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Postkarte (01-99)

Friedrichsstr. 9

München 29/1 1905

Wie der Grazer bei Bruck nur an Bruck a/d Mur denkt so der Bewohner Münchens an Bruck bei München. Die dort befindliche Garnwinde[1] ist gewiß das von Ihnen angegebene System (2 Holzkreuze mit Schnüren verbunden), aber statt der Holzkreuze sind elastische Brettchen je 6 (in dieser Form [Zeichnung]) die durch das aufwärts biegen der unteren u. abwärtsbiegen der oberen, der Garnwinde ein ganz anderes Aussehen geben, das ich noch nicht beobachtet habe.

In Hochschätzung

M. Andree-Eysn



[1] In den aus dem Jahr 1905 datierenden Karten geht es vor allem um Sachfragen, die Schuchardt (entweder an Andree-Eysn selbst oder an R. Andree) im Zuge seiner Arbeit an der Festgabe für Adolf Mussafia (siehe auch Lfd. Nr. 04) gerichtet hat. In dieser Grußadresse an den Romanisten und Begründer der Romanistik an der Wiener Universität Adolf Mussafia (1835–1905) widmet sich Schuchardt vor allem der Wort- und Sachgeschichte der Haspel in den romanischen Sprachen und bringt dazu auch zahlreiche, den unterschiedlichsten Quellen entnommenen Illustrationen. Vieles davon hat er wohl auch dem befreundeten Ehepaar Andree-Eyns zu Kenntnis gebracht, jedenfalls weist ihn Marie Andree-Eysn auf ihr untergekommene weitere Formen und Typen der Garnwinde bzw. -haspel hin (so auch in Lfd. Nr. 02). Eine neuere "sprach- und sachkundliche Darstellung häuslichen Lebens und ländlicher Geräte", in der auch die Ergologie des Spinnen und Webens behandelt wird, bietet Scheuermeier 1956 (zu Haspeln: 278-280). Hier (280) auch die Abbildung einer zusammenklappbaren Drehhaspel, ein Typus, der auch in der Schrift "Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia" (Schuchardt 1905: 21, Abb. 57) gezeigt wird und auch im "Volkskundemuseum Wien" dokumentiert ist (ÖMV/63.475), wohin das Exemplar 1959 als Schenkung aus dem Nachlass Schuchardts von der Universitätsbibliothek Graz gekommen ist (siehe Onlinesammlungen des ÖMV, http://volkskundemuseum.at/onlinesammlungen aufzufinden unter http://www.volkskundemuseum.at/onlinesammlungen/oemv63475). Die auf der Korrespondenzkarte für das oberbayrische Bruck nahe München erwähnte Form findet sich in der Schrift von Schuchardt naturgemäß nicht.