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Brief (35-06699)

Wien 19/1 Gatterburgg. 6

23.IV 1912

 

Verehrter Freund,

Auf Deinen Brief von gestern will ich nur gleich antworten, obwol das ziemlich eilig geschehen muss.

1. In Deinem Brief vom 29.III schriebst Du mir, Du habest Schrötter durch Bauer sagen lassen, Du seiest „in bezug auf E.s letzte Schrift zwar mit Cornu einverstanden, zögest aber daraus nicht so weitgehende Folgerungen“. Der zweite Satz hebt den ersten zum Teil auf. Das heisst doch, Du erkennest die von C. herausgefundenen Fehler als Fehler an, fändest sie aber nicht so schwerwiegend. Also warst Du bezüglich dieser Schrift nicht ganz einer Meinung mit C., während in Folge Deiner Zurück- ǀ2ǀ haltung alle Welt glaubte, Du seiest es.

2. „Inkonsequenz“. Da ist nun schwer zu diskutieren. Ich glaube ja gern, dass der Wortlaut Deiner Anmerkungen an Schrötter vollkommen Deinem Standpunkt der Nichteinmischung entsprach. Aber Deine ausdrückliche Bitte, E. zu schreiben, rückte die Sache in anderes Licht. Ich bin fest überzeugt, dass schon der Wortlaut im Brief Schrötters sich gegenüber dem Deinigen unter dem Eindruck Deines so freudige Hoffnungen erregenden Schrittes wesentlich verschoben hat. Und Eines kann ich noch sagen: als ich von diesem Schritte hörte (was, glaube ich, ziemlich bald danach erfolgte, ǀ3ǀ als die späteren Verwicklungen noch nicht eingetreten waren) war ich sehr erstaunt, dass Du in einer Fakultätssache so sehr in den Vordergrund tratest.

3. Pogatscher hat mir seiner Zeit nur gesagt, dass Du bezüglich der letzten Schrift E.‘s mit Cornu übereinstimmtest. Ich habe auch bezgülich Pogatschers nie mehr behauptet und eben deswegen mit grossem Bedauern wahrgenommen, dass Du aus der Vorstellung heraus, ich hätte mehr behauptet, ihm und mir geschrieben hast. Die deswegen nötigen Berichtigungen haben einen zweiten Brief P.‘s nötig gemacht. –

Was M.L. anlangt und seine Stellung gegenüber Dir und Meringer, so möchte ich Dich bitten, mir zu erlauben, darauf ǀ4ǀ nicht weiter einzugehen. Bei den vielen zeitraubenden Schreibereien in solchen heiklen Angelegenheiten kommt doch in der Regel nichts heraus. Und erlaube mir noch eine Frage: wäre es nicht zweckdienlicher gewesen, auch in diesem Fall Dich direkt an M.L. zu wenden? Ich habe meine Aufmerksamkeit auf‘s Äusserste angespannt, um Deine Gedanken genau zu übermitteln und ebenso die von der Gegenseite, habe eine Menge Zeit verschrieben und ich bin doch nicht dem Schicksal entgangen, dass eine Äusserung von mir (die bez. Pogatschers) bei Dir ganz andere Vorstellungen hervorgerufen hat, als von denen sie ausgegangen war, was mich wieder zwei lange Briefe an P. gekostet hat. –

Bezüglich W.[1] geht es mir ähnlich wie Dir. Die Bühnenaussprache scheint doch im Vordringen zu sein, in dem Sinn, dass überall Annäherungen von der Lokalaussprache an sie eintreten. Stimmhaftes s im Anlaut habe ich z.B. in meiner Vortragssprache ziemlich häufig, wenn auch der Stimmlose nicht so stark ist wie in den slavischen Sprachen. Herzlich Dein Luick.



[1] Ludwig Wyplel, vgl. den vorangehenden Brief Schuchardts.