.5 cm lang.

Sammlung C. W. Rosset von den Malediven.

25355 Spindel der Kurdenweiber bestehend aus einem unten zugespitzten, rundem [sic] Holzstabe mit einer Halbkugel aus Holz, grün gefärbt, 51 cm lang.

17760  [Zeichnung] mit Bast befestigt |6|  

17759

Garnhaspel "Bulelengang". Eine Garnhaspel, bestehend aus einem etwa fußlangen, verticalen runden Stock, der sich in einer verticalen, feststehenden Hülse um seine Längsachse dreht. Am oberen Ende dieses runden Stabes sind in zwei den Stab durchbohrenden Oeffnungen vier horizontalverlaufende, stellbare Stäbchen übers Kreuz befestigt. Die Enden dieser Stäbchen besitzen halbmondförmige Brettchen in deren concaven [sic] Ausschnitt das Garn verläuft. Durch die stellbaren Querhölzer kann man dem zu bildenden Strähn eine verschiedene Länge geben. Die ganze Vorrichtung ist rot und grün bemalt und vergoldet.

Von Malássero, Sammlung Dr. F.A.J. Czurda[7]

17760

Garnhaspel "Bulelengang". Eine sehr primitive Vorrichtung, um das Garn in kleine Strähne aufzuwickeln. In einer verticalen, in einem Holzblock befestigten Bambusröhre dreht sich ein schuhlanges Holz, das an seinem oberen Ende einen nach unten unter einem schiefen Winkel |7| festgemachten Stab trägt, am unteren Ende des Stabes ist ein Haken angebracht, der das Herabfallen des Strähnes verhindert.

Vielleicht auch von Malássero

17762-63

Haspel "Adjunang". Eine einfache, aus Bambus verfertigte Haspel auf welcher das gesponnene Garn aufgehaspelt wird. Diese Vorrichtung besteht aus zwei halbmeter langen dünnen, sich kreuzenden Bambuslatten an deren je zwei entgegengesetzten Enden fußlange Bambusstücke befestigt sind. Über diese Bambusstücke hin wird das Garn gewickelt.

Die Angaben sind aus dem gedruckten Catalog der ethnographischen Privatsammlung Czurdas herausgeschnitten und in das Inventar von Fall zu Fall hineingeklebt. Derselbe erschien 1883 bei Braumüller in Wien.[8]

No. 17759 gänzlich zerschlagen, konnte mir keine Vorstellung machen.



[1] Marie Andree-Eysn (1847-1929), Volkskundlerin, Sammlerin, wuchs in Salzburg in einem wohlhabenden Elternhaus auf. Ihre volkskundlichen Sammlungen umfassten Spitzen und Zeugnisse der Volksfrömmigkeit, insbesondere widmete sie sich der Votiv- und Amulettforschung. 1903 heiratete sie im Alter von 56 Jahren den Geographen und Ethnographen Richard Andree und übersiedelte nach München. Andree-Eysn unterstützte ihren Mann bei seiner Schrift über "Votive und Weihegaben des katholischen Volks in Süddeutschland. Ein Beitrag zur Volkskunde" (Andree 1904). 1910 veröffentlichte sie ihr Hauptwerk "Volkskundliches. Aus dem bayrisch-österreichischen Alpengebiet" (Andree-Eysn 1910). Sie gilt als Begründerin der Wallfahrtsforschung (vgl. Nikitsch 2002). Andree-Eysn war von 1900 bis 1903 (Sitzungsberichte 1900: [117]; Sitzungsberichte 1903: [8]) und von 1912 bis zu ihrem Tod 1929 (Sitzungsberichte 1912: [176]; Sitzungsberichte 1929: [29]) Mitglied der AG. 1918 wurde sie zum korrespondierenden Mitglied und in der ordentlichen Hauptversammlung am 8. März 1922 gemeinsam mit Hugo Schuchardt zum Ehrenmitglied gewählt (Sitzungsberichte 1925: [3]). Andree-Eysn stand schriftlich mit Hugo Schuchardt in Kontakt (siehe Nikitsch in diesem Heft).

[2] Die k.k. Musterwerkstätte für Korbflechterei in der Halmgasse 3 im zweiten Wiener Gemeindebezirk hatte die Aufgabe, das Lehrpersonal für die Korbflechtschulen in der Monarchie auszubilden und diese Schulen mit aktuellen Mustern und Produktbeispielen zu versorgen (vgl. Amtlicher Katalog 1904: 93-94).

[3] Wann Gustav Funke diesen Vortrag während der Lehrlingsausstellung gehalten hat, konnte nicht ermittelt werden. In jedem Fall hielt er im ersten Quartal 1905 im Rahmen der Vortragszyklen des k.k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie dort einen Vortrag mit dem Titel "Das Bambusrohr und seine Verwendung" (Jahresbericht 1906b: 4-5).

[4] Die von der Wiener Gewerbeschul-Kommission angeregte Ausstellung von "Wiener Lehrlingsarbeiten aus Schule und Werkstatt" fand von 11. September bis 9. Oktober 1904 in der Rotunde im Prater statt und bestand aus drei Gruppen, einer Ausstellung des gewerblichen Unterrichtswesens Wiens, einer Ausstellung lokaler Wiener Lehrlingsarbeiten und einer niederösterreichischen Ausstellung prämierter Lehrlingsarbeiten. Die Gesamtzahl aller Aussteller betrug ca. 40.000 (vgl. Amtlicher Katalog 1904).

[5] Diese Fotografie wird von Schuchardt in der Festschrift für Adolf Mussafia (Schuchardt 1905a: 9) mit Dank an Marie Hein erwähnt, befindet sich aber nicht im Nachlass Schuchardts.

[6] Die auf der Fotografie abgebildete Haspel ist nicht zusammengelegt, hier irrt Marie Hein. Hugo Schuchardt beschreibt diesen Haspeltypus in einer Textpassage über Handhaspeln mit parallelen Querhölzern bei den Malaien in der Festschrift für Adolf Mussafia ganz richtig, nämlich "daß in diesem Gerät zwei Hölzchen durch zwei lange, in der Mitte sich kreuzende Hölzer verbunden sind." (Schuchardt 1905a: 9)

[7] František Jan Antonín August Czurda (1844-1886), Arzt, Ethnograph, studierte an der Prager Universität Medizin, Chemie und Philosophie und promovierte 1875. Von 1876 bis 1882 trat er in die Dienste der Königlich Niederländisch Indischen Armee in Niederländisch Ost-Indien (Indonesien) und wurde als Militärarzt auf den Inseln Java, Sumatra und Celebes (Sulawesi) stationiert. Czurda nutzte einen dreijährigen Aufenthalt auf Südcelebes, um eine systematische Sammlung von Gegenständen der Alltagskultur anzulegen, deren größten Teil er an das k.k. naturhistorische Hofmuseum in Wien verkaufte (vgl. Hesser 2010a: 10-19; Hesser 2010b: 20).

[8] Czurda (1883). Dieser Katalog gilt als der erste ethnographische Katalog Indonesiens überhaupt, Czurdas Sammlung ist eine der weltweit vollständigsten Kollektionen der Insel Celebes (vgl. Kuhnt-Saptodewo 2012: 187).