Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Karte (08-106)

München 23, Germaniastraße 9/I am 16/I 915.

"Lernt aus deutschem Sterben deutsche Art."

Hochgeehrter Herr Hofrat!

Kann es herrlichere trefflichere Worte als Obige zur Antwort auf den Protest der Portugiesen geben! Nehmen Sie recht innigen Dank, verehrter Herr Professor, |2| für die Erinnerung an einen "wahrhaften Deutschen", für die gütige Übersendung der so warm und tief empfundenen Verse.[1]

Daß die bayr. Volkskunde einen herben Verlust durch den Tod Dr. M. Höfler’s erlitten, werden Herr Hofrat gelesen haben. Dr. Höfler[2] war eine schier unfaßbare Arbeitskraft und sicher der beste Kenner des oberbayr. Volkes. Ich konnte nur zuweilen seiner Phantasie nicht folgen, verliere aber an ihn einen stets hilfbereiten liebenswürdigen Freund, von vornehm denkender rechtlicher Gesinnung. Hochachtungsvoll

Marie Andree



[1] "In der Korrespondenz klingen stellenweise klar nationalistisch-patriotische Töne durch" – was Verena Schwägerl-Melchior (2015: 194) am Beispiel des Schriftverkehrs Hugo Schuchardts mit Karl Vossler andeutet, lässt sich auch an dieser beistimmenden Bemerkung Andree-Eysns ablesen. In ihr wird auf Schuchardts "Deutsche[n] Neujahrsgruß 1915" eingegangen, jenes Gedicht mit drei Strophen zu je acht Versen, das mit der Aufforderung "An die Portugiesen" (zur Entstehung siehe Schwägerl-Melchior 2015: 214, Anm. 81) schließt: "Wenn Ihr noch ahnet, was Ihr einstmals wart, dann lernt aus deutschem Sterben deutsche Art". (Schuchardt 1915, bei Spitzer 1928 unter Nr. 674, S. 45 vermerkt, online). Auch Andree-Eysn dokumentiert hier eine patriotisch-deutschbewusste Haltung, die, zumal in den Tagen des Ersten Weltkrieges, nicht nur zeitkonform gewesen sein mag, sondern wohl auch der ihres Mannes entsprochen hat, der bereits als "junger Bauingenieur sich als glühender Patriot für die deutsche Sache verwendete" (Brednich 1985: 6). – Nicht unerwähnt sei in diesem Zusammenhang Andree-Eysns Beziehung zu Rupprecht von Bayern, der "ihr das 'Brandholzlehen' bei Berchtesgaden als Alterssitz zur Verfügung [stellte]" (Haslinger/Mittermayr 1987: 50), ist doch dieser letzte bayerische Kronprinz (1869–1955), der "zu dem großen Kreis ihrer Verehrer gehörte" (N.N., o. J.), eine hinsichtlich seiner 'bajuwarisch'-antisemitisch grundierten Haltung kontrovers diskutierte Gestalt (Weiß 2005, Machtan 2007).

[2] Max Höfler (1848–1914) war Arzt in Bad Tölz, das "aufgrund seiner Initiative […] anerkannte Kurstadt geworden" ist (Alzheimer 1991: 113; hier wird das Todesdatum irrtümlich mit 8.12.1915 angegeben]. Höfler, u.a. Mitarbeiter am "Bayerischen Wörterbuch" und "Ehrenmitglied" des Vereins für Volkskunde in Wien, wurde von Michael Haberlandt als "unstreitig der bekannteste und vielseitigste deutsche Volkskundeforscher der Gegenwart" bezeichnet und seine "grundlegenden Untersuchungen über die deutsche Volksmedizin, die Opferkultur, die Gebildbrote" hervorgehoben, auch wenn "nicht alle Kombinationen des Forschers von der fortschreitenden Erkenntnis als stichhaltig erwiesen werden" (Haberlandt 1914).