Senden hat offenbar funktioniert, aber es wird noch ein Bestätigungsmail verschickt, sobald die Änderungen angekommen sind.
Es hat etwas nicht funktioniert. Bitte den Inhalt in Word (o.Ä.) kopieren und per Mail schicken.

Karte (02-100)

Friedrichsstraße 9

München 30/I 1905

Sehr geehrter Herr Professor!

Heute war Hr. Hugo von Preen[1] bei uns zu Tische. Er erzählte von der Vermehrung seiner volkskundl. Sammlung auf seinem Gut zu Osternberg. Auf meine Frage welche Art Garnhaspeln (-winden) er habe, zeichnete er flüchtig beifolgende |2| auf ein Stück nebenliegendes Papier.[2] Es kommt mir vor, daß eine dieser Garnwinden nicht unter Ihren Zeichnungen war. Ist es der Fall so würde sie Hr. v. Preen gewiß genauer zeichnen, irre ich mich aber so betrachten Sie diese Zeilen als nicht geschrieben und nur als Beweis, daß ich Ihres Wunsches gedenke.

Hochachtungsvoll

M. Andree.



[1] Hugo von Preen (1854–1941) stammte aus adliger mecklenburgischer Familie, studierte an der Kunstakademie in München und lebte ab 1882 als freischaffender Maler auf dem ererbten Gut Osternberg bei Braunau am Inn. Hier gründete er mit Freunden die "Osternberger Künstlerkolonie", die bis in die 1920 Jahre bestand und deren Gemäldesammlung großteils dem Braunauer Heimatmuseum zugute kam (Bauer 1934). Neben seiner künstlerischen Tätigkeit – u.a. in der Innviertler Künstergilde, die er mitbegründete – war Preen auch als Archäologe und Heimatkundler aktiv und initiierte einerseits erfolgreich die Erforschung der ur- und frühgeschichtlichen Gräberfelder des oberen Innviertels und wandte andererseits "schon während der Akademiezeit sein Interesse volkskundlichen Fragen" zu (Stroh 1942: 19). So war Preen nicht nur an der Gründung des Wiener Museums für Volkskunde beteiligt, sondern stand auch  mit den "führenden Volkskundlern in Verbindung", wobei neben Michael Haberlandt und Wilhelm Hein vor allem "das Ehepaar Andree-Eysn […] mit ihm in ständiger Fühlung" stand (Stroh 1942: 20). Mit letzterem konnte er sich – wie auch aus der Karte hervorgeht – vor allem über seine Sammlungsinteressen austauschen, so etwa über seine umfangreiche "Sammlung bäuerlichen Hausrats aus dem Bezirk Braunau, die Hugo von Preen über Vorschlag Prof. R. Andrees an das Deutsche Museum in Berlin verkaufte" (ebda.). Im Übrigen zeugt auch ein Porträt Marie Andree-Eysns von Hugo Preen von seiner Beziehung mit dem Münchner Paar (Rötelzeichnung, abgedruckt in Haslinger/Mittermayr 1987: 50).

Es soll – vor allem im Hinblick auf Lfd. Nr. 08 auch kurz die weltanschauliche Ausrichtung Hugo von Preens angedeutet sein, der "aus seiner nationalen Gesinnung nie ein Hehl gemacht" hat und dessen "vielleicht schönste[r] Tag [war], als der Führer im März 1938 in Braunau am Inn den Boden der Ostmark als Befreier betrat" (Stroh 1942: 17). So berichtet denn auch die "Neue Warte" am 30.3.1938 unter dem Titel "Dank des Führers", dass "Herr v. Preen aus Berlin folgendes Schreiben [erhielt]: 'Sehr geehrter Herr Professor! Durch Herrn Kreisleiter Müller wurde dem Führer Ihre Mappe mit Zeichnungen überreicht. Der Führer hat sich über Ihre Aufmerksamkeit sehr gefreut und lässt Ihnen seinen besten Dank übermitteln. Mit Heil Hitler! Wilhelm Brückner SA.-Obergruppenführer und persönlicher Adjutant des Führers'" (Braunau – Hitlers Geburtsstadt, online unter http://braunau-history.at/w/?title=Braunau_-_Hitlers_Geburtsstadt#Geschenk_Hugo_von_
Preen_an_Hitler).

[2] Im Schuchardt-Nachlass finden sich nicht nur die Korrespondenzen, sondern auch "Werkmanuskripte", in denen sich auch viele Zeichnungen von fremder Hand befinden. Allerdings findet sich unter den in Sektion 17.3.1.1 aufbewahrten Materialien zur Garnwinde keine solche Skizze (Hinweis von Verena Schwägerl-Melchior).